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Fortuna-Punkte: Fans vs Eventies – jedes Jahr dasselbe Gelaber…

Man kann es nicht mehr hören: (Fast) jedes Jahr regen sich die Immerschon-Dauerkartenbesitzer und Allesfahrer über die Menschen auf, die einfach nur Fußball gucken wollen und sich die Fortuna-Spiele herauspicken, die ihnen besonders attraktiv erscheinen. Dies Sorte Zuschauer sitzt dann gern herum und tut, was Zuschauer so tun: zuschauen. Darüber können sich besonders aktive Fans tierisch echauffieren, denn man sei doch da, um die Mannschaft zu supporten.

Diese Saison ist das Gelaber, leider auch angeheizt durch Friedhelm Funkels „Appelle“, es mögen doch mehr Leute in die Arena kommen, um seine Jungs zu unterstützen, besonders breit und tief. Alles ist dazu schon gesagt, nur noch nicht von allen. Und kaum jemand ist sich nicht zu blöd, in der Phrasenkiste ganz unten zu wühlen. Düsseldorf sei einfach keine Fußballstadt, blubbert es aus einigen Hirnen, sondern eine Eventstadt. Vermutlich meint diese Klientel damit, dass „der Düsseldorfer“ sich aus dem reichhaltigen Angebot an Vergnügungen aussucht, was ihm am vergnüglichsten erscheint. Was ist dagegen einzuwenden?

Der Mythos von der Fußballstadt

Fußballstädte sind nach Ansicht dieser Floskelkauer Orte wie Gelsenkirchen oder Dortmund. Und outen sich damit entweder als Typen, die noch nie auf Schalke oder im Westfalenstadion waren oder als schlechte Beobachter. Hey, als wir 2012 beim BVB das sensationelle 1:1 holten, war der gelbschwarze Tempel zu 80 Prozent angefüllt mit dem, was ihr „Eventies“ nennt, also Menschen, die einfach Spaß daran haben, ein Fußballspiel zu gucken. Gerade auf den Sitztribünen bewegte sich vorwiegend nichts, und der Gang zum Bierstand hatte immer Priorität. Support kam ausschließlich von der sogenannten „gelben Wand“.

Es mag arrogant klingen, ist aber nachweisbar: Die Bürger der schönsten Stadt am Rhein und die Menschen in ihrem Einzugsgebiet haben halt wirklich eine extrem große Auswahl an Events zur Auswahl – besonders im Vergleich zu den angeblichen Fußballstädten. Wer also nicht poseteff bekloppter Fortuna-Fan ist, der kann an jedem Heimspieltag wählen, ob er in die Arena kommt oder sich irgendeinen Event (vor allem an der Rheinpromenade) antut. Gut, dass muss Herr Funkel als in der Wolle gefärbter Neusser nicht wissen oder aus lokalpatriotischen Gründen nicht wahrhaben wollen. Sein Genörgel ist so oder so sinnlos.

Legenden von schlimmen Zeiten

Die Anti-Eventie-Front plustert sich aktuell besonders auf. Denn da wagen es Konsumenten, unbedingt Karten fürs Heimspiel gegen Schalke erwerben zu wollen, die nicht bei der Partie gegen Augsburg dabei waren und nicht vorhaben, die Begegnung mit der SAP-Werkself über sich ergehen zu lassen. Als „Rosinenpicker“ werden sie beschimpft. Das ist so bescheuert, dass es quietscht. Man stelle sich eine Debatte unter Freunden der metallischen Rockmusik vor, in der die harte Fraktion aufbraust, wer sich die norwegische Totmetalltruppe Boarxatom im Pitcher nicht antue, habe kein Recht, sich Tickets für Judas Priest zu kaufen.

Von beiden Seiten wird gern mit der Vergangenheit argumentiert, mit Bundesligaspielen in den Neunzigern, bei denen sich deutlich weniger als 10.000 Leute im Rheinstadion verteilten. Oder dem legendären Spiel in der Oberliga anno 2003 gegen Ratingen 08/15, als sich knapp 2.000 Unermüdliche bei ungemütlichem Wetter ins PJS wagten. Oder die Pokalendspiele, oder Basel. Immer dieselbe Leier. Und die Mehrheit derer, die sich für Fans halten, bezieht sich bei ihren Legenden und Dönekes immer auf die Zeit, in der sie besonders aktiv waren, also meistens das Alter zwischen 16 und 30. Diese Phase, wann immer sie im Zeitstrahl angeordnet sein mag, war dann immer unbestritten die goldene Ära, die Phase der dollsten Erlebnisse und überhaupt, wer damals nicht dabei war, kann nicht mitreden.

Okay, für nicht wenige Leute beginnt die Geschichte der Menschheit ja auch mit dem Tag der eigenen Geburt. Und wer sagt, er gehe schon seit 1973 zu Fortuna, teilt eigentlich nur mit, dass er zwischen 1955 und 1967 geboren wurde. Tatsächlich gibt es nur ein paar Händevoll Fortuna-Anhänger, die „schon immer“ hingehen und zwischendurch nie nicht gegangen sind. Jeder Mensch hat biografische Lücken, auch in seinem Fan-Dasein. Normal ist also nicht, schon immer und durchgehend immer die Fortuna unterstützt zu haben, sondern Phasen massivster F95-Beklopptheit und Zeiten der Abstinenz durchlebt zu haben.

Manche Fans waren mal Eventies

Übrigens: Wer in fortgeschrittenem Alter zum Fan wird, hat meistens als Eventie begonnen. Kennen wir ja, solche Fälle: Bin nach Düsseldorf gezogen und wollte bloß mal Fußball gucken, aber dann hat mich der F95-Virus gepackt. Das ist doch schön! Oder die Stories von Jungs und Mädels, die vom Papa paar Mal in die Arena geschleift wurden, weil gerade nirgendwo ein Hüpfburgfestival stattfand, und sich dabei angesteckt haben. Die idealtypische Fan-Biografie, nach der man den Opa schon als WindelträgerIn ins Rheinstadion begleitet hat, dann mit dem Vater und/oder den Onkels hingegangen ist, um sich mit vierzehn einer erlebnishungrigen Fan-Bande anzuschließen und/oder Ultra zu werden, nach der Geburt des ersten Kindes nicht mehr zu jedem Auswärtsspiel gefahren zu sein und nun wegen körperlicher Beschwerden eine Sitzplatzdauerkarte gebucht zu haben, aber immer noch zu jedem Heimspiel renne (sofern es der Gesundheitszustand zulässt), ist extrem selten.

Weil aber die hochaktiven Fans, die jetzt wieder auf sogenannten „Eventies“ rumhacken, in der Regel ignorante Nabelgucker sind, können sie sich keine andere Fan-Biografie vorstellen als die eigene. Und sprechen würden sie mit einem Eventie nie, mit einem Klatschpappenhelden, einem Sitzplatzfurzer, einem Nicht-Fan, der den Verein nicht im Herzen trägt. Und damit nehmen sie sich wichtiger als sie sind.

Zu wenig echte Emotionen

Und was die Funkel’sche Enttäuschung über nur 35.000 verkaufte Karten für das Spiel gegen die TSG Dietmar angeht: Wenn sich neben den 24.000 Dauerkartenbesitzern, darunter die glühenden Fans, weitere gut 10.000 Düsseldorfer dafür entscheiden, eine Partie gegen ein Team zu besuchen, das ein fußballverrückter Milliardär mit massivem Kohleeinsatz und unter Mithilfe eines Totengräbers des Fußballs aus dem kurpfälzischen Boden gestampft hat, dann ist das überraschend viel. Denn der typische Eventie, der will nicht einfach nur ein schickes Soccer-Game betrachten, der will echte Emotionen erleben, also miterleben bzw. konsumieren. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei der Partie gegen Schalke einfach deutlich höher.

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