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Nürnberg vs F95 0:1 – Da wär‘ sogar noch mehr drin gewesen

Nürnberg vs F95: Da isser drin, der Ball (Screenshot Sky)

Nürnberg vs F95: Da isser drin, der Ball (Screenshot Sky)

Bei bestem Fußballwetter schlug die prinzipiell glorreiche Fortuna den Nürnberger Glubb hochverdient mit 1:0.

Bericht · Ein inzwischen im Rechtspopulismus versunkener Komiker sagte einst: „Wer Fortuna‑Fan ist, braucht das Leben nicht zu fürchten!“ Immer noch wahr. Aber, dass die Diva immer wieder vom Schicksal gebeutelt wird, hat bei Heinz und Ute Normalo zu einer gewissen Schutzhaltung geführt: dem Zweckpessimismus. Da führt die Fortuna und hat alles im Griff, aber die erwähnten Anhänger:innen neigen bedenkenvoll die Köpfe und sagen: „Und am Ende fangen sie sich noch einen …“ Zweckpessimismus herrschte gestern teilweise auch unter den Fortunisti in und vor der Retematäng. Ja, klar, die Jungs führten nur mit 1:0 und schafften es nicht Buden 2, 3 und 4 nachzulegen, obwohl sie genug Gelegenheit dazu hatten. Das kann ja – siehe oben – nicht gut gehen. Ging es aber, und eigentlich holte die Anfang’sche Truppe endlich den ersehnten Auswärtssieg. [Lesezeit ca. 8 min]

Nürnberg vs F95: Wir trauern um Schorsch (Screenshot Sky)

Dabei stand die Partie scheinbar unter keinem guten Stern, denn Käpt’n Kastenmeier konnte wegen seines Blötschauges tatsächlich nicht mit an die Noris fahren. Das Schiff „Fortuna“ also führerlos in Nürnberg? Nix da, denn wir haben ja einen Kaste-Klone namens Marcel „Lotti“ Lotka! Ja, wirklich: Wer nicht genau hinsah, konnte glauben, der Florian selbst stünde im Tor – so ähnlich Spielweise und Körpersprache. Und so lieferte der Ersatztorhüter eine makellose Partie. Aber, bitte, jetzt keine Diskussionen über die Zeit nach Florian Kastenmeier!

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Nicht nur Lottis Tun fiel in die Kategorie „solide Leistung“, auch der Rest des Teams lieferte einen Haufen an den Fußballtugenden, die zu Siegen führen. Zum Beispiel in Sachen Balleroberung und Ballbehauptung, was ja beides oft unter dem Adjektiv „kämpferisch“ geführt wird. Genau das aber ist Teil des Fußballs, den Markus Anfang gespielt sehen will, dass jeder jederzeit um jeden Ball kämpft. Dass am Ende nur eine Zweikampfquote von knapp (Opta) oder weniger als (Matchfacts) 50 Prozent zu Buche stand, während F95 in der Pause in dieser Abteilung noch weit vorne lag, kam daher, dass der Club nach dem 0:1 deutlich anders auftrat. Überhaupt: Wieder war es so, dass unsere Mannschaft nach den ersten 45 Minuten in allen relevanten Werten vorne lag, der Gegner am Ende aber fast gleichauf war. Nur nicht bei den xGoals: Da hatten die Glubberer zur Halbzeit eine jämmerliche 0,06 stehen; zum Abpfiff stand es in dieser Kategorie dann 0,6:2,3 zu unseren Gunsten.

Nürnberg vs F95: Tanaka hält drauf (Screenshot ARD)

Nicht sehr oft sagt ein solcher Statistikwert so viel über die Probleme einer Mannschaft aus: Wenn ein xGoals-Wert von 2,3 nur zu einer einzigen Hütte führt, dann ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Insassen zu viele Chancen für ihre Tore brauchen. Nun kam in der 67. Minute der vielversprechende Marin Ljubicic (für den Lenzer), und allein der hatte DREI Dinger (79, 82, 91) auf den Schlappen, die zwingend hätten reingehen müssen! Von den feinen Distanzschüssen von Tana Tanaka und Klaus Sima Suso so wie der Neunzigprozenter von Christopher Lenz in der 13. Minute ganz zu schweigen.

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Schonmal zusammengefasst: Kämpferische Einstellung = prima; Chancenverwertung = mies. Und da wäre da noch die nicht so gute Passquote von 80 (Opta) beziehungsweise 82 (Matchfacts) Prozent. Und da sagen die Statistiken wenige aus, als man meinen mag. Wenn ein Team ständig hintenrum spielt oder rückwärts passt, kann sie eine prima Quote rausholen, ohne dass es dem Team weiterhilft. Je mehr Risiko die Kicker beim Passspiel nehmen, desto schlechter kann dieser Wert werden. Tatsächlich hat sich gerade das Passen seit den Tagen des Daniel Thioune deutlich verändert: sie spielen Kurzpass im Dreieck, sie probieren Doppelpässe und schlagen den Ball auch mal über große Distanzen diagonal. Die Zahl der Rück- und Querpässe hat dagegen abgenommen. Dies mal als Erklärung.

Erneut äußerte sich der Trainer der besiegten Mannschaft enttäuscht – wenn Uwe Rösler seine Bochumer Buben richtig heftig kritisierte, hielt sich Club-Coach Klose damit noch zurück. Tatsächlich sahen die Nürnberger über weite Strecken richtig schwach aus; der einzige von denen, der überhaupt was auf die Reihe bekam, war der Justvan – der Rest: Fehlanzeige. Und tatsächlich erwirkten die Hausherren bis zur 28. Minute keinen einzigen Schuss auf Lotkas Kasten, null, nada, nix. Schon nach dem Bochum-Spiel sagten viele, die es mit der Fortuna halten: „Ja, aber die Bochumer waren auch schwach.“ Gestern wieder. Da sagt der Ergebene: „Hey, Leute, erinnert euch mal an die alte Weisheit: Eine Mannschaft ist nur so gut, wie es der Gegner zulässt.“ Bochum und Nürnberg sahen so schlecht aus, weil Fortuna so gut war. So sieht’s aus!

Nürnberg vs F95: Knapp vorbei ist auch daneben (Screenshot ARD)

Was die Aufstellung – abgesehen von der Abwesenheit von Florian Kastenmeier – angeht, beließ Coach Anfang die Dreierkette wie zuletzt, also ohne Jesper Daland. Der wesentliche Grund, meint der Ergebene, war es, Suso unbedingt auf dem Platz zu haben. Weil aber seine 1b-Position als linker Schienenspieler nicht frei war, rückte er wieder einen nach hinten. Denn der Lenzer war wieder mit an Bord und beackerte im Verbund mit Florent Muslija den linken Flügel – und zwar so klasse, das durch deren Zusammenspiel beinahe schon in der 13. Minute der Führungs- und mögliche Siegtreffer gefallen wäre. Denn Mukki steckte herrlich und präzise auf den einlaufenden Lenzer durch, der frei vorm Club-Keeper auftaucht und abzieht. Der Mann im Nürnberger Tor aber reagiert super und wehrt ab.

Nürnberg vs F95: Beste Stümmung im Block (Screenshot Sky)

Okay, ein bisschen rechthaberisch möchte euer Ergebener auch mal sein. War nicht er es, der immer gesagt hat, dass ein fitter Christopher Lenz eine erhebliche Verstärkung darstellen würde? Den bei Hoppelheim aussortierten Ex-Unioner im Sommer zu holen, war natürlich eine Wette darauf, dass er nicht immer verletzt sein wird. Die von Allofs und Weber geschlossene Wetter wurde gewonnen. Und gerade im Zusammenspiel mit Muslija glänzt der Lenzer. Wenn dann bald Tim Rossmann (der bei der Zwoten gegen Velbert ein Bombenspiel gemacht hat) wieder dabei ist, ergeben sich auf dem linken Flügel ungeahnte, variable Möglichkeiten.

Finde den Fehler: Menschen machen Fehler. Schreiber:innen sind Menschen, machen also Fehler. Und Schreiber ohne großes Team hinter sich – wie der Ergebene – machen natürlich auch Fehler. Deshalb unsere Bitte an alle: Wer einen Fehler im Text entdeckt, meldet ihn uns auf einem der bekannten Wege – z.B. per Mail an kontakt@fortuna-punkte.de oder über das Kontaktformular. Wir versprechen, falls wirklich etwas Falsches im Beitrag stand, bedanken wir uns nicht nur, sondern korrigieren es umgehend. Schönen Dank im Voraus!

Übrigens: Der Ergebene verwendet das ehemalige Unwort „Schiene“, weil es inzwischen anerkannter Begriff der aktuellen Fußballtaktik ist und den Kern der Sache ganz gut trifft: dass nämlich zwei Spieler auf dem Flügel vor der Dreierkette für Defensive und Offensive gleichermaßen zuständig sind. Also, auf die rechte Schiene hatte Markus Anfang wieder Emma Iyoha und davor Shinta Appelkamp gesetzt. Die beiden Ur-Fortunen harmonieren gut, wenn auch nicht so perfekt wie auf der anderen Schiene Lenz und Muslija. Die Spitze im 3-4-2-1 bildete natürlich Cedi Itten, der dieses Mal allerdings nicht allzu viele Chancen hatte.

Auch im Mittelfeld ist ein interessantes Duo mit Satoshi Tanaka und Anouar El Azzouzi zusammengewachsen. Tana agierte in der Partie gegen den Glubb nicht ganz so auffällig wie in den anderen Spielen zuvor, war aber wieder besser drin als gegen Bochum, als er ein bisschen überspielt wirkte. Anou war wieder fleißig und zu jedem Zweikampf bereit, trifft aber im Abspiel immer noch erschreckend viele Fehlentscheidungen.

Nürnberg vs F95: Chance für Suso (Screenshot ARD)

Der Standardspielaufbau ging meist von Eli Egouli oder Tim Oberdorf aus und ging über Tanaka, der dann in der Regel eine der beiden Schienen bedient. Das ist anscheinend genau das Spiel, was Markus Anfang gespielt sehen möchte. Besser geworden ist die Sache, weil nicht ständig jemand zur Grundlinie zieht, um dann in die Mitte zu flanken – jetzt gibt es mehr Varianten. Blöd nur, dass die Kollegen, die in solchen Situationen in den Sechzehner gehen, eher keine Knipser sind. Dazu später mehr.

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Der Club unter seinem altmodischen Trainer Klose kam damit zunächst überhaupt nicht zurecht. Und weil ihnen (ausgenommen der Herr Justvan) offensiv so gar nichts einfiel, waren die Fortunen bis um die 30 Minute haushoch überlegen – blieben aber leider torlos. Was nun der Auslöser dafür war, dass die Hausherren in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit doch aufkamen, ist nicht ganz klar. War es der Schreckmoment in der 29. Minute, als sich Marcel Lotka verschätzte, unter einer Flanke durchlief und diese gerade so noch mit der Faus ablenken konnte? Oder das Tor für Nürnberg? Welches Tor? Nun, in der 31. Minute überläuft Hitz unseren Tana, schiebt auf den Elfmeterpunkt, wo der völlig freie Baack abzieht und die Pille ins Gehäuse landet. Das war wieder eine dieser defensiven Hühnerhaufensituationen, die schon so oft zu Gegentoren geführt haben. Aber: Hitz hat Tanaka regelwidrig zu Boden gebracht; Schiri Gansloweit entscheidet zurecht auf Stürmerfoul.

Nürnberg vs F95: Auch Soto vergibt (Screenshot ARD)

Apropos: Der junge Referee Gansloweit (29) leitete unauffällig und ohne dramatische Fehler, hatte aber auch wenig Mühe mit den durchweg fair arbeitenden Kollegen. Es gab allerdings auch wenig knifflige Situationen, sodass die Olme in K-Mülheim weiter in Ruhe ihr Falschbier schlürfen durften. Was will man mehr?

Der Ergebene würde zwei Männer des Spiels benennen: Lenz und Muslija; letzteren vielleicht sogar ein bisschen mehr. Auch wegen seiner Ecken. Von den fünfen, die er zu liefern hatte, ging nur eine so ganz daneben. Sehenswert aber das Ding in der 24. Minute, in der Mukki von rechts dran ist, einen Arm hebt und deshalb die Ecke nicht allzu hoch, aber weit in den Strafraum tritt. Unbewacht rauscht Tana ran und nimmt das Ei volley. Nur weil er den Ball nicht richtig trifft, kann der Club-Torwart den Schuss entschärfen.

Nürnberg vs F95: Muslija und der Ecken-Code (Screenshot Sky)

Nach der Pause kamen die Gastgeber mit mehr Schwung zurück auf die Wiese. Und nachdem Klose den völlig wirkungslosen Grimaldi in der 54. Minute ausgewechselt hatte und gleichzeitig Lubach brachte, wurden sie einen Hauch gefährlicher. Aber da lagen sie schon zurück, denn Shinta hatte uns durchsetzungsstark mit 1:0 in Führung gebracht. Vorausgegangen war ein lustiger Versuch vom Lenzer, die Kugel über den Torhüter zu chippen; der kommt dran, leitet die Pille so aber ungewollt auf Shinta Appelkamp weiter, der ganz dicht am langen Pfosten erscheint und dann aus diesem spitzen Winkel oben links reinhämmert. Endlich haben die Mühen was gebracht!

Nürnberg vs F95: Shinta haut das 1:0 rein (Screenshot Sky)

Erst in der 74. Minute kamen die Nürnberger zu einer richtig fetten Chance, die dem Fanvolk in der Retematäng den Atem stocken ließ. Ein feiner Spielzug, der mit einer weiten Flanke von links beginnt und vom Abnehmer flach in den Rückraum gepasst wird. Der Nürnberger, der an den Ball kommt, hämmert das Ding aus gut 13 Metern am Tor vorbei. Hätte der Ausgleich sein können.

Nürnberg vs F95: Ljubicic zum Ersten (Screenshot ARD)

Zu dem Zeitpunkt ist also schon Marin Ljubicic für Lenz im Spiel. Dem Ergebener gefällt der; wie der läuft, wie der sich auf Zweikämpfe einlässt und wie der den Ball führt: Sahne! Wenn man dem von Union Berlin ausgeliehenen, 24-jährigen Kroaten etwas vorwerfen möchte, dann, dass er ab der 75. Minute gleich drei hochkarätige Gelegenheit nicht in Buden ummünzte. Ansonsten merkt man natürlich, dass er noch nicht so richtig mit den Kollegen kooperiert; kann ja noch kommen.

Nürnberg vs F95: Ljubicic zum Zweiten (Screenshot ARD)

Der Druck der Nürnberger in Richtung Ausgleich war weniger hoch als zu erwarten war. Außerdem stand unsere Defensive immer noch sicher, und Lotti Lotka bekam nicht wirklich viel zu halten. Schön, dass Trainer Anfang dafür sorgte, dass die Truppe weder in einen Verwaltungsmodus verfiel noch auf Angriffsfußball verzichtete. Wir wissen ja alle, wie gern so etwas bei der Fortuna in die Hose gehen kann (siehe oben). In der 85. Minute dann ein Dreifachwechsel, der eine Viererkette entstehen ließ und die Verteidigungskraft stärkte: Zimbo Zimmermann, Jesper Daland und Soto Sotiris kamen, Iyoha, Appelkamp und El Azzouzi gingen vom Platz.

Der Rest der Begegnung mit den 5 Minuten Nachspielzeit sah dann sogar mehr F95-Torgelegenheiten als Chancen für den Club zum Ausgleich. Und über alles betrachtet, sah die Sache nicht nach einer Partie zweier Tabellennachbarn aus, sondern eher wie -sammerma- Sechster (F95) gegen Dreizehnter (1. FCN). Damit hat unsere geliebte Fortuna den ersten Auswärtssieg seit dem September gezogen, also drei der avisierten vier Punkte aus den beiden aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen. Nächste Woche geht’s nach Braunschweig zum BTSV, der seit Anfang Februar sieglos ist, aber gestern den Paderbornern ein gerechtes Unentschieden abgetrotzt haben. Ein Sieg dort wäre spitze, ein Unentschieden gut, eine Niederlage täte allerdings ein bisschen weh.

Nürnberg vs F95: Anfang freut sich (Screenshot Sky)

Was aber ist das Ziel für die verbleibenden neun Partien? Erstens: auf 36 Punkte kommen, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit würde das für den Klassenerhalt reichen. Zweitens: In der oberen Tabellehälfte abschließen, wobei der sechste Platz das höchste der Gefühle wäre. Drittens: Mit Blick auf die Zukunft den Kader so formen, dass die Fortuna in der kommenden Saison wirklich wieder um den Aufstieg mitspielen könnte. In jedem Fall haken wir dann am 17. Mai eine Saison ab, die uns Fans oft frustriert, manchmal wütend gemacht und uns insgesamt wenig Spaß bereitet hat.

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