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Alexander Ende – ein neuer Trainer im Spagat: Geben wir ihm eine faire Chance

Fortuna stellt Alexander Ende als neuen Trainer vor (Screenshot F95.tv)

Fortuna stellt Alexander Ende als neuen Trainer vor (Screenshot F95.tv)

Heute hat Fortuna nach dem Rausschmiss von Markus Anfang als neuen Trainer Alexander Ende vorgestellt.

Analyse · Was der Ergebene ganz grundsätzlich von Trainerwechseln während einer laufenden Saison hält, hat er hier ja schon hinlänglich hinterlegt. Keine Statistik der Welt spricht dafür, einen Chefcoach unbedingt zu ersetzen, um so doch noch ein gegebenes Ziel zu erreichen – die Chancen stehen bestenfalls bei 50:50. Die von Sportrepochtern gebetsmühlenartig ausgespuckten und von Fußballkonsumenten gern nachgeplapperten Phrasen ändern daran nichts. Von wegen, dass ein Trainer seine Mannschaft „nicht mehr erreicht“ hat und dass „frische Impulse gesetzt“ werden müssen. Manchmal klappt’s, manchmal nicht. Aber, das ist gefallener Schnee, denn die F95-Verantwortlichen haben sich für die Entlassung von Markus Anfang entschieden und die Verpflichtung von Alexander Ende beschlossen. Der wurde heute in einer bestens besuchten und ungewöhnlich langen Pressekonferenz vorgestellt. [Lesezeit ca. 4 min]

Die konnte man auf YouTube verfolgen. Da läuft dann immer die Kommentarspalte mit, in der die Zuschauenden ihre Meinung absondern können. Schon klar, dass die üblichen Keyboard-Warrior genau das da hineingeschrieben haben, was zu erwarten war: „Mit dem steigen wir ab.“ Und: „Der kann doch nicht Feuerwehrmann.“ Sowas wird kommentiert, unabhängig davon, was Sportvorstand Sven Mislintat zur Wahl von Ende erzählt, und unser neuer Trainer sagt. Es ist zum Verzweifeln.

Denn gerade die Statements von Mislintat waren äußerst interessant. Er sagte, er habe schon seit Langem gedacht, dass er Alexander Ende unbedingt holen wolle, wenn er mal in der Verantwortung für einen Zweitligaclub wäre. Ihn habe Endes Arbeit beim SC Verl tief beeindruckt – spätestens nachdem er beim BVB eine 0:4-Klatsche durch die Verler hinnehmen musste. Und zwar, weil er in Ende einen Trainer mit einem klaren Konzept sieht, der eine Mannschaft genau dahin entwickeln kann, wo er sie haben will. Mit anderen Worten: Hätte Markus Anfang bis zum Ende der Saison durchgehalten, wäre Alexander Ende vermutlich sowieso gekommen.

Dem Ergebenen ist der neue Trainer zunächst einmal deutlich sympathischer als Markus Anfang. Das will nichts heißen. Zumal Anfang genau wie Ende selbst Profifußballer war, die Aufgabe also von beiden Seiten her kennt. Außerdem mag er den niederrheinischen Zungenschlag von Alex lieber als das K**sch vom Anfang. Das will noch weniger heißen. Dann hat er sich mal genauer angeschaut, welche Ergebnisse Coach Ende bei Verl und zuletzt auch in Münster so erreicht hat.

Beim SC Verl hat er durch seine sehr klare Vorstellung, wie Fußball auszusehen hat, aus einer 08/15-Regionalliga-Truppe einen soliden Drittliga-Club gemacht – ganz ohne, dass man bei denen viel Geld in die Hand nehmen musste. Dass er dann freiwillig zum SC Preußen Münster ging, kann nur damit zu tun haben, dass er einen nächsten Karriereschritt in einer höheren Liga gehen wollte. Oder damit, dass er der Ansicht war, bei den Preußen dasselbe erreichen zu können wie beim SC Verl: aus einer gerade auf- und nicht gleich wieder abgestiegenen Truppe einen soliden Zweitliga-Club zu machen. Stand heute ist ihm das nicht gelungen; Münster spielte von Beginn an gegen den Abstieg, trat lange mit vielen Unentschieden auf der Stelle und konnte nie wirklich überzeugen. Das 0:6 gegen Dresden brach Ende dann das Genick.

Das hört sich erstmal nicht gut an. Aber, wir wissen, dass so etwas beinahe jedem Trainer passieren kann – siehe Daniel Thioune, siehe Markus Anfang. Tatsächlich war es nicht die Klatsche, die ihn das Amt kostete, sondern eher die vielen doofen Unentschieden, die sein Team erzielte – zehn in 29 Spielen. Wobei diese Statistik aber nicht wundert, wenn man sich anschaut, welches System Alexander Ende bevorzugt: das herrlich altmodische 4-4-2 mit Raute. Es war das erste System, das sich in den 80ern und 90ern nach der Abschaffung des Liberos durchsetzte. Der Schlüssel zum Verständnis dieser taktischen Grundordnung: Sowohl die beiden Außenverteidiger als auch die beiden seitlichen Männer im Vierermittelfeld übernehmen situativ Offensiv- und Defensivaufgaben. Gut funktioniert das aber nur mit einem fähigen Spieler im zentralen, offensiven Mittelfeld. Und da hatte Ende bei den Preußen in dieser Saison ein bisschen Pech, weil die infrage kommenden Kicker entweder verletzt oder außer Form waren. Das mal als ein bisschen Hintergrundinfo zu unserem neuen Trainer.

Darauf angesprochen, dass er aber in der aktuellen Situation der Fortuna in erster Linie derjenige sei, der dem Team in den verbleibenden fünf Spielen helfen soll, genug Punkte gegen den Abstieg zu holen, sprach Ende von einem Spagat. Ja, die Rolle als „Feuerwehrmann“ habe er in seiner Trainerkarriere bisher noch nicht gespielt. Er traue sich das aber zu – sonst hätte er Sven Mislintat nicht zugesagt. Aber, mal ehrlich: Wie oft in den letzten 15, 20 Jahren hat den ein solcher Feuerwehrmann tatsächlich einen Abstieg verhindert – außer Friedhelm Funkel, natürlich? Auch hier zeigt die Statistik, dass die Erfolgsquote solcher Wechsel in den letzten Jahren bei geschätzten 10 bis 20 Prozent lag.

Die wirklich interessante Frage ist, ob Alexander Ende mit dem Team auf den letzten Metern der Saison noch ein System einübt, das die Fortuna-Kicker bisher noch nicht trainiert haben. Das hängt nicht nur davon ab, ob die Zeit dafür ausreicht, sondern ob er das geeignete Personal dafür findet. Die Umstellung auf Viererkette (die ja noch unter Daniel Thioune öfters gespielt wurde) sollte nicht das Problem sein, eher noch, wie eine erfolgversprechende Doppelspitze aussehen könnte und – noch wichtiger – wer den benötigten Spielmacher gibt.

Das alles sollten interessierte Fans bedenken, bevor sie voreilig den Stab über Alexander Ende brechen. Der Ergebene gibt dem neuen Cheftrainer jedenfalls eine Chance; und sollte – was die Fußballgöttin verhindern möge! – die Fortuna tatsächlich in die dritte Liga absteigen, dann wird niemand diesem Coach die alleinige oder überwiegende Schuld geben.

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