Meinung · Es ist ja jedes Jahr dasselbe: Vor der Saison denken die Fans darüber nach, wie der Club ihres Herzens am Ende der Saison dastehen wird. Da geht es dem Ergebenen und seinen Freund:innen der Expertenrunde nicht anders. Aber anstatt nur zu spekulieren, wo die Fortuna in der Abschlusstabelle stehen könnte, versucht sich der Ergebene auch dieses Mal an realistischen Einschätzungen und gewagte Prognosen zum Ausgang der gesamten dritten Liga 2026/27. Hofft mal mit ihm, dass er nicht wieder so falschliegt wie mit den Vorhersagen im vergangenen Jahr … [Lesezeit ca. 7 min]
Über den Tiefschlag, den der Abstieg allen verpasste, die das F95 im Herzen tragen, ist nun schon alles gesagt. Und der vereinspolitische Tumult danach ist auch schon fast vorbei. Jetzt geht’s bald los, und viele Vereine, denen die Fortuna an den folgenden 38 Spieltagen begegnen wird, sind so gut wie unbekannte Gegner. Grund genug, sich bei der Saisonprognose etwas genauer mit den Kontrahenten zu befassen.
Schauen wir uns also an, wie der Ergebene die Chancen der Clubs einschätzt (Ergebnis Vorsaison in Klammern; Marktwerte laut transfermarkt.de; Budgets geschätzt):
Fortuna Düsseldorf (A)
Marktwert: 9,95 Mio; Budget: 7,5~8,5 Mio
Dank der hervorragenden Kaderarbeit von Sportvorstand Samir Arabi und Chefscout Goran Vucic ist praktisch von Null auf eine Truppe entstanden, die bei der Konkurrenz Respekt auslöst. Verstärkt durch die präzise Vorbereitungsarbeit von Cheftrainer Alex Ende und seinem Team. Die Mischung aus erfahrenen Cracks (den sogenannten Ankerspielern) und vielversprechenden Youngstern scheint zu stimmen, und so langsam kommen die Kicker auch mit der Spielidee und der Systematik klar. Wann genau in Düsseldorf eine, na ja, Euphorie ausgebrochen ist, die zu 19.000 Dauerkarten und wachsenden Mitgliederzahlen geführt hat, weiß keiner so recht. Aber egal…
F95 zählt laut Konkurrenztrainern, diversen Experten und Wettanbietern zu den Aufstiegskandidaten. Um diese Vorschusslorbeere zu vergolden, muss die Fortuna gegen die drei direkten Konkurrenten (siehe unten) mindestens 12 Punkte holen und darf sich gegen die sechs Abstiegskandidaten keine Ausrutscher erlauben. Wie realistisch die Hoffnung auf den direkten ist, wird man schon nach den ersten drei Partien gegen Mannheim, Hoffenheim II und Stuttgart II sehen; neun Punktewären ideal, mit sieben Zählern könnte man zufrieden sein.
Die Körperteile sagen voraus: Kopf = 2., Herz = 1., Bauch = 2.
Preußen Münster (A)
Marktwert: 9,93 Mio; Budget: 7~10 Mio
Die Preußen haben zwei wichtige Spieler abgeben müssen und bisher keinen adäquaten Ersatz verpflichtet. Seit dem letzten Sieg in einem Ligaspiel im März am 24. Spieltag haben sie in der Vorbereitung nur gegen unterklassige Clubs gewonnen. Ob Trainer Alois Schwartz sie ein 4-4-2 mit Raute spielen lässt, weil die verbliebenen Spieler das von Alex Ende kennen oder ob es seine besten Wahl ist, lässt sich nicht beantworten, allerdings hat er in seinen Stationen davor immer auf die Dreierkette gesetzt. Da die Preußen sich in der Defensive nicht wesentlich verstärkt haben, könnten sie selbst in Liga 3 viele Buden kassieren.
Zu den Aufstiegskandidaten zählt Münster nicht, kann sich jedoch im oberen Tabellendrittel einsortieren; mit dem Abstieg werden sie aber nichts zu tun haben.
Tendenz: Platz 6
Rot-Weiss Essen (3)
Marktwert: 8,55 Mio; Budget: 8~11 Mio
Die Essener robben sich nach dem Aufstieg im Jahr 2022 kontinuierlich nach oben, kamen zuletzt in die Relegation gegen die Fürther knapp nicht durch. Die Ambitionen sind groß an der Hafenstraße, aber der RWE hat sich (bisher) nicht nennenswert verstärkt. Aber auch keine wichtigen Abgänge erlitten – der Kader der Vorsaison bleibt weitgehend zusammen. Das wird für die Essener ein Vorteil sein. Deshalb zählen Konkurrenztrainer, Experten und Wettfuzzis den RWE zu Recht zu den Aufstiegskandidaten.
Tendenz: Platz 2 oder 3
MSV Duisburg (4)
Marktwert: 8,73 Mio; Budget: 12~16 Mio
Die Verantwortlichen des Vorjahresaufsteigers, der es letzte Saison tatsächlich bis auf den vierten Platz geschafft hat, haben große Ambitionen. Und (vermutlich) das größte Budget der Liga. Das muss erst einmal nichts heißen. Der MSV hat sich moderat verstärkt und den größten Teil der Truppe zusammengehalten. Großes Plus ist der moderne Trainer Dietmar Hirsch, der in Sachen taktische Grundordnung sehr variabel agiert und mit seinen Jungs mehrere System(varianten) einübt. Wie gut das wirkt, zeigt nicht zuletzt der Sieg gegen Aufsteiger Cottbus am Ende der Vorsaison. Die Vorbereitung lief anscheinend gut, die Ergebnisse der Testspiele können sich sehen lassen.
Tendenz: Platz 3 oder 4
Hansa Rostock (5)
Marktwert: 8,05 Mio; Budget: 10~14 Mio
Die Kogge will nach zwei Jahren in Liga 3 UNBEDINGT wieder aufsteigen. Und nebenbei die Schmach einer 2:5-Heimniederlage gegen Regensburg ausbeulen, die sie aus dem Aufstiegsrennen geworfen hat. Der Kader hat sich wenig verändert, die Ergebnisse der Testspiele sagen nicht viel aus. So gesehen ist Hansa eine Wundertüte, die trotzdem von vielen als Aufstiegskandidat Nr. 1 gesehen wird. Das tut auch der Ergebene, weil er Rostock für die widerstandsfähigste Mannschaft der Liga hält, die a) jeden schlagen kann und sich b) wenig Pleiten erlauben wird. Trainer Brinkmann setzt auf ein 4-3-2-1.
Tendenz: Platz 1 oder 2
SC Verl (6)
Marktwert: 4,68 Mio; Budget: 5~7 Mio
Manche halten den Ex-Ex-Verein unseres Cheftrainers für einen Geheimfavoriten. Aus ergebener Sicht spricht nichts dafür. Zu wenig hat sich um Vergleich zur Vorsaison verändert, in der die Ostwestfalen oft über ihrem Niveau gespielt haben.
Tendenz: Mittelfeld der Tabelle
Alemannia Aachen (7)
Marktwert: 6,88 Mio; Budget: 6~8 Mio
Die Kartoffelkäfer vom Tivoli sehen sich als Mitfavorit. Und, ja, die Aachener haben sich nach den bitteren Jahren in der Regionalliga in Liga 3 etabliert. Aber für mehr reicht es nach Einschätzung des Ergebenen (noch) nicht. Immerhin können sie wieder auf die Erfahrung von Trainer Mersad Selimbegovic setzen, der sie mit einer kleinen Siegesserie zum Ende der Vorsaison noch bis auf Platz 7 gewuchtet hat.
Tendenz: Mittelfeld der Tabelle
SV Wehen Wiesbaden (8)
Marktwert: 7,83 Mio; Budget: 8~11 Mio
Diesen Club, der immer ein bisschen wie ein Wasserfilter riecht, hat der Ergebene noch nie verstanden, obwohl er ja ähnlich wie die Fortuna ein Landeshauptstadtclub ist. Als SV Wehen waren sie mal Pokalschreck und haben ein paar Ausflüge in die zweite Liga hinter sich, aber alles in allem sind sie eben ein klassischer Drittligaverein. Und trotzdem: Ein unbestimmtes Baugefühl des Ergebenen sagt, dass sie dieses Mal wieder einmal am oberen Tabellendrittel schnuppern werden.
Tendenz: Platz 5, 6 oder 7
SV Waldhof Mannheim (9)
Marktwert: 7,28 Mio; Budget: 6~9 Mio
Komischerweise wird unser erster Gegner in der neuen Saison von den Experten recht weit oben gesehen. Das mag daran liegen, dass sie sich recht interessant verstärkt haben. Und am neuen Trainer Rui Mota, der mit Rasgrad schon Erfahrungen in den europäischen Ligen gesammelt hat. Dort hat er erfolgreich auf ein System mit Raute gesetzt und wurde mit Rasgard bulgarischer Vizemeister.
Tendenz: Mittelfeld der Tabelle
FC Viktoria Köln (10)
Marktwert: 5,38 Mio; Budget: 7,5~8,5 Mio
Von allen Vereinen aus dem Domdorf ist die Viktoria dem Ergebenen am sympathischsten. Warum auch immer … Schon seit 2019 tummeln sich die Rotschwarzen nun in der dritten Liga, ohne je größere Aufstiegsambitionen gehabt zu haben. Und dass, obwohl sie immer wieder prominente Trainer und Spieler holen. In der Vorbereitung überraschten sie mit Siegen gegen Elversberg und den VVV aus Venlo. Jedenfalls freut sich der Ergebene, endlich mal den Sportpark Höhenberg kennenzulernen, wenn die Fortuna dort im Dezember zum ersten Mal bei einem Pflichtspiel aufschlägt.
Tendenz: Mittelfeld der Tabelle
FC Ingolstadt 04 (11)
Marktwert: 6,88 Mio; Budget: 7~10 Mio
Ja, die Schanzer waren auch mal Bundesligist. Die Abstiege haben den Ingolstädtern nachhaltig geschadet, und jetzt dümpelt der einzige Profiverein mit einer Trainerin schon wieder fünf Jahre auf Ebene 3, ohne dass Fortschritte erkennbar wären. Das dürfte auch in der Saison 2026/27 nicht viel anders sein, obwohl sie sich in der Vorbereitung gut geschlagen haben. Trainerin Wittmann lässt mit einem 4-3-2-1 spielen und überraschte zum Abschluss der Vorsaison mit einem 5:1 gegen Mannheim.
Tendenz: um Platz 10 herum
Jahn Regensburg (12)
Marktwert: 7,20 Mio; Budget: 7~10 Mio
Dem Jahn ging es zuletzt wenig anders als den Ingolstädtern. Der Club aus der Oberpfalz, der den Westvereinen die längsten Anreisen beschert, hat sich gar nicht verstärkt und musste drei schmerzende Abgänge verzeichnen – unter anderem von Eric Hottmann zur Fortuna. In der Vorsaison gewannen sie mal überraschend, verloren aber auch unerwartet. Stabilität geht anders. Trainer Sascha Hildmann (der Münsteraner Aufstiegstrainer) wird es mit dem Kader nicht leicht haben.
Tendenz: unteres Mittelfeld
VfB Stuttgart II (13)
Marktwert: 7,05 Mio; Budget: ??? Mio
Über die Zweitvertretungen der Bundesligisten weiß der Ergebene wenig, und es ist nicht einfach, mehr Wissen über sie zu sammeln. Die Schwaben werden mit dem jüngsten Kader aller Drittligisten soll Trainer Nico Willig die Nachwuchsarbeit der Schwaben in der dritten Liga halten. Und das sollte klappen.
Tendenz: unteres Tabellendrittel
1. FC Saarbrücken (14)
Marktwert: 7,88 Mio; Budget: 8~12 Mio
Schon wieder treten die Saarbrückener mit Ambitionen an, was sich im Marktwert des Kaders und einem recht fetten Budget äußert. Neidisch schielt der 1. FCS auf die ELVen, die ihnen den Rang als Nr. 1 im Saarland abgelaufen haben. Die Vorsaison verlief unglücklich, Konstanz kriegten weder Pokalschrecktrainer Luginger noch sein Nachfolger Argirios Giannikis, der sogar schon mal AEK Athen cheftrainiert hat, ins Team. Das könnte sich in dieser Saison ändern, weshalb der Ergebene die Saarbrücker eher in der oberen Tabellenhälfte sieht.
Tendenz: obere Tabellenhälfte
TSG Hoffenheim II (15)
Marktwert: 6,55 Mio; Budget: ??? Mio
Das ist der einzige Drittligist, der für die neue Saison ernsthaft Geld in die Hand genommen hat. Das aber wohl eher, um den Nachwuchs des Bundesligisten zu verstärken. Irgendein Gefühl sagt dem Ergebenen trotzdem, dass Hopp 2 zu den Abstiegskandidaten zählt.
Tendenz: Abstiegskandidat
TSV Havelse (16)
Marktwert: 3,18 Mio; Budget: max. 4 Mio
Dank der Tumulte bei den 60ern ist Havelse dem Abstieg noch einmal von der Schippe gesprungen. Dass es auch in der kommenden Saison klappt, glaubt der Ergebene nicht.
Tendenz: Abstiegskandidat
SG Sonnenhof Großaspach (N)
Marktwert: 3,30 Mio; Budget: max. 2,5 Mio
Eine Wundertüte, über die der Ergebene nichts Nahrhaftes herausgefunden hat, außer, dass diejenigen, die diese SG aus der Regionalliga kennen, sagen, da dürfe man sich über unerwartete Erfolge nicht wundern.
Tendenz: unteres Tabellendrittel
Fortuna Köln (N)
Marktwert: 4,11 Mio; Budget: 2,5~3,5 Mio
Die falsche Fortuna hat es mal wieder in die dritte Liga geschafft, sodass die richtige Fortuna sich wieder mal mit denen rumschlagen muss. Die K***er haben einen soliden Kader und sich mit zwei echten Fortunen verstärkt: Torwart Ben Zich (der wohl eher nicht Nr. 1 wird) und dem ewigen Talent David Savic, dem der Ergebene wünscht, jetzt endlich könne er mal durchstarten. Unterschätzen sollte man die Südstädter jedenfalls nicht, gerade bei Heimspielen.
Tendenz: unteres Tabellendrittel
SV Meppen (N)
Marktwert: 3,00 Mio; Budget: max 3 Mio
Ach ja, es ist doch schön, endlich mal wieder zu den strunzsympathischen Emsländern reisen zu dürfen. Wer schon länger F95-Fan ist, wird zustimmen. Durch die Regionalliga Nord haben sich die Meppener so richtig durchgepflügt, mussten in 34 Spielen nur drei Niederlagen verdauen und haben 103(!) Tore erzielt. Leider mussten sie Mittelstürmer Julian Ulbricht nach Mannheim ziehen lassen. Ob der von den Bayern ausgeliehene Richard Meier gleichwertiger Ersatz ist, wird man sehen. Vermutlich wird der SV die ganze Zeit gegen den Abstieg spielen.
Tendenz: Abstiegskandidat
Würzburger Kickers (N)
Marktwert: 4,11 Mio; Budget: 6~8 Mio
Seit der unwürdigen Pokalniederlage der Fortuna bei diesen Kickers vor ein paar Jahren, mag der Ergebene die nicht. Für einen designierten Abstiegskandidaten haben die ganz schön viel Geld. Trotzdem werden sie kaum höher als Platz 17 kommen – sagt der ergebene Bauch:
Tendenz: Platz 17
oder per Paypal an ergebener@fortuna-punkte.de senden.
Und so könnte nach Bauch, Herz und Kopf des Ergebenen die Tabelle der dritten Bundesliga am 38. Spieltag der Saison 2026/27 aussehen:
1. Hansa Rostock
2. Fortuna Düsseldorf
3. RW Essen
4. MSV Duisburg
5. SV Wehen Wiesbaden
6. Preußen Münster
7. Waldhof Mannheim
8. Alemannia Aachen
9. Viktoria Köln
10. SC Verl
11. 1. FC Saarbrücken
12. FC Ingolstadt
13. Jahn Regensburg
14. VfB Stuttgart II
15. Fortuna Köln
16. SG Sonnenhof Großaspach
17. Würzburger Kickers
18. SV Meppen
19. Hoffenheim II
20. TSV Havelse
Natürlich ohne Gewähr…
oder per Paypal an ergebener@fortuna-punkte.de senden.
