Mit wachsender Leserschaft kommt immer mal wieder die Frage auf, wer denn dieser ominöse „Ergebene“ ist – hier die Aufklärung.
Lesestück · Na ja, so schwer ist es ja nicht, den hiesigen Dauerkolumnisten und -analysten zu enttarnen; Blick ins Impressum reicht. Er heißt Rainer Bartel, ist Düsseldorfer vom Jahrgang 1952 und war bis zum Eintritt ins Rentenalter Journalist, Buchautor und Dozent; vorwiegend im Bereich der IT-Themen. So weit zu den Fakten. [Lesezeit ca. 4 min]
Weil er die Stadt, in der geboren und aufgewachsen ist und die er nie verlassen hat, so liebt, nennt er sich selbst einen Lokalpatrioten. Grundsätzlich ist er mit allem, was ächte oder überzeugte Düsseldorfer tun, solidarisch, auch wenn er nicht unbedingt mag, was sie tun. Dass er auch die Fortuna von Herzen liebt, ist dann ja wohl klar.
<h2>Das erste Fortuna-Spiel
Sein ersten Spiel der glorreichen Fortuna hat er nachweislich im Oktober 1958 mit nicht ganz sechs Jahren gesehen. Weil er mit dem Vater und dem Bruder mitten im Rentnerblock neben dem Marathontor stand, hat er vom Kick nichts gesehen; ungefähr so, wie manche F95-Fans, die einen Platz hinter den Ultras gefunden haben und hauptsächlich Fahnen sehen. Der Ergebene aber sah vor allem dunkle Mäntel und Gehstöcke; außerdem roch es schlimm nach den schlechten Stumpen, die von den Rentner ohne Ende gequalmt wurden. Dagegen sind Bengalos und Racuhtöpfe gar nichts.
Nicht dass er durch diese Partie – übrigens gegen den Äff-Zäh aus K*** – zum Fan geworden wäre. Auch der Vater war nicht Fortuna-Anhänger, sondern liebte den Fußball. So waren wir nicht sehr oft mit ihm im Rheinstadion. Aber mein vier Jahre älterer Bruder durfte sogar mal mit, als der Vater ein Europokalspiel von Borussia Dortmund besuchte. In den 60er-Jahren ging F95 fast ganz am späteren Ergebenen vorbei; ja, den Aufstieg und den Abstieg registrierte er, aber viel wichtiger war in diesen Jahren die DEG.
Fan aus Trotz
Dass er sich dann doch als Fan der glorreichen Fortuna outete, war eine Art Trotzreaktion. Denn ab Herbst 1971 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie, und da war den meisten Lehrkräften und Studierenden Fußball eher pfui-bäh. Jetzt erst recht, dachte sich der Ergebene, ging zu den Spielen und trug penetrant eine hässliche F95-Kappe. Nein, er war nicht in Basel und hat auch die grandiosen Siege gegen die Scheißbayern nicht live miterlebt, nur beim Pokalfinale 1980 in der Glückauf-Kampfbahn gegen den Äff-Zäh, da war er dabei.
Familienbedingt verdünnte sich sein Interesse an den Rotweißen, und als der Sohn 1986 mit fünf begann, Eishockey bei der DEG zu spielen, rückte die Fortuna für gut zehn Jahre in den Hintergrund. Der Wiedereinstieg verlief schleichend. Da gab es eine Frau, in die er verliebt war, die ihn ins Rheinstadion schleifte. Da fand sich beim neuen Job ein Kollege, der glühender Fan war und den Ergebene ins Paul-Janes-Stadion mitnahm. Nicht zuletzt über diesen Kerl kam der Ergebene mit der Vereinspolitik in Kontakt und verfolgte nun den dramatischen Niedergang – zunächst den wirtschaftlichen und zeitgleich den sportlichen.
Einstieg am Tiefpunkt
Dann kam der 31. März 2002. Ein Nachholspiel der (damals drittklassigen) Regionalliga Nord gegen Magdeburg. Fortuna stand schon weit unten in der Tabelle. Und als der 1. FCM dann auch noch mit 2:0 gewann, brach im mit gut 5.600 Nasen gut gefüllten PJS die Hölle los. Da wurden Sachen geworfen, da versuchten F05-Hools an die Magdeburger zu kommen, da gab es stundenlange Polizeisperren an der Rosmarinstraße. Der Ergebene war zufällig im Block A untergekommen, weit ab von der Schlacht.
Nach dieser Niederlage war die Fortuna kaum noch zu retten, denn nur die falsche Fortuna aus K*** war noch schlechter. Unter dem Eindruck dieser Situation wurde der Ergebene am 1. April 2002 Vereinsmitglied. Das war in der Ära von Steffes-holländer, der beim letzten Heimspiel heulend neben dem Ergebenen am Zaun stand. Schließlich drohte dem Verein die dauerhafte Pleite – danke, Helge Achenbach!
Das Leben als Vielfahrer
Später im selben Jahr und nach dessen Gründung trat der Ergebene dem SCD bei und nachdem sich OB Erwin immer mehr in die Vereinspolitik einmischte, wurde er Teil der sogenannten „Olio-Opposition“. Er sah alle Heimspiele im PJS und fuhr ein paar Mal auswärts. Den Aufstieg 2004 erlebte er vor Ort mit. Und in der dritten Liga wurde er ab 2010 Auswärtsfahrer, meist im SCD-Bus. Höhepunkt war der Fanflug nach Erfurt; das Spiel brachte leider noch nicht den Aufstieg. Noch vor dem Aufstieg in die dritte Liga wurde er in den Wahlausschuss des Vereins gewählt. Zwischen 2010 und 2018 lebte er dann ein Leben als Vielfahrer.
Seitdem hat er seinen festen Platz im Block 41, direkt oberhalb des Tunnellochs, und dort ist über die Jahre so etwas wie sein Dorf entstanden, eine Gemeinschaft von Leuten, die auch immer da stehen und die Fortuna anfeuern. Alters- und pandemiebedingt fährt er seit 2019 nur noch selten zu Auswärtsspielen. Die guckt er im Kreise der sogenannten „Expertenrunde“ – zunächst im Bilker Häzz und seit 2002 in der Retematäng, dieser wunderbar familiären Altstadtkneipe. Aus der Vereinspolitik hat er sich schon seit einiger Zeit zurückgezogen, ist aber mit vielen Menschen, die im und für den Verein arbeiten, befreundet und/oder vernetzt.
Wieso eigentlich der „Ergebene“?
Oh je, da hat sich etwas eingeschlichen. Sein erster Spitzname unter Fortuna-Freunden lautete „Breukmanni“, weil er eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem legendären Spochtrepochter Manfred Breuckmann hat. Sein Kampfname lautet lange und wegen seiner großen Verehrung für diesen Spieler „Lucarelli“. Ungefähr ab 2015 verzapfte er regelmäßig Spielberichte, die er in der Rubrik „Fortuna-Punkte“ in seinem Lokalmagazin „The Düsseldorfer“ veröffentlichte. Das stellte er aus Altersgründen im Winter 2022/23 ein und machte aus den Fortuna-Punkten ein eigenes Blog.
Schon in den ersten Spielberichten sprach er mit einem Hauch Selbstironie von sich selbst als „eurem ergebenen Berichterstatter“. Irgendwer sagte dann einmal bei einem Auswärtsspiel: „Ah, du bist also der Ergebene …“ So kam das. Und damit kein Missverständnis aufkommt: Es heißt Ergebener und nicht Erhabener, denn er sieht sich selbst vor allem als einfacher Fortuna-Fan im 41er und im Kreise der sich – ebenfalls selbstironisch gemeinten – Expertenrunde.
Und das ist alles, was es dazu zu sagen gibt.
