Ein durch und durch deprimierender Freitagabend endet für die Fortuna mit der vierten Niederlage in Folge – gegen Abstiegskonkurrent Kiel.
Bericht · Da fällt selbst eurem ergebenen F95-Beobachter, der von einigen Leser:innen „Labertasche“ genannt wird (und stolz darauf ist), nicht mehr viel ein. Okay, es war erneut kein „normales“ Spiel, dieses Mal gekennzeichnet durch DREI während der Partie verletzte F95-Spieler sowie einen möglichen Elfer, den der ungewohnt einseitige Schiri Jöllenbeck ohne VAR-Support ablehnte. Normal war ja schon die Ausgangslage nicht: Wir standen mit gerade einmal zwei Punkten vor den Störchen (Platz 16) auf dem zwölften Rang. Diese Begegnung durften die für das Fußball spielen bezahlten Herren nicht verlieren. Denn wenn – was nicht sehr wahrscheinlich ist – Dresden, Fürth, Braunschweig und Magdeburg ihre Auswärtsspiele gewinnen, ist Fortuna Düsseldorf Tabellenvorletzter. Die einzig gute Nachricht zu diesem Thema ist, dass wir noch gegen drei dieser Konkurrenten antreten dürfen. [Lesezeit ca. 9 min]
Der Ergebene ging mit Angst in die Arena. Nicht mit der Angst vor der möglichen Niederlage, sondern vor den erwartbaren Reaktionen der – und damit fällt dieser Begriff hier zum letzten Mal – Wutfans auf eine Niederlage. Er selbst war natürlich enttäuscht, deprimiert und ratlos, aber wütend? Wütend kann man doch nicht auf eine Situation sein, sondern nur auf Personen. Also auf die Leute, von denen man meint, sie seien schuld an der beschissenen Lage, dass sie also SCHULDHAFT gehandelt hätten. Die Jura sagt: „Schuldhaft bedeutet im juristischen Sinn, dass jemand vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat – also ein Verhalten zeigt, das ihm persönlich vorwerfbar ist.“ Also, bitte, will irgendwer irgendeinem Kaderinsassen vorwerfen, er spiele vorsätzlich schlecht? Oder dem Trainer, er coache fahrlässig? Wenn überhaupt, dann kann man darüber diskutieren, wer durch welche Fehler die Voraussetzungen für diese Situation geschaffen hat – und da scheint die Antwort klar: Allofs und Weber mit ihrer verfehlten Kaderpolitik.
Insofern geht einer der dümmsten Vorschläge eines Fans so: „Da wir nicht die ganze Mannschaft austauschen können, müssen wir eben den Trainer wechseln.“ Schlau dagegen der Kommentar des Mitlesers Oliver: „Man hatte ja nicht den Hauch einer Vorstellung davon, wie nachhaltig die Arbeit von Jahren an diesem Abend des 27. Mai 2024 leichtfertig zerstört wurde.“ Darüber wird zu reden sein – ohne Wut.
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Die Startaufstellung war wenig überraschend, und dass Jesper Daland anfangen musste, lag allein daran, dass kein weiterer Innenverteidiger zur Verfügung stand. Die einzige Alternative wäre eine Viererkette gewesen, aber auch da hätte sich die Frage gestellt: Wer spielt als linker Außenverteidiger? Überhaupt: Mangels Alternativen musste Florent Muslija wieder den linken Schienenspieler geben; nur gut, dass die Kieler auf diesem Flügel offensiv wenig gerissen haben. Ohnehin trafen zwei Offensivabteilungen aufeinander, die wenig bis gar nix so richtig gut können.
Deshalb fielen beide Tore für die Gäste nach geradezu absurdem Verhalten unserer Abwehr. Hinzu kamen viele Fehler, die als Maßzahl für die mangelnde Qualität des Spieltagskaders dienen können. Allein kämpferisch konnten die Roten überzeugen. Aber was nützt das ständige beherzte Zweikämpfen des Satoshi Tanaka, wenn immer deutlich wird, dass er nur mit einem Fuß überhaupt etwas zum Spielaufbau beitragen kann? Spätestens nach den drei letzten Partien wird es wohl nix mit einer Millionenablöse durch die Bayern.
Personeller Lichtblick war dieses Mal Luca Raimund auf dem rechten Flügel, der zumindest ein paar schöne Flanken in den Sechzehner brachte und sich sehr wach in die Abwehr zurückzog, wenn nötig. Im Gegensatz zu Muslija, der ziemlich überspielt wirkte, wirbelte der Junge nach Kräften und hatte in der 21. Minute (auf Zuspiel von Muslija, übrigens) eine Torchance – ein Ball, der allerdings schwierig zu beherrschen war. Als hängende Spitze hatte Trainer Markus Anfang Chris Rasmussen hinter Cedi Itten beordert. Und gleich in der 6. Minute spielte Itten Rasmussen an, der aber aus ziemlich geringer Entfernung am guten Störche-Keeper scheiterte.
Der Ergebene muss es immer wieder betonen: Kein Spieler spielt absichtlich schlecht! Jeder bewegt sich im Rahmen seiner fußballerischen Fertigkeiten; ob am unteren oder oberen Rand, hängt von vielen Faktoren ab, die man „Tagesform“ nennt. Dazu gehört auch die Willensstärke. Und da scheint der Hase im Pfeffer zu liegen, dass zu wenige zu selten in zu geringem Maße den Willen aufbringen, zu gewinnen. Die drei positiven Beispiele des Tages waren neben Luca Raimund und (Natürlich) Cedi Itten unser Marokkaner. Anou El Azzouzi machte sein vielleicht bestes Spiel im Fortuna-Dress, aber wenn es das Beste war, was er zu geben hat, dann ist das für die zweite Bundesliga nicht genug.
Auf dem Rückweg dachte der Ergebene nach, welcher Zweiligaclub aus welchen Gründen Bock drauf haben könnte, einen der aktuellen F95-Kicker zu sich zu lotsen. Außer Itten fiel ihm da keiner ein. Das Besondere an Cedi ist, dass er im Rahmen seiner spielerischen Mittel immer alles einsetzt, was er hat. Natürlich war er der einzige Torschütze. Das kann er ja. Und seinen Körper im Zweikampf einsetzen. Vielleicht müsste die grundlegende Strategie mehr auf ihn zugeschnitten werden – auf welche Weise auch immer.
Wir alle können von Glück sagen, dass Cedi Itten in diesem teils ruppigen Spiel von einer Verletzung verschont blieb. Es ging ja schon in der 5. Minute los, in der ein Kieler verletzt ausscheiden musste. In der 14. Minute geht dann Rasmussen ohne Feindeinwirkung zu Boden und fasst sich an den Oberschenkel. Das sieht erneut nach einer Muskelverletzung aus. Für ihn kommt Marin Ljubicic. Ja, der war dann bis zum Schluss auf dem Feld, aber blieb völlig ohne Wirkung. Einerseits, weil es gut zwanzig Minuten dauerte, bis die Kollegen kapierten, dass der eine etwas andere Rolle als Rasmussen spielen sollte. Andererseits, weil er mit seinen eleganten Bewegungen jedem Zweikampf aus dem Weg ging und über 70 Minuten nicht ein einziges Mal einen Ball eroberte. Der sollte sich mal ein Beispiel an Itten nehmen.
Bemerkenswert allein seine Aktion in der 25. Minute, in der er im Kieler Strafraum an einem Gegenspieler vorbei will, der ihn nicht allzu sehr berührt. Ljubicic fällt, und man fragt sich, welcher andere Düsseldorfer Angreifer in dieser Situation ebenfalls gefallen wäre. Und trotzdem: Über einen Elfmeterpfiff hätten sich die Holsteiner nicht beschweren können. Weil es sich aber um keine offensichtliche Fehlentscheidung handelte, blieben die eingekellerten Falschbiertrinker stumm. In der 6. Minute hätten sie sich dagegen schon bei einem Elferpfiff aufregen können, denn da springt einem KSV-Verteidiger der Ball vom eigenen Knie an den Arm; nach neuster FIFA-Regelauslegung handelt es sich dabei nicht um ein strafbares Handspiel.
Finde den Fehler: Menschen machen Fehler. Schreiber:innen sind Menschen, machen also Fehler. Und Schreiber ohne großes Team hinter sich – wie der Ergebene – machen natürlich auch Fehler. Deshalb unsere Bitte an alle: Wer einen Fehler im Text entdeckt, meldet ihn uns auf einem der bekannten Wege – z.B. per Mail an kontakt@fortuna-punkte.de oder über das Kontaktformular. Wir versprechen, falls wirklich etwas Falsches im Beitrag stand, bedanken wir uns nicht nur, sondern korrigieren es umgehend. Schönen Dank im Voraus!
Wie auch immer. Die beschissene Lage unseres Teams hat – über die gesamte Saison – auch was mit Pech zu tun. Pech mit Schiris haben wir ja schon seit dem ersten Spiel mit dem völlig bescheuerten Platzverweise gegen Tim Oberdorf in Bielefeld. Mit der ebenfalls fragwürdigen roten Karte gegen Sima Suso letzte Woche ist die Liste noch nicht zu Ende. Nicht nur gefühlt, sondern nachweisbar pfeifen Referees in dieser Saison im Zweifel eher gegen die Fortuna. Und was ebenfalls auffällt, ist das enorme Schusspech, also, dass gute Schüsse geblockt werden oder knapp daneben gehen. Das tun sie immer bei allen, bei uns allerdings außergewöhnlich oft. Und auch, dass gegnerische Tormänner gegen uns so oft ihren besten Tag haben, kann als Pech gewertet werden. Ein solides, also gefestigtes Team kann sowas aushalten, eine Truppe wie unsere nicht.
In der 30. Minute dann der erste Daland-Moment. Er übersieht einen Kieler in seinem Rücken, der ihm das Ei abknöpft, Daland erläuft den aber noch und klärt zur Ecke. Und dafür lässt sich ein Jesper dann vom Publikum feiern – ui-ui-ui. Die Schwächen im Passspiel sind nicht nur bei der Fortuna ungleich verteilt. Gestern kamen beide Teams in etwa auf denselben Wert (83%), und bei beiden Mannschaften gab es sehr zuverlässige Passgeber (Shinta Appelkamp = 1,9; Anou El Azzouzi = 1,6) und Kollegen, die in dieser Statistik auf negative Werte kommen; und, wer ist dabei? Richtig: Jesper Daland.
Irgendwann waren es die Experten im Block 41 leid, den bei seinem Treiben zuzusehen, und dachten darüber nach, ob nicht sogar Mo Heyer die bessere Wahl sei. Aber erst in der 65. Minute führten unsere Coaches genau diesen Wechsel durch. Zuvor aber mussten sie wieder einen verletzten Spieler rausnehmen: Ausgerechnet Luca Raimund hatte es erwischt. Für ihn kam Valle Lunddal, und es spricht einiges dafür, dass dieser Wechsel auch ohne Verletzung gekommen wäre, dem Fitness-Level dieser beiden Kollegen geschuldet.
Kaum hatten Raimund und Lunddal die Plätze getauscht, der nächste Schreck. Dieses Mal traf es Florent Muslija, der ebenfalls ohne Fremdeinwirkung vor Schmerzen schreiend zu Boden geht. Er hatte sich so blöd vertreten, dass es ihm wohl ins Knie gefahren ist. Nach langer Konsultation mit Doc Blecker wurde die eingetroffene Trage wieder weggeschickt, und die Mediziner geleiteten den humpelnden Florent vom Platz. Ohne zu unken: Das sah nach was Schlimmen aus; die Saison könnte für den Leihspieler aus Freiburg beendet sein. Eine weitere massive Schwächung des Kaders.
Und auch eine schlimme Schwächung der Mannschaft auf dem Platz. Nominell kam Jordi Paulina rein. Dazu aber nahm Markus Anfang eine eigenartige Umstellung vor. Um in etwa die Position von Muslija zu besetzen, zog er Mo Heyer vor und holte Satoshita Tanaka in die Dreierkette. So ganz schlecht lösten beide diese Aufgaben nicht, aber ohne Tanaka im Mittelfeld und mit Paulina als Halbstürmer änderte sich die gesamt Dynamik ab der 65. Minute. Zumal Valle Lunddal auf dem rechten Flügel nun Shinta Appelkamp als Halbfeldpartner hatte und auch Anou El Azzouzi seinen Job ändern musste.
Da stand es schon 0:1 und alles war durcheinander. Die Stümmung der gut 45.000 der Fortuna zuneigenden Menschheit im Stadion war noch einigermaßen. Das Level der Anfeuerung war hochgeblieben, obwohl der Vorsänger der Ultras ab und an wieder auf diese einschläfernden neuen Lieder mit den kitschigen Texten verfiel. Noch glaubte niemand, dass mit dem Kieler Treffer die Niederlage vorprogrammiert war. Zurecht, denn nach dem ganzen Tohuwabohu war es der schon mehrfach gelobte Cedi Itten, der den Ausgleich erzielte.
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Tanaka spielt ihm das Ei fein in die Füße, den Störche-Verteidiger hält er sich vom Leib, dreht sich um den Mann herum und zieht aus etwa zwölf Metern aufs kurze Eck ab. Der Holstein-Torwart fliegt richtig, aber die Pille geht ihm durch die Beine ins Netz. Ekstase auf den Rängen. Der Glaube ist wieder da. Gegen diese schwachen Kieler, die nach vorne sowieso kaum noch was machen, muss doch der Siegtreffer möglich sein! Allein, da spielt eben die Fortuna des Jahrgangs 2025/26, da kommt kein Temperament auf, da bleibt der Mut flach, und immer nur lange Flanken in den Strafraum als einziges Mittel reichen eben nicht.
Seien wir ehrlich: Ein Unentschieden hätte tabellarisch beiden Teams wenig genützt. Umso unverständlicher, dass der unsympathische KSV-Trainer Walter seinen Schützlingen keinen Hurrafußball verordnet hatte. Nach vorn spielt nur noch die Fortuna. Immer schön um den Sechzehner herum. Und die Störche kriegen in dieser Lage gerade mal zwei halbwegs sinnvolle Konter hin. Die Freude dauerte nur sieben Minuten. In der 79. Minute schießen die Kieler das zweite Tor.
Und das ist aus Düsseldorfer Sicht genauso blöd wie das erste. Nein, dieses Mal war es keine Hühnerhaufen-Situation, dieses Mal war es jeweils kollektive Unaufmerksamkeit, die dazu führte, dass der jeweilige Torschütze beide Male ganz viel freien Raum um sich hatte – einmal nach einem feinen Steckpass, einmal nach einer Ecke. Wisst ihr, wenn einem ein überlegener Gegnernach durchgehend prächtigem Spiel zwei Dinger reinmacht, kann man sagen: Passiert halt und ist vorhersehbar. Wenn es aber wieder ein schwacher Kontrahent so zwei Buden verpasst, dann ist das deprimierend.
Ach ja, manchmal wäre euer ergebener F95-Berichterstatter auch gern wütend auf irgendwen oder irgendwas. Wäre emotional einfacher, als so traurig zu sein, wie er es ist. Er ist ja nicht einmal wütend auf Jesper Daland (oder diesen anderen Nichtkönner namens Breithaupt), denn der macht das ja alles nicht extra. Ein bisschen sauer ist er auf Kicker wie Tim Oberdorf und Shinta Appelkamp, die mehr könnten als sie diese Saison zeigen. Und mit dem aktuellen Cheftrainer Markus Anfang hat er sogar ein bisschen Mitleid. Der hat versucht, aus diesem verkorksten Kader noch was zu machen, lag dabei nicht immer richtig und hat mindestens zwei Partien vercoacht. Aber dass irgendein anderer Trainer (Und um Fußballgotteswillen nicht der faltige Neusser, dieses Äff-Zäh-Liebchen, diesen Verräter!) in dieser Lage mit diesem Kader und dieser elenden Verletztenliste mehr erreichen könnte als Markus Anfang, daran vermag er nicht zu glauben.
Die Fehler, die zum bösen Status-quo geführt haben, liegen in der Vergangenheit und wurden von Personen gemacht, die nicht mehr im Verein sind. Diese Fehler haben eine Vorgeschichte, die zurück bis zur verpatzten Relegation 2024 reicht, die nie so richtig aufgearbeitet wurde. Und, man stelle sich mal vor, Fortuna wäre damals wirklich in die erste Liga aufgestiegen und die Helden hätte alle bleiben können: Was wäre mit Tzolis, Engelhardt, Johannesson, Siebert und Ao Tanaka alles möglich gewesen?
Jetzt ist es, wie es ist. Jetzt gibt es noch fünf Partien bis Ultimo. Darunter die gegen Schalke und Elversberg, bei denen Niederlagen eingepreist sind. Stattdessen muss in Magdeburg nächste Woche und/oder gegen Dresden in vierzehn Tagen gewonnen werden, und gegen Fürth darf auf keinen Fall verloren werden. Das sind die Fakten. Und wie hoch sind die Wahrscheinlichkeiten? Das weiß die Glücksgöttin ganz allein.
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