Sonntagmittag tritt unsere brave Fortuna gegen Elversberg an und muss die Partie gegen alle Erwartungen gewinnen.
Analyse · Gestern war der Ergebene gleich um die Ecke bei der TuRU. Die verlor nach grandiosem – Wie heißt es so treffend? – Chancenwucher und abartigen Defensivklöpsen gegen die SG Unterrath mit 1:4. Und taumelt nun dem Abstieg aus der Landesliga entgegen. Im Gegensatz zur glorreichen Fortuna hat der ehemals stolze Oberligist und die klare Nummer 2 in Düsseldorf noch vier Spiele vor sich, zwei davon gegen Teams in der Abstiegszone. Überhaupt ähnelt das diesjährige Schicksal der Oberbilker dem der Fortuna auf erschreckende Weise: Viele Buden (61) kassiert, wenige Hütten (35) gemacht; oft nicht schlecht gespielt und trotzdem verloren. Es war ein Heimspiel an der Feuerbachstraße an diesem schönen Frühlingsabend, und die handgezählten 12 TuRU-Ultras gaben alles. So wie am Sonntag wohl an die 40.000 Fortuna-Herzen alles geben werden, wenn F95 zu Hause gegen die ELVen ran muss. [Lesezeit ca. 4 min]
Und es war die einzige halbwegs nahrhafte Aussage des ansonsten eher verschlossenen Cheftrainers Alex Ende, die alle, die immer noch an der Wirkung lautstarken Supports zweifeln, aufwecken sollte: „Jedes Fortuna-Herz hilft“ – was für ein wunderschöner Satz. Trotzdem: Vor allem muss sich die Mannschaft selbst helfen. Und der ganze Stab drumherum muss der Mannschaft helfen, sich selbst zu helfen. Dann kann’s auch gegen den schier unschlagbaren Tabellenzweiten klappen. So wie gegen Dresden.
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Das Gegnerporträt
Über die spezielle Geschichte dieses saarländischen Fußballklubs ist hier und andernorts schon genug geschrieben worden. Und alle Beobachter und Analysten sind sich einige, der Erfolg der SVE geht auf das Konto von drei Männern: Präsi Frank Holzer (selbst ehemaliger Fußballprofi), Sportdirektor Ole Book und Ex-Trainer Horst Steffen. Was fällt auf an dieser Aufzählung? Steffen ist weg und nach seinem Abgang bei Werder Bremen krachend gescheitert. Book ist weg und wird gerade Sportdirektor beim BVB. Das Book’sche Rezept lautete: Richtig gute Kicker von erfolgreichen Clubs ausleihen und ihnen a) das Leben im Saarland schönmachen und b) ihnen massiv viel Spielzeit zu geben. Und die besondere Qualität des Horst St. bestand darin, diese ausgeborgten Burschen bestens in den Kader zu integrieren.
Auch wenn die aktuelle Saison für die ELVen mit 17 Siegen und sagenhaften 60 Toren nach dem 32. Spieltag brillant läuft, stellt sich die Frage, ob das von Book und Steffen erdachte und realisierte Rezept weiter trägt, wenn die Elversberger auch dieses Mal nicht in die erste Liga aufsteigen. Nein, der Ex-Fortuna Chris Weber ist kein Ole Book. Und auch Vincent Wagner ist kein Trainer wie Horst Steffen. Aber: Frank Holzer und sein Beraterstab sind keine heurigen Hasen, die strikt am alten Rezept festhalten. Sie haben die Zeit genutzt. „Im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung installierte der Verein den neuen Posten eines Technischen Direktors und verpflichtete hierfür den ehemaligen Fußballprofi und Doktor der Betriebswirtschaftslehre Josef Welzmüller. Welzmüller ist zukünftig für die Spielphilosophie, Methodik und Spielerentwicklung vom Nachwuchsleistungszentrum bis zur Profi-Mannschaft verantwortlich.“ [aus der Wikipedia]
Das bedeutet auf mittlere Sicht, dass der (un)scheinbare „Dorfverein“ (der in Wahrheit das ganze Saarland repräsentiert, so wie jeder Saarland-Club, der gerade am erfolgreichsten ist, dieses einzigartige Bundesland repräsentiert) zu einem Labor des modernen FußballSPORTS werden kann – ganz ähnlich wie es vor rund 30 Jahren der SC Freiburg mit seiner Integration von Spielern aus eher unbekannten Nationen und seinem Nachwuchsinternat war. So gesehen sollte man als Liebhaber:in des getretenen Rundballs darauf hoffen, dass die SVE aufsteigt, um sehen zu können, ob und wie das funktioniert.
Wir als glühende Anhänger:innen der wunderschönen Fortuna können da leider nicht mitmachen. Denn wir MÜSSEN am Sonntag gewinnen; ob das den Saarländern den Aufstieg verhagelt, muss uns scheißegal sein.
Die Fakten:
Tabelle:
| Platz | Verein | Spiele | S | U | N | Punkte | Tore |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2. | Elversberg | 32 | 17 | 8 | 7 | 59 | 60:36 |
| 16. | Fortuna | 32 | 10 | 4 | 18 | 34 | 30:49 |
F95: de Wijs, El Azzouzi, Muslija, Schmidt und Tanaka
Elversberg: 0 Spieler
Info:
Sonntag, 10. Mai 2026, 13:30 in unserer Arena
Schiri: Wolfgang Haslberger (33): Hat Fortuna zuletzt im August 2025 gegen Hannover gepfiffen und hatte das Spiel gut im Griff.
TV: Sky (€) / Wow (€)
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Spielplan, System, Aufstellung
Der Ergebene mag das ja, dass Coach Ende auf dieser lächerlichen PK zum Spiel nix über Startaufstellung, System und Spielplan verrät, wenn sich vor ihm und Pressesprecher Tino Polster meist nur drei Schurnalisten verlieren. Am lustigsten an den Youtube-Übertragungen dieser Veranstaltung sind die Kommentare der Zuschauenden, die teilweise von null Ahnung befeuert sind und zum Beispiel annehmen, Fortuna habe einen Präsidenten und der Aufsichtsrat führe die Geschäfte. Oder: Cedi Itten wäre sehr schlecht in dieser Saison. Und man müsse schnell noch einen Superstar holen. Echt witzig.
Am wichtigsten aber ist die Verlesung der Verletztenliste und was Alex Ende dazu sagt. Zwar ist die Krankenstation so leer wie seit Saisonbeginn nie, aber es gibt doch eine ganze Reihe an Konvaleszenten, denen neunzig Minuten noch nicht zuzutrauen sind. Deshalb dürfte auch am Sonntag das kluge Spiel mit Auswechslungen die wichtigste Coaching-Aufgabe sein. Die erwähnten Nicht-mehr-so-richtig-Verletzten müssen also klug eingesetzt werden – allen voran Satoshi Tanaka und Sima Suso.
Mit einiger Sicherheit werden im Verlauf des Spiels Sotiris (wenn er nicht sowieso startet), Lunddal und Raimund kommen. Ebenso wahrscheinlich ist, dass der Lenzer und Zimbo nicht über neunzig Minuten auf der Wiese herumlaufen werden. Falls gegen Ende mehr Risiko sein muss, um einen oder mehrere Punkte zu holen, könnten spät Rasmussen und Sauck kommen, vielleicht auch Hettwer.
Nein, Trainer Ende wird NIE sagen, mit welcher taktischer Grundordnung er die Bande arbeiten lassen wird. Stattdessen wird er auf bohrende Nachfrage investigativer Spochtrepochter sagen, dass er das 4-4-2 mit Raute liebt – es sei soooo flexibel. Also könnte das System so aussehen:
Lirum, larum – in Wirklichkeit wird es um solche technischen Details gar nicht gehen. Es wird um das gehen, was man „Mentalität“ nennt, also um die emotionalen Seiten des Spiels. Die Jungs müssen gewinnen WOLLEN. Sie müssen bereit sein, ihr Leben für einen Sieg zu geben (natürlich nur im übertragenen Sinne). Sie müssen Zweikämpfe suchen, annehmen und mit maximaler Konsequenz führen. Sie müssen sich konzentrieren, um die Fehlerquote zu senken. Und sie müssen endlich auch mal das Spielglück haben, das in dieser Saison so oft an ihnen vorbeigegangen ist. Und wir, die wir im Stadion stehen, müssen ihnen den akustischen Teppich weben, auf dem diese ganzen emotionalen Sachen passieren können. Darum geht’s.
Der Tipp
Der Kopf ist ein nüchterner Langweiler und sagt: „Können wir nicht gewinnen.“ Sein Tipp daher: 0:2. Da bricht das Herzchen in bitt’re Tränen aus und beschwört einen 1:0-Sieg für die geliebte Fortuna. Der Bauch lässt lange auf sich warten, grummelt und blubbert und sagt dann schließlich ein 1:1 voraus – so optimistisch ist der sonst nicht.
Wie wär’s? Ein Arena-Alt (5,50€) pro Vorbericht – einfach per Paypal ausgeben:
oder per Paypal an ergebener@fortuna-punkte.de senden.
