Eine verwirrte, fehlerhafte Fortuna lässt sich von den jungen Hoffenheimer schlagen, ohne sich ernsthaft zu wehren – schrecklich!
Bericht · Dass der Ergebene nicht Mitglied im Team „Trainer raus“ ist, dürfte bekannt sein. Dass er aber jederzeit berechtigte Kritik am jeweiligen Chefcoach zu üben bereit ist, auch. Dass aber ein hauptamtlicher Übungsleiter gleich zwei Partien nacheinander vercoacht und der Mannschaft durch seine absurden Aufstellungsexperimente den Spaß am Spiel raubt, den sie beim (unwichtigen) Sieg über den BVB gezeigt haben, ist ärgerlich. Überhaupt: Was hat Alexander Ende aus den positiven Ansätzen gemacht, die in der Saisonvorbereitung zu sehen waren? Wer klopft ihm jetzt mal auf die Finger? [Lesezeit ca. 8 min]
Zumal aus Mannschaftskreisen zu hören ist, dass gewisse Neuankömmlinge gerade bei unseren Youngstern stark auf die Stimmung drücken. Nein, es geht nicht um Sascha Risch, der aus anderen Gründen momentan nicht voll bei der Sache ist. Denn der hat nach seiner Einwechslung gezeigt, dass er sich zusammenreißen kann. Man sollte mal ganz genau hinschauen, welche Kollegen am Samstag nicht einmal im Kader waren, obwohl sie nicht verletzt sind. Genau: Außer den beiden Jungmännern Kaden Amaniampong und Levi Mentzel (der momentan als IV eh überzählig ist) war es dieser Marcel Benger. Siehste selbst…
Jedenfalls löste die Vermeldung der Startaufstellung gemischte Gefühle unter den Zuschauenden aus, die sich ein bisschen auskennen. Stevie van der Sloot auf links? Hä? Letzte Saison war es El Azzouzi, der nur einen Fuß hatte, dieses Mal ist es der Stevie, der nur deshalb einen linken Fuß montiert, damit er nicht umfällt. Herr Ende stellt einen Rechtsfuß als Linksverteidiger auf. Darauf musste erstmal kommen. Und warum? Weil er weder Sascha Risch noch Kaden Amaniampong vertraut (der ja tatsächlich in Mannheim massive Probleme mit seinem Job hatte). Und weil er Zimbo Zimmermann unbedingt als rechten AV haben wollte, was dafür sorgte, dass auf BEIDEN Flügeln offensiv nichts ging. Und dann das Mittelfeldquartett: Okay, Käpt’n Hendrix war gesetzt, aber den jungen und hochbegabten Elias Arden als defensiven Sechser aufzustellen (was er sonst nie spielt), war mindestens mutig. Dazu Jomaine Consbruch, mit dem der Ergebene immer noch nicht viel anfangen kann.
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Lasse Rieß (TW); Tim Oberdorf und Felix Meiser (31. Dominique Heintz) (IV), Zimbo Zimmermann (58. Sascha Risch) und Steven van der Sloot (AV); Elias Arden (65. Philipp Förster), Jomaine Consbruch (46. Anas Slimani), Jorrit Hendrix und Jordi Paulina (46. Andreas Müller) (Mittelfeld); Eric Hottmann und Fabian Schleusener (Sturm).
Weil aber sowohl Hendrix als auch Consbruch, die qua Jobbeschreibung für den Antrieb des offensiven Spiels zuständig waren, nix, aber auch gar nix lieferten, fand F95 über weite Strecken der Begegnung offensiv nicht statt. Was Herrn Ende dazu getrieben hat, ausgerechnet gegen die flinken, konterstarken Junghoppis DREI Stürmer (Jordi Paulina, Fabian Schleusener und Eric Hottmann) aufzubieten, müsste er bei Gelegenheit auch mal erklären. Immerhin: Tim Oberdorf wird von Spiel zu Spiel besser (solider), und Felix Meisner machte bis zu seiner bösen Verletzung ein prima Spiel als IV. Mit Lasse Rieß als Keeper Nr. 1 kann sich der Ergebene immer weniger anfreunden. Okay, was die fußballerischen Qualitäten eines Torwärters angeht, sind wir natürlich von Flo Kastenmeier verwöhnt, aber Rieß kann in dieser Hinsicht gar nichts. Dazu seine Unsicherheiten bei Strafraumszenen. Muss er spielen, weil er Leihgabe eines Erstligisten ist? Wo wir doch in Louis Lord einen jungen Torhüter haben, der bei seinen Einsätzen in der Vorbereitung rundum überzeugt hat und zuvor bei Aue sogar den ewigen Männel verdrängt hat.
Auch die U23 der Hoppelheimer hat einen massiven Umbruch hinter sich und mit dem unkaputtbaren Klaus Gjasula (36) einen alten Sack an Bord, der mehr als doppelt so alt ist wie der kommende Stürmerstar Jakov Dedic (16), ein Bube im Körper eines ausgewachsenen Kämpfers. Ansonsten rennt da viel junges Gemüse herum, die alle darauf hoffen, in vier, fünf Jahren für paar Mijönchen pro Jahr in der Premier League anzutreten, also vorher nach einer Saison bei der TSG über Bayern München zu Stars zu werden. Wer deren Treiben „unbekümmert“ nennt, hat die Marktmechanik nicht verstanden. Und wegen dieser vorhersehbaren Dinge ist der Ergebene der Überzeugung, dass Zweitvertretungen von Erstligaclubs (insbesondere natürlich der reichen) in der dritten Liga nichts zu suchen haben … selbst wenn sie da nur Punktelieferanten wären.
Nebenbei ein kleiner Tipp: Die gern „Live-Daten“ genannten Statistiken, die auf den Aufzeichnungen der Sensoren basieren, die Spieler in ihrem BH tragen, sind für Partien der dritten Liga zuverlässig und kostenlos nur bei Sofascore zu finden – leider nie während des Spiels, selten sofort nach Abpfiff, manchmal gar nicht. Außerdem auch bei verschiedenen dieser verschissenen Sportwettenanbieter, die der Ergebene aus tiefster Seele verabscheut.
Bei den Werten für dieses Spiel sticht einer heraus: Die vor langen Zeit mal glorreiche Fortuna kommt auf ein Passquote von 73,6 Prozent. Darüber meditieren wir jetzt mal ein bisschen. Werte unter 80 Prozent gelten als Vollversagen. Tatsächlich häuften sich in den 96 Minuten absurdeste Fehlpässe, von denen einer zum 2:0 für die Gäste in der 52. Minute führte. Leider war es Elias Arden, der die Verantwortung für diese Gegenbude zu schultern hat. Ob er deswegen in der 65. Minute gegen Philipp Förster ausgetauscht wurde? Eher nicht. Statistisch nicht so auffällig, wie wenig WICHTIGE Zweikämpfe die Fortunen gewann, wie selten sie einen zweiten Ball erobern konnten, denn die Zweikampfquote war mit 55 Prozent okay. Überhaupt waren die Jungs in Rotweiß weniger chancenlos, als es den Anschein hatte; immerhin kamen sie auf einen xGoals-Wert von 1,90. Das deckt sich auch mit den menschlichen Beobachtungen des Ergebenen, der auf sieben erfolgversprechende Torschüsse kam.
Pechvogel des Tages war Felix Meiser, der als IV neben Tim Oberdorf ziemlich ordentlich arbeitete und sich in der 31. Minute verletzte. Nach einer mutigen und erfolgreichen Grätsche im eigenen Sechzehner landete der Felix unglücklich auf dem Außenrist, krümmte sich vor Schmerzen und rieb sich das Knie. Der Ergebene ahnt, was passiert ist, denn er hat sich vor Jahren beim Badminton mit einem ähnlich Unfall das rechte Knie zerstört. Doc Blecker und Co. mussten Meiser abführen, der später an Gehhilfen das Stadion verließ – hoffentlich nur eine Bänderdehnung, kein Riss.
Leider spielte auch dieses Mal der Schiri eine entscheidende Rolle. Einmal, als er Käpt’n Hendrix in der 79. Minute zu Recht des Feldes verwies, nachdem der versucht hatte, den fast frei auf Rießens Kasten zustürmenden TSGler wegzugrätschen, aber viel zu spät kam, was zur Bewertung der Situation als Notbremse führte. Beim zweiten Mal lag der Referee volle Kanne daneben. Dazu muss der Ergebene aus dem Gedächtnis zitieren, denn in der Dritten Liga sind die diversen Live-Ticker (sogar die RP spart hier Personal) so ausgedünnt, dass selbst solche Situationen nicht beschrieben werden. Jedenfalls wird der schon fast frei auf den Gästetormann laufenden Fabian Schleusener in der 88. Minute nach Betreten des Strafraums per Zupfer aus dem Tritt gebracht. Ganz klar: Rote Karte für den Verteidiger plus Elfmeter. Okay, dann wäre vielleicht der Anschlusstreffer gefallen, aber F95 hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal ein Unentschieden erreicht.
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Womit wir bei den Gegentreffern sind, die viel über den gestrigen Zustand des F95-Teams aussagen. Das 0:1 fiel in der dritten Minute aus einem Kollektivgestocher knapp außerhalb des Fünfers. Eine feine Flanke war von links hineingeflogen und erreichte Steven van der Sloot, der das Ding nicht kontrolliert kriegt. Aber auch die Herren Oberdorf, Meiser und Zimmermann, die dicht um den späteren Torschützen und einen anderen Blauen stehen, bekommen die Pille nicht weg. Das letzte Stochern führt dann zur Hütte für die TSG. Mit ein bisschen Dusel hätte Lasse Rieß noch halten können, aber das war komischerweise zu weit weg.
Das 0:2 in der 52. Minute. Elias Arden versemmelt einen Rückpass. Der ungeplante blaue Empfänger geht ein paar Schritte und haut dann aus gut 20 Metern drauf. Lasse Rieß hat Glück, weil das Ei an den linken Pfosten geht. Von da aus springt es zurück auf den völlig ungedeckten Dedic, der das Ding mühelos in die Maschen schweißt. Genauer betrachtet standen außer ihm noch zwei weitere Hoppelheinis frei in Strafraumnähe. Auslöser war aber eben einer dieser völlig bescheuerten Rückpässe, die mehrere F95-Kollegen regelmäßig und ratlos schlugen und damit die eigene Kiste in Gefahr brachten. Man muss aber auch sagen, dass die Junghopper durchgehend ein enorm hohes und aggressives Pressing spielten und – wie es heute so schön heißt – die Räume zustellten.
Als einziges Mittel dagegen fiel den Hausherren das üblich Langholz ein. Spielverlagerung mittels Diagonalpässe fand überhaupt nicht statt, sodass die Gäste auch dann alles unter Kontrolle hatten, wenn sie sich hinter die Mittellinie zurückziehen mussten. Dass es gerade in Hälfte 2 zu immerhin elf Torschüssen und einem halben Dutzend Ecken für uns kam, war wieder einmal dem eingewechselten Anas Slimani zu verdanken und dem unermüdlichen Eric Hottmann. Außerdem machte Neuzugang Andreas Müller auf den Ergebenen einen gute Eindruck – besonders angesichts der Tatsache, dass er nur ein paar Tage an Bord ist. Der versuchte das Spiel mit Handzeichen und Zurufen zu orchestrieren – eine Aufgabe, die eigentlich Jorrit Hendrix zusteht, der aber bis zu seinem Platzverweis dermaßen von der Rolle war.
Vieles wurde besser ab Minute 46, einige Chancen wurden dumm verstolpert oder in den Himmel geschickt, so richtig nah am Anschlusstreffer waren die Fortunen nicht wirklich. Dass zudem die Kampfbereitschaft einiger Mitspieler zu wünschen übrigließ, machte den Trainer nach dem Spiel wütend, sodass er – entgegen seiner Gewohnheit – einen Gesprächskreis auf dem Rasen einberief und seine Untertanen gehörig ausschimpfte. Was er dazu dann später den Medien dazu erzählte, war wieder dieses neumodische Trainergeblubber, das kein Fan mehr hören mag.
Apropos: Erstes Heimspiel in der dritten Liga vor 27.400 Zuschauenden, darunter vier bis fünf TSG-Schlachtenbummler machten eine ordentliche Kulisse. Die Süd war bis kurz vor Schluss lautstark und konzentriert, während einige Kunden schon während der ersten Halbzeit und mit dem Pausenpfiff meinten, die eigenen Spieler auspfeifen zu müssen. Ja, genau, das hilft. Nachdem aber immer deutlich wurde, dass es kein Aufbäumen der Rotweißen geben würde, flüchtete sich die Süd in Zynismus und sang zum Abpfiff „Oh, wie ist das schön“. Um dem Frust die Krone aufzusetzen, schickte der Vorsänger, die wie üblich näher ran wollten, einfach weg. Wenn diese Verbindung zwischen Kickern und Supportern bricht, dann aber gute Nacht, Marie…
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Sicher nicht vernünftig, die Schuld an der deprimierenden Niederlage komplett dem Trainer anzulasten. Der Ergebene hat allerdings den Eindruck, dass dessen Sturheit, dessen mangelnde Selbstkritik neben den unnötigen Aufstellungs- und Taktikexperimenten negativ auf die Spieler wirkt. Das ist deshalb so schlimm, weil der Kader in der Vorbereitung viel weiter war. Nun ist es eine Aufgabe des Cheftrainers, die Spieler besser und die jeweilige Mannschaft sicherer zu machen. Das bekommt Alexander Ende momentan überhaupt nicht hin. Nachfragen bei Menschen, die sich mit seiner Zeit beim SC Verl und Preußen Münster auskennen, scheint das alles zu seinem Wesen, seinem Charakter zu gehören. Ist das wirklich so, dann wird er nur dann F95-Coach bleiben können, wenn er das Team zu Erfolgen bringt.
Das Pokalspiel gegen den SC Freiburg wird schon als Test taugen; wenn die Jungs auf dem Platz Mut und Willen zeigen und die Sache Spaß machte (auch bei einer Niederlage), wird’s wieder ein bisschen rosiger. Verkackt die Fortuna aber auch das Heimspiel gegen Stuttgart II, muss trotz aller Bedenken über eine Trainerentlassung nachgedacht werden. Dann käme vielleicht Jens Langeneke als Interimstrainer und könnte sich mit guten Leistungen für den Job als Chefcoach bewerben. Aber so weit sind wir noch nicht.
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