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F95 vs Kaiserslautern 4:3 – Was für ein Spiel, was für ein Comeback!

F95 vs K'lautern: Großartige Stümmung schon beim Einlauf der Teams (Foto: Sandra Drljaca)

F95 vs K'lautern: Großartige Stümmung schon beim Einlauf der Teams (Foto: Sandra Drljaca)

In einem unfassbaren Spiel schlug die glorreiche Fortuna nach 0:3-Rückstand den 1. FC Kaiserslautern mit 4:3.

Bericht · [Lesezeit ca. 8 min]

Vermutlich lag die Arschlochquote unter den Zuschauern auch nicht höher als die der Gesamtbevölkerung. Aber ein besonders dummes Arschloch wollte mit einer völlig bescheuerten Aktion wohl beweisen, dass es auch da war. In der 34. Minute schleuderte diese blöde Sau doch tatsächlich eine noch ziemlich volle Plastikflasche auf die Jubeltraube der Lauterer; das Spiel stand am Rande des Abbruchs, und der 1. FCK denkt dem Vernehmen nach über einen Protest nach. Der könnte zu einer Spielwertung zugunsten der Teufelchen führen. Genauso asozial auch die Type, die zwischendurch zwei Böller auf der Süd abschossen. Den haben sich allerdings die Ultras gleich gegriffen und körperlich verwarnt. Vielleicht sollte man doch einen erfolgreichen Intelligenztest zur Bedingung für die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung machen. Da macht es nicht besser, dass die ominöse Flasche den Spieler Ache maximal gestreift, wenn überhaupt getroffen hat.

F95 vs K’lautern: Die Oldtras waren auch da (Foto: Sandra Drljaca)

Letztlich waren aber das nur Fußnoten zu einem Theaterstück, bei dem die Anwesenden nicht bloß Zuschauer waren, sondern Akteure. Dazu trugen die wunderbaren Choreos auf beiden Seiten bei, wobei der Ergebene vom rundum fein beleuchteten “Betze bleibt – Lebe lang” besonders beeindruckt war. Ansonsten benahmen sich die rund 5.200 Anhänger:innen der Lauterer dieses Mal einigermaßen manierlich. Was man von den beiden Ex-Fortunen Zimmer und – ganz besonders – Ritter nicht sagen kann, die an ihr mieses Verhalten bei ihrem letzten Besuch in unserer Arena nahtlos anknüpften und es nicht lassen konnten, ihren Torjubel provokativ vor den F95-Fans aufzuführen.

Na, schon gespannt auf den Spielbericht? Nach einer kurzen Werbeunterbrechung geht’s weiter. Denn die Fortuna-Punkte verstecken sich nicht hinter einer Paywall. Alles, was du hier findest, ist gratis, also frei wie Freibier. Wenn dir aber gefällt, was du liest, dann kannst du uns finanziell unterstützen – zum Beispiel mit dem Kauf von Lesepunkten. Wir würden uns sehr freuen.

Aber auch das gehörte mit zur Inszenierung, in der am Ende dann doch der Spocht im Mittelpunkt stand. Die Aussagen einiger F95-Kicker lassen vermuten, dass Cheftrainer Daniel Thioune in der Halbzeitpause die exakt richtigen Worte gefunden hatte. Zusammen mit seinen Co-Coaches hatte er zudem Chris Tzolis erlöst. Unser fröhlicher Grieche hatte sich wohl morgens aus dem falschen Töpfchen eingecremt und agierte 45 Minuten lang wie sein eigener, minderbegabter Klone. Dabei war unter anderem der absurde Fehlpass in die gegnerische Füße am eigenen Sechzehner, der zum 1:0 führte. Sowie – laut Statistik – nur ein einziger gelungener Pass in seiner Zeit auf der Wiese.

F95 vs K’lautern: Was für eine wunderhübsche Choreo der Lauterer! (Foto: FP)

Allerdings stand ihm in Sachen Fehlerteufel die Kollegenschar in nichts nach. Nein, es waren nicht nur Fehlpässe, sondern das volle Programm: bekloppte Laufwege, naiv verlorene Zweikämpfe und haufenweise spielerische Fehlentscheidungen. Und trotzdem war die Mannschaft auch in der ersten Halbzeit nicht wirklich schlecht – ein 0:1 zur Pause wäre dem Spielverlauf gerecht geworden, vielleicht sogar eher ein Remis. Denn zwei der drei Gegentore kann man mit Fug und Recht als unglücklich bezeichnen. Denn sowohl beim 0:1 als auch beim 0:2 waren es fortunistische Körperteile, die das Ei in die Hütte brachten. Der arme Jordy de Wijs konnte sich einfach nicht in Luft auflösen; von seinem Rücken prallte das Ding ins Netz. Und der genauso arme Jamil Siebert fabrizierte ein waschechtes Eigentor.

Wobei: So ganz perfekt stand Käpt’n Kastenmeier in dieser Situation nicht vor seinem Kasten; hätte er sich eher mittig positioniert, hätte er den Abpraller vielleicht entschärfen können. Verlassen wir den Konjunktiv und wenden wir uns wieder dem zu, was tatsächlich zu beobachten war. Zum Beispiel ein dermaßen völlig abgemeldeter Vince Vermeij, der aber auch keinerlei Anstalten machte, sich selbst aktiv einzubringen. Der sollte ja einen Wandspieler abgeben, aber inzwischen dürfte klar sein, dass dies nicht seiner Kernkompetenz entspricht. Sein Knipsergen blitzte jenseits der 70. Minute einmal kurz auf, aber Vince verstolperte.

F95 vs K’lautern: Tolle Choreo auf beiden Seiten (Foto: FP)

Reden wir von unserer inzwischen bewährten Viererkette, in die sich wieder reinzuschmuggeln Andre Hoffmann auch nach seiner Genesung schwerfallen wird. Der lief mit massiven Armgestell in der Medienecke herum und scherzte mit Friedhelm Funkel, der ja immer was zu erzählen hat. Bei Cello Sobottka liegen die Dinge anders. Der kam in der 80. Minute für Shinta Appelkamp, der bis dahin ordentlich, aber recht unauffällig agiert hatte. Das führte zur Umstellung auf ein 4-4-2 mit dem eingewechselten Jona Niemiec und Emma Iyoha als Stoßstürmer in Umschaltsituationen. Yannik Engelhardt ließ sich zurückfallen, sodass im finalen Offensivwirbel der Pfälzer oft fünf Jungs die letzte Linie bildeten.

Finde den Fehler: Menschen machen Fehler. Schreiber:innen sind Menschen, machen also Fehler. Und Schreiber ohne großes Team hinter sich – wie der Ergebene – machen natürlich auch Fehler. Deshalb unsere Bitte an alle: Wer einen Fehler im Text entdeckt, meldet ihn uns auf einem der bekannten Wege – z.B. per Mail an kontakt@fortuna-punkte.de oder über das Kontaktformular. Wir versprechen, falls wirklich etwas Falsches im Beitrag stand, bedanken wir uns nicht nur, sondern korrigieren es umgehend. Schönen Dank im Voraus!

Wie erwähnt hatten die Coaches in der Pause an ein paar Stellschräubchen herumgefingert. So hatten sie offensichtlich dem Mittelfeldquartett fröhliches Rotieren befohlen, Emma Iyoha weiter nach vorne beordert und den eingewechselten Ìsak Jóhannesson zum dritten Spielmacher neben Appelkamp und Ao Tanaka gemacht. Unser japanischer Auswahlkicker brauchte schon gut zwanzig Minuten, um in die Partie zu kommen. Dem Ergebenen kommt es immer wieder so vor, als habe Ao Kommunikationsprobleme. Es wird doch hoffentlich kein Sprachproblem sein. Denn ob Tanaka-san sich aufraffen könnte Deutsch zu lernen, wo er doch in den großen internationalen Fußball wechseln möchte, ist zweifelhaft.

F95 vs K’lautern: Nach dem Flaschenwurf am Rande des Spielabbruchs (Foto: FP)

Aber dann hatte er sich eingefunden und riss das Spiel mehrfach an sich. Außerdem traut er sich auch, mal einen Distanzschuss abzufeuern. Bei den anderen sieht es oft so aus, als wollten sie sich ein bisschen näher ans Tor, noch ein bisschen näher und noch ein bisschen näher Richtung Bude dribbeln, bevor sie dann tatsächlich abziehen. Da gab es eine Situation – der Ergebene ist sich nicht sicher, wer es war – als ein Fortuna-Bursche ungefähr zwanzig Meter vor dem Tor fast freie Bahn hatte, nur noch ein Abwehrmann in der Schusslinie, und dann doch ablegte und so die Chance beerdigte. Vom 41er aus hat man ja einen guten geraden Blick quer übers Feld aufs Tor…

F95 vs K’lautern: Käpt’n Kastenmeier diskutiert mit dem Schiri (Foto: FP)

Dass Ao Tanaka mit seinen beiden Hütten gestern das war, was man “Matchwinner” nennt, ist offensichtlich. Aber euer von Herzen ergebene F95-Analyst findet auch, dass Ao bester Fortune des Tages war. Dicht gefolgt übrigens von Emma Iyoha, den viele gestern nicht so gut bewertet haben; er war in Halbzeit 1 jedenfalls – neben Flo Kastenmeier – der Spieler mit den wenigstens Fehlern.

Ob in der Pause explizit Sonderaufträge an Jordy de Wijs und Jamil Siebert verteilt wurden, ist nicht überliefert. Die beiden stabilen IVs ließen sich jedenfalls in den zweiten 45 Minute deutlich öfter in der gegnerischen Hälfte blicken – nicht nur bei Standardsituationen, und gerade Jamil traute sich ernsthafte Dribblings zu. Je öfter der spielt, desto besser wird der Junge – Tendenz: DFB-Auswahl. Denn gegen die Krücken da kann er gut anstinken, findet euer Ergebener. Und dann dieser unglaubliche Zimbo Zimmermann! Der immer mehr zur Fortuna-Legende wird und sich in eine Reihe mit Lumpi, Axel, Langeneke, Fink etc pp begibt. Der wollte es gestern einfach wissen. Der machte und tat, der riskierte einiges, der hatte Ideen und Durchsetzungskraft und der schenkte uns ein Zaubertor.

F95 vs K’lautern: Viel Bier in der Luft nach dem Ausgleich (Foto: FP)

Zimbo zieht von halbrechts aus ungefähr sechzehn Metern ab und zielt dabei aufs lange Eck. Das Ei touchiert einen Lauterer Rücken und verändert seine Flugbahn ein wenig, sodass die Kugel für den Keeper nicht mehr zu halten ist. Und als ob das nicht reicht, ist er es, der acht Minuten später für Felix Klaus serviert. Ein Traumtor, denn Zimbo passt quer durch den gegnerischen Strafraum an eine Stelle, die der heranstürmende Felix Klaus exakt im richtigen Moment erreicht und einlocht – der Ausgleich.

Da war dann viel Bier in der Luft über den Stehplätzen. Noch in der Pause hatten die Fans, die schon länger unter der Fortunitis leiden, kopfschüttelnd an ihrer Bratwurst genagt und am Altbierbecher genippt und nicht gewusst, was zu tun sei, um aus dem 1:3 noch einen Sieg zu machen. Dass Tzolis in der Kabine bleiben sollte, darüber war man sich im Block einig, aber was sonst zu ändern wäre, darüber herrschte Ratlosigkeit. Nur das Herz des Ergebenen, das hatte sich ja im Vorbericht ein 4:3 gewünscht, ein Ergebnis, dass der Ergeben vor Anpfiff als seinen persönlichen Tipp übernahm, war bester Hoffnung.

F95 vs K’lautern: Wann kommt Jona Niemiec endlich in die Startelf (Foto: FP)

Gleichzeitig enttäuscht, dass Jona Niemiec wieder nicht in der Startelf stand. Wozu dieser Brecher in der Lage ist, zeigte er nach seiner Einwechslung in der 80. Minute zum wiederholten Male. Erneut war er der schnellste Sprinter auf dem Platz, und wie der sich durchsetzt und sich die Pille in Zweikämpfen zurückerobert, ist einfach gut. Dass er bei Kontern nicht immer die volle Übersicht hat und ab und an Fehlentscheidungen trifft, ist seinem Alter geschuldet und der Tatsache, dass er eben nicht – wie Jamil Siebert – regelmäßig öfter als ein paar Minuten mitmachen darf. Der Ergebene fordert ganz klar: Lasst Jona mal starten, ihr Coaches! Verzichtet auf die zwanghaft eingesetzte eine Spitze und legt die Verantwortung fürs Toreschießen auf mehrere Schultern, besonders auf die des jungen Herrn Niemiec.

Irgendein Medium schrieb heute, der 1. FC Kaiserslautern sei “eingebrochen” – was für ein Schwachsinn! Unsere Jungs haben den Teufelchen nur nicht mehr so sehr mit Fehlern in die Strümpfe geholfen, und dass die Herren in Rot mit weißen Blockstreifen die letzten zehn Minuten (plus Nachspielzeit) als Sieger überlebten, hatte angesichts der massiven und wirklich guten Angriffe der Lauterer auch etwas mit starkem Willen und intakter Moral zu tun. Nein, die Truppe vom Betzenberg ist in der laufenden Saison wirklich eine Spitzenmannschaft, und wer sie schlägt, darf sich auf die Schultern klopfen.

F95 vs K’lautern: Drehen der Fan-Grüße im Umlauf (Foto: FP)

Ob der Sieg etwas mit dem freien Eintritt und dem bestens gefüllten Stadion zu tun hat? Verlässliche Quellen berichten, dass sich rund 45.000 Menschen durch die Drehkreuze an den Einlässen quetschten. Vergeben waren laut offiziellen Auskünften knapp über 51.000 Tickets. Heißt: Irgendwas um die 6.000 Leute haben sich nicht sehen lassen, was einer sogenannten “No-Show-Quote” von etwa 12 Prozent entspricht, und dieser Wert liegt in dem Korridor, den man überall in den oberen drei Ligen bei allen Partien beobachtet, also auch bei Partien, für die der Eintritt was kostet. Wie Experten schon vorher sagten: Jeder Wert unter 15 wäre ein Erfolg. Insofern war das erste Freispiel im Rahmen des Projekts “Fortuna für alle” ein Erfolg.

F95 vs K’lautern: Alle feiern Ao nach dem Siegtreffer (Foto: FP)

Erneut nicht mit Ruhm beschmiert haben sich Instanzen, die zum Gelingen beitragen sollen, auf deren Wirken die Fortuna aber nur begrenzt Einfluss hat. Allen voran die Verkehrswacht, die für die reibungslose Nutzung der Parkplätze rund um die Arena zuständig ist. Warum ausgerechnet bei einem ausverschenkten Spiel einige stadionnahe Flächen gesperrt waren, muss man einem auch erstmal erklären. Und warum Fanbusse, wohlgemerkt solche mit F95-Fans, mehrfach rund ums Gelände geschleust wurden, um sie sich dann irgendwo Jott-We-De abstellen zu dürfen, ist ein Skandal. Für den zwischenzeitlichen Verkehrszusammenbruch auf der Rotterdamer Straße konnte dagegen keiner was – es gab da einen Unfall.

F95 vs K’lautern: An Tagen wie diesen…(Foto: FP)

Bei der Rheinbahn sind bei jeder Großveranstaltung Genie und Wahnsinn zu beobachten. Die Anreise per U-Bahn klappte dank der zeitlichen Entzerrung (Einlass schon ab 18 Uhr) ganz gut, wohl aber auch deswegen, weil unerwartet viele Zuschauende so früh da sein wollten. Auch die erste Welle des Abtransports, also in der ersten halben Stunde nach Abpfiff, gab keinen Anlass zum Meckern. Dass es dann aber haufenweise zu Stockungen kam, dafür trägt die Rheinbahn die Verantwortung. Viel rollendes Material einzusetzen ist ja gut und schön, dass sich dann aber die Züge vor der Einfahrt in den Tunnel stauen und die ganze Schlange bisweilen eine Viertelstunde steht, ist unerträglich. Ein ÖPNV-Experte, den der Ergebene zufällig kennenlernte, gab zu bedenken, dass die Haltestellensituation an der Arena aber auch suboptimal ist, weil ja noch nicht einmal zwei Bahnsteige genutzt werden können, und nannte die Signalsteuerung der U-Bahnen stümperhaft.

F95 vs K’lautern: Zum Feiern kommen die Spieler den Fans ganz nah (Foto: FP)

Angesichts der besonderen Umstände des ersten Freispiels ist die ganze Sache aber ziemlich gut gelaufen. Und wer wegen des Gratistickets zum ersten Mal oder nach Langem mal wieder anwesend war, der dürfte begeistert sein. Die gesamte Veranstaltung war eine Werbung für den Fortuna-Fußball. Und für uns, die wir immer da sind, war es ein Spiel, von dem wir noch lange sagen werden: “Ich war dabei!”

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