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F95 vs Duisburg 2:1 – Wenn Spieler auf Emotionen surfen

Vor fast 50.000 Zuschauenden gewann die Fortuna gegen den MSV nach 0:1-Rückstand durch zwei Tore der dafür vorgesehenen Knipser.

Bericht · Das Ganze war doch vom Bekanntwerden der Terminierung an bis weit nach dem Abpfiff eine hochemotionale Angelegenheit. Was den Ergebenen so ein ganz kleines bisschen gewundert hat, denn wenn er an das denkt, was man gemeinhin unter dem Begriff „Derby“ führt, fallen ihm die Streifenesel nicht auf Anhieb ein. Aufgeladen war die Partie vermutlich eher aus zwei Gründen: Dass die Duisburger mit einem gehörigen Schuss Hochmut in die Arena kamen (und deren Trainer nach dem Spiel genau diese Haltung zeigte – von wegen „billiger Sieg“) und dass es so lange her war, das wir gegen den MSV antreten mussten. Apropos: Billiger Sieg? Welche Sorten Sieg gibt es denn? Souveräne, glanzvolle Siege, dreckige und Arbeitssiege? Der Ergebene kann sich nicht so richtig festlegen, wie er dieses 2:1 gegen den Tabellenführer nennen soll. Aufregend war es und am Ende schön. [Lesezeit ca. 10 min]

F95 vs Duisburg: Der MSV parkt den Bus im Gang (Foto: FP)
F95 vs Duisburg: Der MSV parkt den Bus im Gang (Foto: FP)

Und deshalb vielleicht so emotional, weil es schon so lange her ist, dass eine F95-Mannschaft uns solche Gefühle geschenkt hat. Jedenfalls hatte euer ergebener Beobachter spätestens nach dem Ausgleich einen viel zu hohen Puls und beim indirekten Freistoß im Fortuna-Strafraum in der 97. Minute ein wenig Atemnot. Und bevor hier noch irgendwer von einem billigen oder glücklichen Sieg faselt: Die drei Punkte waren verdient, sicher nicht HOCH verdient, aber doch das angemessene Ergebnis aufgrund der gezeigten Leistungen. Wobei der Ergebene im Vorbericht schon darauf hingewiesen hat, man solle die Streifenesel nicht überschätzen, nur weil sie nach vier Siegen gegen Leichtgewichte der Liga Tabellenführer sind. Irgendwas besonders Tolles hat er jedenfalls in den 98 Minuten von den Blauweißen nicht gesehen.

 

Und wie immer im Fußball: Die Sache hätte auch ganz anderes ausgehen können. Zum Beispiel deutlich höher für F95, denn Anas Slimani hätte vor der Pause allein schon für drei Treffer sorgen können. Hätte der MSVler seinen Konter später gut gefahren und eingenetzt, wäre es mit 3:1 ins Arenauntergeschoss gegangen. Andererseits: Hätte der andere MSVler den zweiten Konter in der zweiten Halbzeit reingemacht, wären die Duisburger vielleicht 2:0 in Führung gegangen. Wer, weiß, ob unsere Jungs das Ding dann noch umgebogen hätten. Insofern war es – wie vorhergesagt – ein Derby der Möglichkeiten.

F95 vs Duisburg: Wir können alles (Foto: FP)
F95 vs Duisburg: Wir können alles (Foto: FP)

Fast 50.000 Menschen waren dabei, wie nicht anders zu erwarten mehr als ein Drittel davon aus Schimanski-Town. Und beide Fanlager hatten Großes zu bieten. Das vom MSV mit einem blocküberspannenden Banner, dessen Botschaft „Der Abschaum aus der Nachbarstadt“ von einer intelligenten Selbstironie geprägt war und auf die Images der beiden Orte anspielte. Ernster dagegen die Riesenchoreo auf Düsseldorfer Seite: „Wir sind Fortuna – wir können alles“, ein Spruch, der vor ungefähr hundert Jahren von Frieder Feldmann geprägt wurde und begleitend zur Partie auch auf einem T-Shirt zu kaufen war. Den Auftakt machten die Anhänger:innen der Streifenesel, die beim Betreten des Blocks eine Handvoll Böller zündeten und Fackeln abbrannten. Da stand noch zu befürchten, dass sie irgendwann anfangen würden, Blöcke mit harmlosen Leuten mit Raketen zu beschießen, wie sie das ja schon mehrfach getan haben. Aber, die Sache blieb friedlich. Ein paar MSV-Ultras, die versuchten, in zivil zum F95-Block vorzudringen – womöglich im Rahmen einer Fahnenklau-Aktion-, konnten gestellt und mit ein paar Ohrfeigen vertrieben werden.

Ansonsten brodelte es beinahe durchgängig in den Blöcken mit den aktiven Fans. Und den Düsseldorfer Ultras gelang es mehrfach, die Stümmung auf die Sitzplätze überschwappen zu lassen. So entstand eine Atmosphäre, die der zweiten oder eher noch der ersten Liga würdig gewesen wäre. Und wenn man dann liest, dass bei der Partie Hoppelheim gegen Stuttgart kaum 17.000 TSG-Hörige anwesend waren, kann man die grandiose Kulisse erst so richtig einschätzen. Spielerisch gab erst der Ausgleich in der 68. Minute Anlass für ausufernde Emotionen. Da hatte Fabian Schleusener die Pille gerade ins Duisburger Gehäuse gestochert, und da war dann auf der Süd auch ganz viel Bier in der Luft. Wenn die Freudetrunkenen beim Bierduschen wenigstens die Becher in den Händen behalten würden, gäbe es auch keine Verletzten in den unteren Bereichen der Blöcke.

Die Aufstellung:
Louis Lord (TW); Tim Oberdorf und Elias Egouli (IV), Zimbo Zimmermann (66. Steven van der Sloot) und Sascha Risch (66. Eric Wekesser) (AV); Andreas Müller, Yassine Bouchama, Andreas Müller, und Philipp Förster (66. Eric Hottmann) (Mittelfeld); Anas Slimani (76. Jomaine Consbruch) und Fabian Schleusener (89. Lukas Bornschein) (Sturm).

 

Dass es auch die berichtenden Portale in der dritten Liga mit den Infos nicht genau nehmen, zeigte sich bei den Startaufstellungen. Die sahen – zwischen Kicker, Sofascore und Onefootball – teils so aus, als habe eine KI halluziniert. Es kann doch zudem nicht so schwer sein, die Namen der F95-Kicker dabei rautenförmig anzuordnen, denn Chefcoach Alex Ende lässt praktisch nie ohne das Dings in der Mitte antreten. Erleichterung machte sich breit, dass Ende auf Marcel Benger verzichtet hatte, seinen Lieblingsschüler. Und überraschend war vor allem, dass er den quirligen Anas Slimani als zweite Spitze neben Fabian Schleusener positioniert hatte, eine ganz neue Variante. Geschuldet war diese Volte vermutlich der Tatsache, dass der Trainer a) unbedingt die vielversprechende Mittelfeldachse aus Andreas Müller auf der Sechs und Philipp Förster auf der Zehn haben wollte und Käpt’n Hendrix auf seine angestammte Position am linken Rand der Raute. Dazu passend kam Yassine Bouchama gegenüberliegend zum Einsatz.

F95 vs Duisburg: Schiri moderiert Stress weg (Foto: FP)
F95 vs Duisburg: Schiri moderiert Stress weg (Foto: FP)

Während das IV-Tandem mit Tim Oberdorf und Elias Egouli wie immer stand, bekam dieses Mal Sascha Risch auf links den Vorzug vor Eric Wekesser, der ihn ab der 66. Minute ablöste. Wie meistens durfte Zimbo Zimmermann starten; Steven van der Sloot kam zum selben Zeitpunkt für ihn. Es scheint, als bilde sich tatsächlich eine Startelf mit programmierten Wechseln heraus. Und das gäbe Coach Ende Recht, der immer wieder darauf hinweist, dass ein Kader, der erst seit drei Wochen feststeht, Zeit braucht, um sich zu formen. Freuen durfte sich der Alex nicht nur über den Sieg, sondern auch darauf, dass die Jungs beginnen, den von ihm beschworenen One-Touch-Fußball zu spielen. Leider auch in der ideenlose Phase nach dem 0:1, in der sie mit den schnellen Pässen vor allem hintenrum agierten.

Ein Riesenmangel bleibt aber, und der hat seine Ursache im Ende’schen System: das Spiel über die Flügel findet zu selten statt. Dabei ist es doch eine Binse in der aktuellen Fußballtaktik, dass du Partien nicht durch die Mitte gewinnst. Nur wenn die beiden Außen in der Raute auch außen arbeiten und nicht dauernd in die Mitte ziehen, entsteht dieses probate Mittel. Aber weder Käpt’n Hendrix noch Yassine Bouchama zieht es an die Außenlinien. Weil außerdem unerklärlicherweise auf weite Diagonalpässe komplett verzichtet wurde, konnten die Fortunen die teils mit Fünferkette, auf Konter lauernden Duisburger nie so richtig auseinanderziehen. Ergo: Das erste Tor fiel aufgrund einer guten Boxbesetzung, das zweite nach einem Konter.

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Wie gut die Idee war, Anas Slimai, ausgestattet mit der Portion Narrenfreiheit, die zum 19-Jährigen prima passt, in die Spitze zu holen, zeigte sich schon in der 9. Minute. Die Fortuna hatte von Beginn an auf Druck gesetzt, ohne irgendwelche Risiken einzugehen. Jetzt flankt Zimbo aus vollem Lauf in den MSV-Sechzehner, wo sich Anas freigelaufen hat. Er kriegt das Ei etwa neun Meter vor dem Tor auf den Kopf, nickt, aber nicht kräftig genug, sodass der Keeper problemlos halten kann. Das als erste Chance in einer Phase, in der es der Fortuna vor allem um Spielkontrolle geht. Einmal kommt der MSV in Lords Nähe, aber der potenzielle Schütze begeht ein Offensivfoul. Apropos: Wenn die Strichliste des Ergebenen nicht lügt, bot Schiri Patrick Schwengers eine fast fehlerfreie Vorstellung und fand – was man dank der Übertragungen der an ihm befestigten sogenannten „Ref-Cam“ belegen kann – genau den richtigen Ton im Umgang mit den Recken.

Und dann die 30. Minute. Schleusener auf Förster, der perfekt in den Sechzehner auf den erneut völlig freien Slimani. Der hat das fast leere Tor vor sich – und schießt links vorbei. Sein Fehler, meinte einer der Experten im 41er: er hat geschossen, dabei hätte er die Kugel nur mit dem Innenrist einschieben müssen. Tja, ist eben kein gelernter Knipser wie Fabian Schleusener. Das war ein Hundertprozenter, der uns die verdiente Führung hätte bringen müssen. Nur eine Minute später tanzt Anas Slimani seinen Verteidiger aus und ballert aus relativ spitzem Winkel auf den Kasten – der MSV-Schlussmann pariert glänzend.

F95 vs Duisburg: Torjubel nach dem Ausgleich (Foto: FP)
F95 vs Duisburg: Torjubel nach dem Ausgleich (Foto: FP)

MSV-Chancen bis dahin: Null. Erst in der 41. Minute kriegt die hochgelobte Offensiv mal eine Chance hin. Andreas Müller kriegt eine Flanke nicht geklärt, ein Streifenesel leitet weiter, und der Remmert (vor dem der Ergebene im Vorbericht gewarnt hatte) köpft aufs Tor. Louis Lord darf zum ersten Mal zeigen, was er kann. Anekdote am Rand: Ein Nachbar, der nicht so oft zur Fortuna geht und sich die Spieler nicht merken kann, meinte nach dem Spiel: Haben wir jetzt einen 15-Jährigen im Tor? Ja, der Louis, der Lord, der sieht wirklich noch sehr, sehr jung aus.

Mit dem 0:0 zur Pause war die Gemeinde einigermaßen zufrieden, ohne auch nur Spuren von Euphorie zu zeigen. Einig war man sich im 41er, dass die Streifenesel doch wohl eher Papiertiger sind, und fragte sich, wie schwach Meppen, Verl, Würzburg und Regensburg sein müssen, dass sie sich von den haben abfieseln lassen. Der Ergebene meint: Andersrum wird ein Schuh daraus: Der aktuelle Fortuna-Kader ist potenziell eine Spitzenmannschaft der dritten Liga – ob das stimmt, wird man am Dienstag nach dem Auswärtsspiel in Regensburg besser beurteilen können.

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Was wäre das Leben für F95-Fans, wenn es nicht immer wieder diese Schockmomente gäbe? Direkt nach dem Wideranpfiff geht es für den MSV auf dem eigenen rechten Flügel schnell. Die Fortuna erscheint noch unsortiert. Der Stürmer, für den Egouli zuständig ist, hat keine Mühe ihn zu umgehen. Eli bleibt am Ballführenden dran, obwohl der schon einen Gegenspieler hat. Müller pennt in der Zentrale und geht dem nun schon fast in den Sechzehner eindringenden MSVler nicht entgegen. Oberdorf schafft es nicht, die scharfe Hereingabe wegzudreschen, und der mit nach hinten gerannte Schleusener läuft hinter dem Torschützen und nicht vor ihm. Lord hat keine Abwehrchance – 1:0 für den MSV. Wie ein Eimer kaltes Wasser ins Gesicht. Muss es denn immer wieder so gehen? fragten sich viele F95-Fans, die schon länger dabei sind. Nein, die Bude geht nicht aufs Konto eines Versagers, gleich vier Fortunen haben in dieser Situation falsch gehandelt. Als ob sie noch halb in der Kabine hockten …

Zwei MSV-Chancen, ein Tor – deprimierend. Und die folgenden rund zwanzig Minuten vertieften die Depression noch. Die Streifenesel räumten das Feld und überließen unseren Jungs zwei Drittel der Wiese. Da machste mit Quergeschiebe nichts. Ja, Ballbesitz und Spielkontrolle – am Arsch, wenn dabei keine Chancen entstehen. Einziges Highlight dieser Episode: Der Disput zwischen Schleusener und Coskun, den der Referee locker wegmoderiert; der MSV-Fuzzis behauptete, Fabian habe ihn angespuckt – billiger Versuch, unseren Knipser zu einer körperlichen Reaktion zu provozieren. Übrigens war dies die absolut einzige unfaire Aktion im gesamten Spiel – viel fairer kann man in der dritten Liga kaum spielen. Und dass die Akteure kein bisschen hitzig wurden, führte wohl auch dazu, dass es zwischen den Fanblöcken friedlich blieb.

F95 vs Duisburg: Die schicke Choreo (Screenshot:Sky)
F95 vs Duisburg: Die schicke Choreo (Screenshot:Sky)

Nicht die Fortuna hatte die nächste Chance, der MSV war es. Dieser Remmert schlägt einen atemberaubenden Konterpass aus dem Fußgelenk auf den Kollegen, der bereits durchgestartet ist und nur noch Andreas Müller und Sascha Risch als Begleiter hat, die er perfekt abschirmt, sodass er frei zum Schuss kommt. Da hätte Louis Lord wenig machen können, aber der Duisburger schießt daneben. Puuuh … Ob die Fortuna nach einem 0:2 noch zurückgekommen wäre?

Die Wut in Schleusener wächst, sodass er sich eine Gelbe zieht. Aber dieses starke Gefühl nach dem Motto „Das kann doch wohl nicht wahr sein!“ erfasst auch seine Kollegen (also nicht alle, die emotionsarmen Jungs kennen wir ja …). Und dann ordnet Alex Ende in der 66. Minute einen Dreierwechsel an, der alles verändert. Mit Steven van der Sloot (für Zimbo) kommt mehr Speed auf den rechten Flügel. Eric Wekesser auf der linken AV-Position hat auch mehr Offensivdrang als sein Vorgänger (Risch). Vor allem kommt ein bis zum Anschlag geladener Eric Hottmann aufs Feld, der Mann, von dem der Ergebene sehr viel hält und dem er so wünscht, endlich Tore zu machen, mehr Tore, viele Tore. Philipp Förster geht nach einer vielversprechenden Vorstellung, und Anas Slimani wechselt auf die Zehn.

F95 vs Duisburg: F95-Spieler vor dem Block (Foto: FP)
F95 vs Duisburg: F95-Spieler vor dem Block (Foto: FP)

Nein, der Ausgleich zwei Minuten später ist kein direktes Ergebnis der Wechsel, auch wenn zwei Neue daran beteiligt sind. Steven van der Sloot produziert, etwa auf Höhe des Elfmeterpunktes, einen weiten Einwurf. Eric Hottmann steigt am höchsten auf und leitet mit der Birne weiter auf Eric Wekesser. Der versucht zu schießen, rutscht aber weg. Der Ball kullert von Tim Oberdorf oder einem MSV-Verteidiger (das war nicht deutlich zu sehen) zu Fabian Schleusener, der nicht zögert, sondern das Ei mit gestrecktem Bein in die Bude schiebt. Das haben sich die Duisburger mit ihrer Passivität selbst eingebrockt. Und toll, dass die Fortunen mit sechs Mann im gegnerischen Strafraum zu finden waren.

Ein bisschen mehr tun die Streifenesel in der Folge schon. Aber es zeigt sich wieder, dass sie nur ungern das Spiel machen. Viel fiel ihnen nicht ein, und die Fortuna zog wieder das Heft der Aktivitäten an sich. Zwanzig Minuten lang kämpfen beide Teams um jeden Millimeter. Ernsthafte Chancen entstanden nicht. Der MSV rückte immer weiter vor. Und dann passierte, was in solchen Situationen gern mal passiert. Beim Versuch, den Spielaufbau zu verlagern, misslingt dem Duisburger Coskun ein Querpass, Eric Hottmann geht dazwischen, übernimmt die Pille und tankt sich voran – wenn auf jemanden dieses Verb passt, dann auf ihn. Es ist die 86. Minute. Von der Strafraumkante zieht er ab. Der Ball passt genau neben den langen Pfosten ins Gehäuse. Siegtor!

Halt, so weit sind wir noch nicht. Denn neben den vier Minuten Restspielzeit war mit einer Nachspielzeit von um die sechs Minuten zu rechnen, und was blieb dem MSV anderes übrig, als jetzt All-in zu gehen? Für unsere Jungs geht’s nur noch ums Mauern und Abblocken. Besonders kreativ sind die Versuche der Duisburger, das Remis zu holen, nicht. Mit neun Mann im Strafraum halten die Fortunen dagegen. Bis zur 97. Minute. Louis Lord hat den Ball und will Zeit schinden, vielleicht sogar bis zum Abpfiff. Er steht an der Kante vom Sechzehner … und hat übersehen, dass hinter ihm ein Duisburger lauert. Er legt den Ball hin, um abzuschlagen, spürt dann den Atem des Gegners im Nacken und wirft sich auf die Kugel. Das darf ein Torwart nicht, den Ball zweimal aufnehmen, folgerichtig entscheidet Schiedsrichter Schwengers auf indirekten Freistoß.

F95 vs Duisburg: Indirekter Freistoß im eigenen Strafraum (Foto: FP)
F95 vs Duisburg: Indirekter Freistoß im eigenen Strafraum (Foto: FP)

Die Mauer steht, Lord lauert, ein MSV-Mann schießt. Durch die Mauer, aber genau auf unseren Louis. Der hält natürlich. Und das war’s dann. Fortuna Düsseldorf, Tabellensechzehnter, schlägt den MSV Duisburg, Tabellenführer, mit 2:1. Derbysieg. Eine Emotionskirmes. Erschöpfung auf den Rängen. Freude, Glücksgefühle. Begeisterung. Und wenn der Käpt’n und auch der Fabian Schleusener hinterher betonen, wie wichtig der Support der Fans war, dann kann man ahnen, wie sehr sie auf der Welle dieser Emotionen gesurft sind.

Wenn diese Fortuna weiter so auftritt und sich taktisch und spielerisch womöglich noch steigert, vor welchem Gegner muss das Team dann noch Angst haben? Vor dem Jahn aus Regensburg, der außer einem merkwürdigen 5:1 bei der Viktoria K*** nichts zu bieten hat? Vor der Alemannia aus Aachen, die bei der falschen Fortuna auch nicht über ein 1:1 hinausgekommen ist und zuhause gegen Meppen mit 0:3 verloren hat? Wohl kaum. Was bedeutet, dass für die glorreiche Fortuna zwei Auswärtssiege in einer Woche möglich sind. Der Ergebene sagt bewusst „möglich“, nicht „wahrscheinlich“, um gar nicht erst Hybris aufkommen zu lassen.

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9 Kommentare zu „F95 vs Duisburg 2:1 – Wenn Spieler auf Emotionen surfen“

  • Alexa Dufke

    ERGEBENER und Anhänger der Fortuna, seid gegrüßt!

    Ich konnte es am Donnerstagmorgen einfach nicht glauben, was mir mein Galaxy präsentierte. Am gestrigen Abend überraschte die Fortuna mit einem klaren Sieg. Moment? Waren das etwa Fake-News? Oder wurde das Spiel gekauft – manipuliert? Gerne geistern abstruse Thesen als Verschwörungstheorien durch die sozialen Medien, allerdings war dieses Ergebnis gar nicht mal so unmöglich. Es waren nämlich nicht die übermächtigen Bayern aus München, die vom Platz gefegt wurden, sondern eine Landesligaelf aus Bocholt-Biemenhorst. Aber das wisst ihr doch längst alle schon. Das erzähl ich nur, um den Bogen von Biemenhorst zu Horst Schimanski zu spannen, und Schimi führt uns zum MSV Duisburg, der am Sonnabend bei der Fortuna anzutanzen hatte.

    Rückblick: Letzten Sonntag reagierte CDU-Chef Merz spätabends schockiert über das Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Fast zur selben Uhrzeit reagierten ebenfalls die Düsseldorfer Fans schockiert auf die Spielweise ihrer Fortuna beim Namensvetter aus Köln. Neues Spiel, neues Glück! Die Zebras waren ausgebüxt und machten sich in der Spielarena breit. Und wir waren da, mein Partner und ich. Nicht im Stadion, nein, stattdessen in dieser Kneipe mit dem riesigen Bildschirm. Mit unter den Gästen war auch wieder der Dicke mit dem Schnäuzer, den sie letzte Woche ins Taxi getragen haben, weil er reichlich Alk intus hatte und die Schwerkraft ihm einen Streich spielte, sodass man ihn dauernd vom Boden aufheben musste.

    Als der Typ mich registrierte, grüßte er freundlich und es schien, dass er noch relativ nüchtern war, obwohl sein Gesicht auffällig rot gewesen ist. Dass er sich an mich erinnern konnte, lag wahrscheinlich an meinem gewagten Outfit, welches ich zum Spiel gegen Köln angezogen hatte. Diesmal trug der Dicke kein Fortunatrikot, dafür aber ich (Geschenk des Partners – geht doch!). Das blaue Sondertrikot übrigens, mit dem Namen des Sponsors vorne drauf, einem Geldinstitut, welches für Rückenwind sorgt, auf den allerdings der unterstützte Verein bereits seit Saisonstart vergeblich wartet. Außerdem hielt ich mir diesmal mit einer langen schwarzen Hose die Beine bedeckt. Das Dickerchen heißt übrigens Eddie, das habe ich zufällig aufgeschnappt, und scheint ein Stammkunde in diesem Lokal zu sein.

    Der Duisburger Coach heißt Dietmar Hirsch – flächendeckend hat er seine Ärmchen tätowieren lassen. Ein Hirsch trainiert die Zebras, soso. Im Alltagsgebrauch werden weibliche Hirsche oft fälschlicherweise als Rehe bezeichnet. Das Weibchen des Hirsches wird jedoch Hirschkuh genannt. Das Reh ist eine Hirschart, und Rehbock nennt man das männliche Tier. Nur für die jüngeren Leser hier im Blog erzähle ich das. Die jetzt herausgegebene Pisa-Studie war erneut alarmierend und sorgt nicht nur bei Lehrern für Kopfzerbrechen. Ebenso sorgte bislang die Spielweise der Fortuna bei ihren Fans für manch schlaflose Nacht. Dabei kann das alles leicht schön geredet werden. Beispiel: Der Zuschauer kann sich bei einem Fortunaspiel auf ein Potpourri aus einfallsreichem Standfußball, zauberhaften Fehlschüssen und eleganten Rückpässen zum Torwart freuen.

    Genau. Auch die spektakulären Halbchancen, die sich alle 20 Minuten ergeben, darf man nicht vergessen. Die Zeit dazwischen bietet den Zuschauern im Stadion ausreichend Gelegenheit, sich mit Bier und Bratwurst zu versorgen, ohne dass sie wesentliche Ereignisse verpassen. Ja, die Fortuna ist berüchtigt dafür, halbe Sachen zu machen. Und ihre Anhängerschaft ist seit dem Platzsturm bei einem Relegationsspiel bundesweit dafür bekannt, Halbängste zu schüren. Das wurde damals sogar offiziell von König Otto bestätigt, hat mein Partner verraten, der mir mit seinem geballten Vereinswissen Tag und Nacht hilfreich zur Seite steht. Otto ist seit längerer Zeit nicht mehr im Amt, der Vorname des aktuellen Chefs lautet Friedrich. Gute Freunde dürfen auch Fritz zu ihm sagen, aber bis auf Söder spricht keiner ihn mehr so an. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er zum Mond geschossen wird.

    Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis letzten Sonntag werden nach und nach Stimmen laut, dass der Merz weg muss. Ist das Ende für Trainer Ende ebenfalls nahe? Zwei unterschiedliche Personen, die beide unter Autoritätsverlust und Erfolgslosigkeit leiden, mit dem Resultat: Man will sie nicht mehr haben. Moment? Wieso unterschiedliche Personen? Könnte es nicht sein, dass Alexander Ende in Wirklichkeit Bundeskanzler Friedrich Merz ist, der auf einer karibischen Insel von einem kubanischen Chirurgen eine Gesichtsoperation hat durchführen lassen? Das würde einiges erklären. Demnach ist in den Berliner Regierungsgebäuden nur ein billiger Doppelgänger von Merz unterwegs, der von allem keine Ahnung hat. Mit dieser Theorie würde sich fast alles erklären, und es blieben nur zwei Fragen übrig: Sind die Amerikaner 1969 wirklich auf dem Mond gewesen oder wurden die Aufnahmen in der Wüste von Nevada gemacht? Und hat die Fortuna 1979 in Basel tatsächlich in einem europäischen Endspiel gestanden, oder wurde die gesamte Veranstaltung mit Tausenden von Statisten lediglich auf einem Sportplatz in Mettmann akribisch inszeniert?

    Nach dem Spiel in Köln mangelte es mir an Fantasie, zu glauben, dass Fortuna jemals in einem Finale von besonderer Größe gestanden haben könnte. Denn Fortuna präsentierte in den ersten vier Begegnungen Fußball jener Art, der normalerweise auf den Bolzplätzen gespielt wird, die in jedem Dorf anzutreffen sind. Passt ja zum Namen. Daher war das Spiel von Fortuna bislang keineswegs dem Niveau einer Landeshauptstadt angemessen. Mit seinem geistigen Auge erblickte mein Partner bereits die hoffnungsvollen Anhänger von Wattenscheid, Bonner SC und RWO, die nichts mehr herbeisehnen als ein weiteres Aufeinandertreffen mit seiner Fortuna, egal in welcher Liga. Damit können sie ihr Auswärtsspiel gleich mit einem feucht-fröhlichen Bummel durch die Altstadt verbinden.

    Ich gehe davon aus, dass ihr bereits den ausführlichen Spielbericht des ERGEBENEN über die Zebra-Partie gelesen habt und somit alle wichtigen Infos darüber erhalten habt. Viele von euch werden sowieso im Stadion gewesen sein oder schauten sich das Spiel daheim oder wie ich in einem Lokal an.

    In der ersten Hälfte zeigte sich, dass der junge Slimani absolut nichts von Halbchancen hält. Vielleicht kann er mehr mit einem Halbmond anfangen. Seine marokkanischen Wurzeln könnten ihn in eine islamische Tradition hineingewachsen lassen, in der die Mondsichel ja eine besondere Bedeutung als Symbol zukommt. Ich weiß es nicht. Stattdessen zeigte sich, dass dieses Talent allerhand von Riesenchancen hält, bei denen er jedoch mindestens ein Tor hätte erzielen müssen.

    Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte machte sich in der Kneipe eine Stimmung wie bei der CDU breit. Diese änderte sich schlagartig, als der Fuchs Fabi für die Fortuna einnetzte. Nun war wieder Remmidemmi angesagt. Ab und an blickte ich zu Eddie rüber, der, manipuliert durch die Trikotwerbung der Zebras, ein Glas Alt nach dem anderen leerte. „Trink gut“, rief ich ihm in der 87. Minute zu. „Damit die Leber nicht einschläft.“

    Als ich das äußerte, bemerkte ich überhaupt nicht, dass Eric Hottmann mit einem satten Schuss die Führung erzielte. Als sich die Chance Sekunden zuvor anbahnte, wurde es im Lokal ein Stückchen lauter, bis schließlich ein kollektiver Jubel ausbrach. In dieser Zeitspanne war ich jedoch gedanklich ganz woanders. Ich war irritiert. Der Partner sprang, das Glas in der Hand haltend, vom Stuhl auf, als hätte er auf einer heißen Herdplatte gesessen. Dieser Trinkbecher war wohl mit reichlich kostbarem Gerstensaft gefüllt, das würde den anschließenden Bierregen erklären. Ich musste mich zunächst sortieren und allmählich erhob ich mich, unfassend, dass es Fortuna gelungen war, das Spiel zu drehen. Und dann passierte es! Eddie schoss wie der Blitz auf mich zu, wild schreiend vor Freude, und umarmte mich relativ unkontrolliert und deutlich zu fest. Wäre ich eine aufgeblasene Gummipuppe, hätte er mich zum Platzen gebracht.

    Glücklicherweise habe ich seine Attacke unverletzt überstanden und ich nahm ihm das nicht übel. Die letzten Minuten waren spannend wie ein Hitchcock, und niemand kam auf die Idee, irgendwelche Getränke zu bestellen. Es ging auch schlecht; selbst die Angestellten waren so gefesselt von diesem Thriller, dass alle nur auf diesen Mega-Bildschirm stierten. So wie ich bei Eddies Angriff blieb die Fortuna in den letzten Minuten unbeschadet. Als der erlösende Schlusspfiff ertönte und alles in ein Tollhaus umschlug, spendierte mir Eddie, der am meisten aus dem Häuschen war, zur Feier des Tages einen Düsseldorfer Kirsch und nutzte die Gelegenheit, um mich ein wenig vollzutexten.

    Geht doch, Fortuna! SInd die Anfangsschwierigkeiten endlich vorbei? Sitzt Trainer Ende wieder fest im Sattel? Wird die Fortuna nun, wie ein Phönix aus der Asche, in den Himmel des virtuosen Fußballs aufsteigen und sich innerhalb von zwei Jahren zurück in die Erste Liga kämpfen?

    Antworten
    • Rolf Schroeder

      Dein Kommentar hat, finde ich, schon ein gewisses literarisches Potential. Mein Wunch: Möge sich das fußballerische unserer Fortuna dem doch bitte angleichen!

      Antworten
  • Gerd Kaussen

    Ich fasse es so zusammen:
    – zu Anfang viel hätte, hätte,
    Fahradkette
    – eine zu freundliche Beschreibung
    des gegnerischen Trainers, der
    ziemlich prollig einem Türsteher
    auf St. Pauli ähnelt
    – es war endlich ein Spielsystem
    zu erkennen, auch wenn die
    Aussenpositionen weitestgehend
    ungenutzt blieben
    – es war eine Mannschaft auf dem
    Platz die, gepusht von den Fans,
    den Willen zeigte den es braucht
    um, gepaart mit spielerischer
    Klasse, die Rolle in der 3. Liga zu
    spielen die alle Fußballgrössen
    von unserer Fortuna erwarten-
    einschließlich Alexa.

    Antworten
  • Berti

    Vielen Dank für den Spielbericht. Ein kurze Frage: Ist es möglich dass Frau Dufke in Zukunft die Berichte schreibt? Vielleicht inoffiziell, also Sie schreibt die Berichte und wir denken Alle es ist der Ergebene aber in Wirklichkeit ist es Frau Dufke also so ähnlich nwie bei Merz und Ende?

    Antworten
    • Schommi

      Du hast vergessen, am Schluss die Satire zu markieren /s …

      Antworten
      • Gerd Kaussen

        Viel wichtiger ist in Regensburg und am Tivoli nachzulegen. Sonst wird Alexa sauer!

        Antworten
  • HeyDet

    Das Spiel in Regensburg ist Dienstag und nicht Mittwoch

    Antworten
  • Pingback: Regensburg vs F95 1:2 – Schritt für Schritt zum Sieg – Fortuna-Punkte

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