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Testspiel: Hannover vs F95 3:2 – Es war nicht alles schlecht – kein Grund zur Sorge

96 vs F95: Das altehrwürdige Eilenriede-Stadion (Screenshot H96.tv)

96 vs F95: Das altehrwürdige Eilenriede-Stadion (Screenshot H96.tv)

In einem Testspiel ohne Zuschauer in der Eilenriede verlor die Fortuna gegen eine U21 von Hannover 96 in Folge einer nicht so guten Vorstellung.

Bericht · Die Kamera des von 96 gesendeten Live-Streams war nach Abpfiff natürlich nicht auf unserem Trainer Alex Ende. Wäre sie das gewesen, hätte man vielleicht gesehen, wie unzufrieden der Chefcoach mit dem Dargebotenen seiner Jungs war. Schließlich fielen zwei von drei Toren nach kapitalen Individualfehlern, und die beiden Buden für uns kamen durch einen (fragwürdigen) Elfmeter und einen Glücksschuss zustande. Und das gegen eine „erste“ Mannschaft von Hannover 96, die in der zweiten Hälfte – den ollen Keeper ausgenommen – einen Altersschnitt von unter 20 auf die Wiese brachte. In der ersten Halbzeit, in der die Fortuna besonders schlecht aussah, waren auch nur zwei Stammspieler und ein Rekonvaleszent an Bord. Und das nach dem herzerwärmenden Sieg gegen die C-Elf von Borussia Dortmund. Ernüchternd …[Lesezeit ca. 7 min]

Und besorgniserregend. Denn so etwas wie Struktur kam ins fortunistische Spiel erst nach der Einwechslung von Käpt’n Hendrix in der 59. Minute. Also, der Jorrit, der nächsten Freitag wegen einer roten Karte aus der Vorsaison in Mannheim nicht mittun kann. Was auch klarstellt, dass weder Dominique Heintz noch Zimbo Zimmermann in der Lage sind, das Team auf dem Platz zu führen – okay, ist von ihren Verteidigerpositionen aus auch nicht einfach. Nicht ohne Grund hat Trainer Ende das Experiment, Zimbo in die Raute zu beordern, schon nach einem Testspiel wieder aufgegeben.
 

 

Solch ein „geheimes“ Testspiel als letzte Übung vor dem Saisonstart hat eigentlich die Aufgabe, eine Startelf zu etablieren, also elf ausgesuchten Kollegen aus dem Kader die Gelegenheit zu geben, sich schon mal ein bisschen einzuspielen. Insofern war die Partie gestern die direkte Fortsetzung des schönen Auftritts gegen Dortmund, denn die Coaches nahmen nur eine personelle Veränderung vor: für den in Mannheim gesperrten Käpt’n Hendrix kam Anas Slimani in die linke Ecke der Raute. In der 44. Minute musste dann Tim Oberdorf den leicht verletzten Elias Egouli ersetzen.

Die Aufstellung: (mangels offizieller Dokumentation ohne Gewähr)
Lasse Rieß (TW); Dominique Heintz und Elias Egouli (44. Oberdorf) (IV), Sascha Risch und Zimbo Zimmermann (59. Philipp Förster) (AV); Anas Slimani (XX. Kilian Sauck), Jomaine Consbruch (45. Steven van der Sloot), Elias Arden (45. Marcel Benger) und Yassine Bouchama (59. Jorrit Hendrix) (Mittelfeld); Eric Hottmann (45. Jordi Paulina) und Fabian Schleusener (Sturm).

 

Wie schon angedeutet: Auch wenn das Hanoi-Team weder gut eingespielt wirkte noch besonders brillant auftrat, hatte es in Hälfte 1 durchgehend die Oberhand. Vor allem aufgrund der Schnelligkeit und der Genauigkeit. Live-Daten gab’s nicht, aber es steht zu vermuten, dass die Pass- und Zweikampfquoten für unsere Herren da ziemlich mies aussahen. Ansonsten war man als F95-Fan auf den H96-Livestream angewiesen. Die Bildqualität war nicht besonders, die Kameraführung so lala, und der Kommentator schwer zu ertragen. Da sind wir von Tino Polster (der nun in Rente gegangen ist) und Stadionsprecher Andre Scheidt Besseres gewohnt; Tino ist ja ein Spochtrepochter mit jahrelanger Erfahrung, und Andre hat eine angenehme Stimme und eine charmante Art. Der Hanoi-Sprecher aber hat beides nicht. Minutenlanges Schweigen (Hä? Tonausfall … konnte man denken), uninformierte Aussagen über die Fortuna und ständiges Schwärmen davon, dass die )6er-Arena jetzt endlich in den Vereinsfarben (grün, schwarz, weiß) erstrahlt. Und diese Stimme!

96 vs F95: Das 1:0 für Hanoi (Screenshot H96.tv)

Das 1:0 für die Gastgeber in der 18. Minute geht volle Kanne aufs Konto der Viererkette, vor allem auf das von Eli Egouli, der so falsch stand, wie man in einer solchen Situation nur falsch stehen kann. Dabei war es nicht schwer, diese Hütte zu verhindern, denn sie war die Folge eines sehr langen Abschlags des 96er-Torwartes. Ein Sturmkollege spurtet nach vorne, Egouli lässt sich überlaufen. Dann trickst der spätere Torschütze im Sechzehner Egouli auch noch aus, Dominique Heintz kommt zu spät und Lasse Rieß hat wenig zu halten. Alles sehr ärgerlich.

Das 2:0 in der 40. Minute war deprimierend. Ecke Hanoi, Seitfallzieher am Fünfer, ACHT Fortunen stehen untätig um den Torschützen herum, der aus dem Getümmel heraus einschiebt. Ein Klops, der so in keinem, in wirklich keinem, keinem einzigen Ligaspiel passieren darf! Aber das war leider noch nicht alles. Bei scharfem Pressing der Hausherren leistete sich unsere Defensive reihenweise Konzentrationsfehler – und nach vorn ging bis auf einen Fernschuss von Jomaine Consbruch gar nichts. Besorgniserregend.

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Zur Halbzeit war der brandneue Marcel Benger (Nr. 16) reingekommen, ein Liebling von Alex Ende. Der nahm am defensiven Ende der Raute Platz … und löste durch einen katastrophalen Ballverlust das 3:0 in der 51. Minute für die jungen Hannoveraner aus. Auch sonst war nichts besonders Gutes von ihm zu sehen. Bei dem hat der Ergebene erhebliche Zweifel, denn außer seinen knapp drei Jahren unter Ende ist nichts Aufregendes über ihn bekannt. Das sag für euren ergebenen Berichterstatter bei Oldie (31) Philipp Förster (Nr. 10) schon besser aus, der ab der XX. Minute die offensive Spitze der Mittefeldformation besetzte und ein paar gute Ideen und ein prima Defensivverhalten an den Tag legte.

Bevor wir auf die beiden Düsseldorfer Buden kommen, eine rasche Einzelkritik:

96 vs F95: Das 2:0 für Hanoi (Screenshot H96.tv)

Ende der 65. Minute tritt ein Hanoi-Bube unserem Herrn Schleusener im Strafraum in die Hacken, und der ganz ordentlich leitende Schiri gibt Elfer. Kann man, muss man aber nicht. Schleuse tritt selbst an und versenkt. Waren die Fortunen seit dem Wiederanpfiff deutlich munterer – und auch konzentrierter – als in Hälfte 1, zeigte sie jetzt Ehrgeiz und investierten offensiv deutlich mehr. Zweimal muss der 30-jährige 96-Schlussmann Paraden präsentieren, und im Verhältnis der Chancen holen die Rotweißen jetzt deutlich auf. In der 88. Minute haut Miguel Gonçalves aus gut 30 Metern auf Verdacht aufs Gehäuse, und dieses Mal reagiert der Keeper falsch und spät, sodass die Pille reingeht. Das 2:3 geht am Ende dann auch in Ordnung.

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Dass Alex Ende strikt an seiner hochmodernen Auslegung des 4-4-2 mit Raute festhalten würde, wundert nicht weiter; es besteht wenig Anlass, beispielsweise eine taktische Grundordnung mit Dreierkette und/oder nur einer Spitze einzuüben, weil das Rautensystem Varianten zulässt, die dasselbe leisten. Gestern wurden aber auch die Risiken dieser Systematik deutlich: Defensiv hängt alles an der perfekten Koordination innerhalb der Defensivkette und das Zusammenspiel mit dem defensiven Sechser. Wenn einer von denen nicht korrekt reagiert oder einen Ballverlust zulässt, gibt’s sofort Gefahr für den rotweißen Kasten – alle drei Gegentore entstanden so. Die offensive Power steht und fällt mit der Leistung der beiden Außenverteidiger und der beiden außen spielenden Mittelfeldleute, die wiederum davon abhängen, dass sie vom defensiven und/oder dem offensiven Sechser (der eigentlich eher etwas zwischen Achter und Zehner spielt) eingesetzt werden. Mangelt es da an Ideen, geht vorne wenig. Dabei ist Eric Hottmann sehr viel mehr auf diese Kreativität angewiesen als Fabian Schleusener und auch Jordi Paulina. Insofern müssten außer dem gesetzten Käpt’n Hendrix immer auch Anas Slimani ODER Kilian Sauck eingesetzt werden.

Von den Spätzugängen gefallen dem Ergebenen Yassine Bouchama (solide), Felix Meiser (hochaktiv) und Lukas Eixler (prima Zehner) bisher am besten. Die einzige sinnvolle Verstärkung sieht er noch in einer Alternative für Sascha Risch auf der linken AV-Position. Wir haben jetzt einen 28er-Kader mit einem vernünftigen Altersschnitt von 24,8. Mehr als ein zusätzlicher Insassen könnte man schon als Aufblähung sehen. Andererseits werden zwei, drei Youngster wohl eher in der Zwoten auftreten.

96 vs F95: Das 2:3 per Fernschuss (Screenshot H96.tv)

Ob man sich als Fortune wirklich Sorgen machen muss wegen der Niederlage in der Eilenriede? Eher nicht. Denn es war nicht alles schlecht gestern Nachmittag. Immer wieder gelangen schöne One-Touch-Passagen, das hohe Pressing sah oft gut aus, und nach dem dritten Gegentor war F95 in jeder Hinsicht das aktivere Team. Auch die Fehlerquote ging zurück. Was ganz, ganz klar wurde: Erfolgreich wird das Team unter Alex Ende in der kommenden Drittligasaison nur, wenn sie die diversen Fehler minimiert. Damit sollten sie nächsten Freitag in Mannheim schon anfangen. Außerdem: Jeder kennt ja den (statistisch nicht belegbaren) Spruch von der Generalprobe und der Premiere …

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