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Fürth vs F95 3:0 – Vercoacht, verkackt, verloren und verdient abgestiegen

Fürth vs F95: Käpt'n Kastenmeier spricht zu den aktiven Fans (Screenshot Sky)

Fürth vs F95: Käpt'n Kastenmeier spricht zu den aktiven Fans (Screenshot Sky)

Am Sonntag verlor diese Fortuna im alles entscheidenden Spiel gegen Fürth und steigt in die dritte Liga ab.

Bericht · Man kann es auch so ausdrücken: Am Sonntag, dem 17. Mai 2026 erfüllte sich das Schicksal, das am 24. Mai 2024 seinen Lauf genommen hat, als der arme Takashi Uchino den entscheidenden Elfmeter in den Düsseldorfer Himmel ballerte. F95 verlor nach einem 3:0-Auswärtssieg in Bochum mit 5:6 gegen den Vfl und stieg nicht auf. Der vermutlich beste Kader der letzten zehn, zwölf Jahre zerfiel. Immer noch aber war massiv Qualität in der Truppe, die in der Folgesaison immer in der oberen Tabellenhälfte mitmischte, es zwischendurch bis auf Platz 4 brachte und am Ende als Sechster abschloss. Und dann wollten Klaus Allofs und Chris Weber mit einem großen Umbruch All-in gehen. Sie haben jämmerlich versagt. [Lesezeit ca. 6 min]

Fürth vs F95: Was nützt da noch Liebe? (Screenshot Sky)

Aber, der Ergebene will hier noch keine Saisonbilanz ziehen, das kommt später. Es gilt, über dieses ebenfalls denkwürdige Spiel zu reden, das in die Geschichte des Vereins eingehen wird, weil es alles über den Haufen wirft, was nach den dunklen Jahren ab 2009 mit dem Aufstieg in die zweite Liga aufgebaut wurde. Es gilt über das kollektive Versagen zu reden. Und wir müssen über diese wahnsinnige Enttäuschung, diese tiefschwarze Trauer sprechen. Nein, weinen werden wir nicht, denn weinende Fans eines abgestiegenen Clubs sind bloß Futter für bildergeile TV-Repochter. Und es ist ja schon schlimm genug, wenn sich Lokaljournalisten, denen die Fortuna so weit am Arsch vorbeigeht wie zum Beispiel einem Zan Celar, unter das Fanvolk in der Altstadt mischen, um aus echten Emotionen Click-Kapital zu schlagen.

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Rund um die Retematäng war am Sonntagnachmittag mindestens genauso viel los, wie damals, als die Fortuna in der Relegation in Bochum gewann. Die Stimmung war vorwiegend optimistisch, denn kaum jemand konnte sich vorstellen, dass diese merkwürdige Truppe nach drei willensstark vorgetragenen Partien mit drei oder mehr Toren Unterschied verlieren könnte. Im Vorgeplänkel ging es eher darum, dass die meisten lieber einen Platz 15 als eine Relegation gegen RWE sehen wollten.

Fürth vs F95: Optimismus vor dem Anpfiff (Screenshot Sky)

Selbst nach dem frühen 1:0 durch Felix Klaus war unter den Menschen, die das F95 auf dem Herzen tragen, keine Weltuntergangsstimmung zu spüren. Das sah nach dem 2:0, diesem wirklich doofen Eigentor durch Eli Egouli, schon etwas anders. Und echte Sorgen machten sich die Fans dann nach dem 3:0. Aber da stand es auf den anderen Plätzen noch günstig für uns: Schalke ließ gegen Braunschweig nichts anbrennen, und die Hertha führte mit 1:0 in Bielefeld. Fortuna stand auf Platz 16 und hätte in die verschissene Relegation gemusst. Und mit einem Törchen gegen die Fürze wäre es sogar der 15. Platz gewesen.

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Hätte, wenn und aber. Ganz ehrlich: Der Ergebene hat eigentlich keine Lust auf eine Spielanalyse. Aber es muss sein. Die von Cheftrainer Alex Ende versprochene Überraschung zum Anpfiff sah anders aus als erwartet. Als Konsequenz aus dem Ausfall unseres einzigen verlässlichen Torschützen Cedric Itten ordnete er nicht seine geliebte Raute an, sondern ein 4-2-3-1. Das war der Grundstein für diesen grandiosen Misserfolg – so sahen es auch die vielen Fans und Experten an der Retematäng, die das Erlebte in der Pause diskutierten.

Fürth vs F95: Kollektives Fehlverhalten beim 1:0 (Screenshot ARD)

Da muss einem vor allem Marin Ljubicic leidtun, der mit der Rolle als einzige Spitze völlig überfordert war, weil es einfach auch nicht die Rolle ist, die er normalerweise spielt und die er ausfüllen kann. Die Viererkette sah auf dem Papier ganz okay aus, war aber nach dem 1:0 in der 2. Spielminute völlig durch den Wind. Dass es zu diesem strunzblöden Tor für Fürth kommen konnte, war nach Ansicht des Ergebenen die Folge der gewählten taktischen Grundordnung. Und des Matchplans, der wohl vorsah, von Beginn an volle Möhre offensiv zu spielen. Beim Konter, der zur Bude führte, waren beide nominellen Sechser – Tim Breithaupt und Sotiris – noch an der Mittellinie, während sich die Viererkette noch nicht sortiert hatte.

Es gelang Lunddal, Oberdorf, Egouli und Lenz nicht, den Raum so aufzuteilen, dass sie Felix Klaus am Torschuss hindern konnten. Und mit diesem Treffer waren Spielplan und System schon ad absurdum geführt. Nach dem 2:0, einem wirklich herzzerreißenden Eigentor von Egouli erst recht. Das war in der 16. Minute. Ein erfahrener Trainer, der Vertrauen in seine Leute hat, hätte spätestens jetzt umgestellt und, ja, schon Spielerwechsel vorgenommen. Zumal an dieser Stelle vielleicht noch was zu retten gewesen wäre.

Fürth vs F95: Auch Pech beim 2:0 (Screenshot ARD)

Eine Idee ging völlig in die Hose. Nämlich Emma Iyoha bedarfsweise mit in die Spitze zu schicken. Wir wissen doch, dass Emma nichts weniger ist als ein Knipser. Und weil das ganze System hinten und vorne nicht funktionierte, konnte Shinta Appelkamp seine Rolle als Regisseur nicht spielen. Wie auch, wenn ihm im geänderten System und dem aufgebotenen Personal kein einziger Laufweg bekannt vorkommen konnte. Am wenigsten an die Vorgaben hielt sich Sotiris, der ja auch eher ein Achter ist als ein offensiver Sechser. Dieses ganze dysfunktionale Gebilde führte dazu, dass sich zwischen der Abwehr und dem Angriff eine riesige Freifläche auftat, die von den Fürther als Anlaufgebiet für ihre schnellen Angriffe bestens genutzt werden konnten.

Auch Sima Suso wusste nicht so recht, ob und wie er mit Christopher Lenz kooperieren sollte, sodass dieses Mal über den linken Flügel gar nichts ging. Und weil Iyoha ständig in die Mitte zog, blieb Valle Lunddal bei Ballbesitz wenig mehr, als die Linie langzulaufen, um irgendwann zu flanken. Eine einzige Katastrophe, die in der 36. Minute ins 3:0 mündete, weil Tim Oberdorf viel zu weit weg war vom Torschützen am langen Pfosten. Das ist Verteidiger-ABC in solchen Situationen mit Bogenflanken quer durch den Strafraum an diese Position.

Fürth vs F95: Das 3:0 geht auf Oberdorfs Kappe (Screenshot ARD)

Der Fisch schien geschuppt, denn die SpVgg trat in der ersten Halbzeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten fast perfekt auf: voll konzentriert, schnell im Denken und kämpferisch bärenstark. Die Fortuna hatte aber ja noch eine ganze Halbzeit, um doch noch das eine beziehungsweise die zwei Tore zur Rettung zu machen. Immerhin: Coach Ende nahm die geforderte Umstellung vor und schickte zudem drei Neue auf den Rasen: Satoshi Tanaka als defensive Sechs mit den bekannten kämpferischen Qualitäten, Christian Rasmussen als zweite Spitze und Jordi Paulina anstelle des hilflos wirkenden Sima Suso.

Das änderte viel und brachte mit sich, dass die Fortuna auf einmal offensiv präsent war. Was dazu führte, dass Rasmussen schon in der 49. Minute den ersten echten Schuss aufs Tor wagte, der leider drüber ging. Nochmal vier Minuten später: Ball ans Außennetz. Es sah nun so aus, als stünden die Fürther mit Absicht tief. Tatsächlich aber waren sie von der nun einsetzenden Mann-zu-Mann-Deckung überrascht und brauchten eine ganze Weile, sich darauf einzustellen.

Fürth vs F95: Fortuna am Boden, ein Symbolbild (Screenshot Sky)

Schock in der 63. Minute. Der berüchtigte Hrgota will in den Sechzehner dribbeln, wird aber von Breithaupt per illegalem Tritt daran gehindert. Der vernünftig pfeifende Schiri Osmers gibt Strafstoß. Zum Glück aber stand Hrgota bei der Ballannahme zuvor hauchdünn im Abseits. Schock in der 73. Minute: Feine Doppelpassangelegenheit der Hausherren, und der notorische Futkeu kann locker einnetzen. Das wäre das 4:0, aber wieder stand der Torschütze millimeterweise im Abseits. Immer noch würde der Fortuna eine einzige Hütte genügen, um dem Schlimmsten auszuweichen.

Fürth vs F95: Emma Iyoha deprimiert (Screenshot Sky)

Endlich kommt Tim Rossmann – nach langer Krankheit und einer weiteren Verletzung, die er sich in der Zwoten geholt hat. Jetzt rennt die Fortuna mit vier echten Stürmern an. Paulina wird zum Antreiber, während Ljubicic immer unsichtbarer wird. Dass Appelkamp raus ist, merkt man kaum, weil nun dank Tanakas Treiben die Lücke zwischen Abwehr und Angriff besser geschlossen ist. Aber auch, weil die Fürther jetzt nur noch das 3:0 absichern wollen. Alle Rezepte sind in der Nachspielzeit vergessen, nun wird nur noch hoch und weit in den Strafraum gepöhlt. Dann ist Kastenmeier mit vorne. Kurzes Gerangel, und er sieht Gelb. Konter, Hrgota hat freie Bahn aufs leere Tor, Iyoha rettet auf der Linie.

Erschreckend, dass kein einziger der F95-Akteure die Willensstärke und den Kampfgeist aufbringen konnte, der ihnen den Sieg gegen Elversberg eingetragen hat. Offensichtlich ein mentales Problem. Wie sagte Retematäng-Wirt Daniel, der als Jugendtrainer aktiv ist: „Ich sag den Jungs immer: Der wichtigste Körperteil beim Fußball ist der Kopf.“ Wie wahr.

Fürth vs F95: Keine Fahnen und Banner mehr (Screenshot Sky)

Dass übliche Geplärre gewisser Kreise, es habe sich um Arbeitsverweigerung gehandelt und den Typen gehe die Fortuna ohnehin am Arsch vorbei, blendet der Ergebene heute einfach mal aus. Nur mal so als Anregung: Einen solchen Abstieg mit verursacht zu haben, wird keinem Spieler, der uns verlässt, zugutekommen. Im Gegenteil: Für die jüngeren bedeutet es eine deutlich Reduktion des Marktwertes, für ältere Kicker kann es das vorzeitige Karriereende bedeuten. Ausnahmen wie Zan Celar bestätigen nur die Regel.

Das war’s also. Und die ehedem glorreiche Fortuna muss nun für die Saison 2026/27 einen Kader für die dritte Liga finden – ohne ernsthaft Geld ausgeben zu können, denn der Abstieg bringt in erster Linie eine wirtschaftliche Katastrophe mit sich, die – nach Aussagen aus der Geschäftsstelle – bis zu einem Drittel der Vereinsangestellten den Jobverlust bringen könnte. Es wird der Fortuna wenig anderes übrigbleiben, als mit dem eigenen Nachwuchs den Neuaufbau zu wagen – talentierte Jungs haben wir Fußballgottseidank ja genügend.

Fürth vs F95: Blankes Entsetzen auf der Bank (Screenshot ARD)

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