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1959 – 2023: Meine 64 Jahre mit der Fortuna (Folge 6 : 2013 bis 2015)

Das passende T-Shirt zum Spiel gegen den Äff-Zeh (Foto: FP)

Das passende T-Shirt zum Spiel gegen den Äff-Zeh (Foto: FP)

Wer gedacht hatte, die glorreiche Fortuna würde nach dem Abstieg in der Zweiten Liga durchgehend oben mitspielen, sah sich – zumindest bis zur Saison 2017/18 getäuscht. Stattdessen gab es Chaos rund um den Trainerposten und in Vorstand und Aufsichtsrat.

Lesestück · Bis heute heißt es offiziell, der Verein und Erfolgstrainer Norbert Meier hätten sich nach dem Abstieg einvernehmlich getrennt. Tatsächlich aber gab es, ähem, Unstimmigkeiten im sozialen, eher noch: zwischenmenschlichen Bereich. Es heißt, Kopfstoß-Meier habe ein besonderes Verhältnis zur Frau eines Spielers gepflegt. Da bekam der alte Schlachtruf, der auf den F95-Helden Frank Mayer als Torschütze gemünzt war, eine besondere Bedeutung: “Der Mayer hat gef***t, ole, ole…” Dass man dann Mike Büskens, den Bujo, holte, einen verdienten Ex-Spieler, löste bei vielen Fans Freude aus. Immerhin hatte der die Fürther in die Erste Liga gehievt. [Lesezeit ca. 7 min]

Aber es sollte weniger erfreulich kommen. Ein Sieg und ein Unentschieden in Spiel Zwo gegen den Äff-Zeh (dazu später mehr) sahen vielversprechend aus, dann aber ging es mit ein paar Niederlagen und Remis runter bis auf Platz 15. Der Durchmarsch in die Dritte Liga schien im Bereich des Möglichen. Siege gegen Fürth und in Ingolstadt brachten das Team kurzzeitig wieder hoch, aber dann folgte das bis heute blamable 1:6 gegen die Paddelbirnen. Dass eine auf dem Papier gute Mannschaft sich zuhause so auskontern ließ, fiel rasch auf den Trainer zurück.

Auswärts in K’lautern im Dezember 2013 (Foto: FP)

Denn die Fans hatten Kollegen wie Martin Latka, Heini Schmidtgal, Jimmy Hoffer und Charlie Benshop ganz lieb und waren eh Anhänger von Axel Bellinghausen und Oliver Fink. Und dann Aue und Karlsruhe. Nach einem verunglückten Rückpass von Bruno Soares fällt Keeper Giefer den Angreifer und sieht zurecht Rot. Außerdem gibt’s Elfer und am Ende eine 3:0-Niederlage im Erzgebirge. Auch gegen den KSC zuhause ist der Wurm drin. Die Mannschaft wirkt total uneinheitlich. Eigentlich musste man Mathis Bolly mögen, diesen schnellen Außenläufer, der aber oft schneller lief als der Ball, den er transportieren wollte. Verletzungsausfälle und Sperren sorgten dafür, dass Büskens ständig umstellen musste.

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Jedenfalls war’s das für den Bujo nach dem 0:2 gegen den KSC. Torwarttrainer Oliver Reck übernahm kommissarisch. Der beließ es beim 4-4-2 und nahm auch personell nur eine grundlegende Veränderung: Bolly würde unter ihm nicht mehr spielen. Und, zack, in K’lautern gab’s einen Auswärtssieg. Das war meine erste Partie am Betzenberg, den ich persönlich unmittelbar kennenlernte. Sehr kurz entschlossen hatte ich mich auf den Weg gemacht und mir unterwegs(!) noch eine Eintrittskarte gesichert. Neutral gekleidet erklomm ich im Kreise von lauter Lautern-Fans den Berg – ein Erlebnis für sich. Im feuchtkalten Block gab’s Ärger, denn in jenem Jahr versuchte gewisse rechtsorientierte Kreise mal wieder Einfluss auf die Fanszene zu nehmen. Jimmy Hoffer macht in der 31. Minute das 1:0, und Reck lässt anschließend 60 Minuten lang Beton spielen. Der Zweck heiligt die Mittel.

In Cottbus holten die Jungs ein 3:1, und dann kam der Hundemithörnern-Club, dieses erst 1948 in Folge von Zwangsfusionen verschiedener k**scher Vereine entstanden Retortenprodukt. Die waren Herbstmeister geworden und grüßten am 19. Spieltag, zwei Tage vor Heiligabend von der Tabellenspitze. Das wir wieder gegen den Äff-Zeh in einer Liga antreten durften, war für mich das Highlight der Saison. Leider weilte ich im Kurzurlaub in meiner zweiten Heimat im niederländischen Zeeland. Trotzdem wollte ich mir dieses einzig wahre Rheinderby nicht entgehen lassen. Also setzte ich mich bei kühlem Regenwetter ins Auto (meine Frau zeigte mir nur den Vogel…) ins Auto und machte mich auf drei Stunden Anfahrt.

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Die Bude war ausverkauft, die Stimmung gut, und wir alle hofften auf Hoffer. Und fürchteten uns ein bisschen vor Schiri Graefe, der uns früher ja mindestens einmal ordentlich verpfiffen hatte. Dieses Mal profitierte F95 von einer Fehlentscheidung, und zwar mit dem Ausgleich zum 2:2 in der 62. Minute durch Charlie Benshop. Ui, da war aber viel Bier in der Luft! Leider hatten die Domdörfler aber einen überragenden Ujah in ihren Reihen, und der machte dann noch den Siegtreffer. Und weil die Hütte voll war und vor allem Äff-Zeh-Anhänger zu blöd waren, rechtzeitig anzukommen, begann die Partie mit 30 Minuten Verspätung. Deshalb saß ich dann erst wieder um 17 Uhr im Auto und riss die gut 300 Kilometer an den Strand von Zoutelande zurück.

Aufruf zur Zerstörung des Müngersdorfer Stadions (Foto: FP)

Dass ich so scharf auf diese Begegnung war, hatte viel mit meinen Erlebnissen vom 2. Spieltag zu tun. Denn da ging’s für unsere Farben ins Müngersdorfer Stadion. Leider stellte sich der Fahrer des SCD-Busses als Bergheimer raus, der meinte, er kenne den Weg. Anstatt auf der von der Polizei vorgeschlagenen Route zu bleiben, steuerte er den Militärring an, und schon da wurden wir von einer Fußgängerbrücke aus mit Flaschen beworfen. Der Blödmann aber kriegte es hin, sein Gefährt auf die Aachener Straße zu steuern, mittenrein in die fetteste Äff-Zeh-Horde. Und dann steckten wir an der Einmündung des Schleichwegs fest. Dutzende K**ner stürzten auf den Bus zu, es flogen Steine und Flaschen. Der Depp am Lenkrad öffnete mal eben die Tür, um sich mit den Cops zu unterhalten. Die aber hatten den Mob nicht im Griff, und plötzlich flogen brennende Bengalos. “Mach die Tür zu, du Arsch!” brüllte ich noch.

Endlich fuhr er eskortiert von Polizei zu Fuß los. Man leitete uns auf einen Waldweg im Grüngürtel und teilte uns mit, von hier aus sollten wir uns zu Fuß zum Stadion durchschlagen; Polizeischutz sei leider nicht möglich. Erst einmal besichtigten wir die Schäden an den Bussen: Mehrere Fensterscheiben waren beschädigt, und an unserem Bus gab’s Brandspuren. Ehrlich gesagt: So viel Schiss hatte ich noch nie bei einem Fußballspiel. Die wollten uns killen, da war ich sicher. Und beschloss, mir den Rest nicht anzutun. Es war schön warm, im war im T-Shirt, allerdings eines, dass eine ziemlich derbe Hassbotschaft gegen den Äff-Zeh transportierte. Also drehte ich es auf links und machte mich auf den Weg durch die stillen Vorstadtstraßen.

Irgendwo in Braunsfeld traf ich den F95-Promibus, der sich festgefahren hatte. Dann erreichte ich die Aachener Straße, setzte mich in die Bahn und fuhr zum Bahnhof. Die zweite Halbzeit sah ich dann gemütlich draußen am Schumacher Ost stehend im Kreise Gleichgesinnter.

1860 vs F95: Die legendäre Pissrinne in der Allianz-Arena (Foto: FP)

Was die Verantwortlichen der glorreichen Fortuna geritten haben mag, in der Winterpause Lorenz-Günther Köstner (LGK) als Chefcoach zu verpflichten, bleibt auf ewig unbegreiflich; Sachverstand war es jedenfalls nicht. Auch nicht besser nachvollziehbar die Verpflichtung von Helmut Schulte als Sportvorstand. Völlig bekloppt dann aber die Aktion des Aufsichtsrates, ihren Vorsitzenden, Dr. Dirk Kall, zum 1. Februar 2014 zum hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden zu machen. So viele Böcke hatte die Fortuna schon lange nicht mehr zu Gärtnern befördert. Dass Kall, der von den Fans im Verbund mit Schulte zum Vereinskiller erhoben wurde, aufrückte, lag daran, dass Peter Frymuth zum DFB wechselte, hatte aber ein Geschmäckle, das die Mitglieder alsbald per Satzungsänderung für immer unmöglich machten.

April 2015 im Millerntorstadion (Foto: FP)

Sechs Unentschieden in neun Partien stehen als Bilanz von LGK zu Buche. Dann ließ er sich krankschreiben, und Olli Reck wurde für den Rest der Saison zum Chefcoach befördert und produzierte sechs Siege und ein Unentschieden, was die glorreiche Fortuna noch hoch bis auf Platz 6 brachte. Ich persönlich glaube, dass es uns allen gutgetan hätte, an Reck festzuhalten, der nach nur zwei Niederlagen am Stück und dem “Sturz” auf Platz 7 am 22. Spieltag der Saison 2014/15 entlassen wurde. Es hieß damals, der Olli sei mit den Verantwortlichen immer schlechter zurechtgekommen, vor allem mit Sportvorstand Schulte, mit dem aber überhaupt niemand wirklich gut zurechtkam.

Das Chaos in den Gremien und im spochtlichen Bereich war im Frühjahr 2015 perfekt. Unterwegs gab’s die bekloppte Jahresmitgliederversammlung am 30. Oktober 2014 im völlig überdimensionierten ISS-Dome, bei der sich die Wahlen bis weit nach Mitternacht hinzogen. Während drinnen gezählt wurde, stand ich draußen mit Robert Palikuca, der das Ganze auch nicht sehr amüsant fand. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender wurde dann Marcel Kronenberg, Veteran der Montagsrunde. Und es war ein schweres Amt, das er übernahm. Das einzig erfreuliche in dieser Zeit war der sportliche Erfolg der Mannschaft. Vorne immer noch mit Benshop und Hoffer und in der Viererkette mit dem vom HSV ausgeliehenen Jonathan Tah, einem der besten Verteidiger in Rotweiß der letzten zwanzig Jahre.

Abkühlung für die Fans bei der blöden Pokalniederlage in Wiedenbrück (Foto: FP)

Wie gesagt: Man meinte, Olli Reck schassen zu müssen, und Zwote-Trainer Taskin Aksoy übernahm kommissarisch bis zum Saisonende. Nach zwei peinlichen Heimniederlagen gegen Aalen und den FSV Frankfurt reichte es dann am Ende doch nur zum 10. Platz. Da sollte es in der Saison 2015/16 doch besser werden. Mit großem Bohei hatte man Frank Kramer als neuen Trainer geholt. In meiner Erinnerung war diese Saison eine der deprimierendsten überhaupt. Was auch daran lag, dass F95 im Pokal in Nürnberg mit einem blamablen 5:1 ausschied. Und daran, dass die Fortuna unter Kramer nur noch gegen den Abstieg spielte.

Leider wird diese Spielzeit auf ewig mit dem Namen Rachid Azzouzi verbunden sein, dem viele Fans am Ende die Hauptschuld am Trainerchaos gaben. Zu Unrecht, wie ich finde, denn der wirklich sympathische Rachid hatte weder Kramer geholt, noch später Marco Kurz. Soweit ich mich erinnere, war er es, der den unkaputtbaren Peter Hermann überredete, nach dem Rauswurfs Kramers den Interimscoach zu geben. In welchem Maße er daran beteiligt war, Friedhelm Funkel zu holen, weiß ich nicht. Es war aber nicht nur ein Jahr mit vier Trainern, sondern auch mit einem merkwürdig zusammengewürfelten Kader – für dessen Zusammenstellung Azzouzi allerdings ein erhebliches Maß an Verantwortung trug.

Gegen das Dosenprojekt in der 2. Liga (Foto: FP)

34 Nasen saßen im Kader, und nur die Leihgaben Kevin Akpoguma und Kerem Demirbay sind außer den “echten” Fortunen (Rensing, Bellinghausen, Bodzek, Fink, Bormuth, Iyoha, Fink) wirklich in Erinnerung geblieben. Oder kennt noch jemand einen gewissen Haggui? Auch von Djurdjic und van Duinen hat man danach nie mehr viel gehört. Ein Konzept war nicht zu erkennen. Olle Peter Hermann konnte da auch nichts draus machen. Aber, als dann Marco Kurz als neuer Trainer verkündet wurde, und gleich im zweiten Spiel einen 2:1-Sieg in Freiburg schaffte, da dachten manche: Jetzt wird alles gut. Ich persönlich hatte diese Wahl nicht verstanden und war nicht überrascht, als man Kurz nach nur 81 Tagen im Amt wieder wegschickte. Na ja, der ging dann nach Australien, wo er auch nicht erfolgreiche war als hierzulande.

Womit wir das Kapitel Friedhelm Funkel aufschlagen, das bekanntlich mit einem kaum erwarteten Aufstieg als Meister der Zweiten Liga im Frühjahr 2018 endete. Dieses Kapitel würde ich dann in der siebten Folge meiner persönlichen F95-Memoiren aufschlagen.

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