Aachen vs F95 1:0 – Außer Fehlern nichts gewesen
Am Samstagnachmittag verlor die Fortuna im Tivoli nach einer teils miesen Vorstellung gegen die gar nicht mal so starke Alemannia.
Bericht · Das Schöne an Auswärtsfahrten, findet der Ergebene, sind die Begegnungen mit alten Freunden und die Gespräche mit neuen Bekannten. Wobei er sich immer wieder freut, von Leser:innen angesprochen zu werden, die er noch gar nicht kannte. Zu dieser freundlichen Kommunikation gab es bei der Anreise mit dem Sonderzug, der Fahrt mit dem Shuttle-Bus und dem Warten auf den Anpfiff reichlich Gelegenheit. Interessanter noch ist es, nach dem Spiel mit Menschen, die Ahnung haben, über das Erlebte zu diskutieren. Genau wie bei Heimspielen tragen diese Debatten beim Ergebenen zum Meinungsbild bei. In dieser Hinsicht waren die Ansichten der Fans nach Abpfiff einhellig: Das war nix. [Lesezeit ca. 5 min]
Und dann mischt sich die Analyse mit der Kritik am Trainer. Der Ergebene findet es mittlerweile ziemlich doof von Alex Ende, dass er nach Niederlagen betont, wie unzufrieden er mit dem Treiben seiner Schutzbefohlenen ist. Ach so, mag man denken, der Coach hat alles richtig gemacht, das perfekte System gewählt, die passenden Kicker aufgestellt, und im Training hat er ihnen allen beigebracht, was sie dann während der Partie nicht umgesetzt haben.
Nun gut: Es ist nicht der Übungsleiter, der absurde Fehlpässe in Serie produziert und nie aufs Tor schießt. Dafür sind die Profifußballer höchstpersönlich verantwortlich. Aber es ist Aufgabe des Cheftrainers, ihnen zu ermöglichen und/oder zu erleichtern, gut zu spielen. In der Gesprächsrunde während der Rückreise herrschte Einigkeit: Diese taktische Grundordnung – das Rauten-Dings – passt nicht zum aktuellen Kader. Moment … vielleicht passt aber auch ein Trainer, der stur auf das 4-4-2 besteht, nicht zum Fußball, wie er konkret in der dritten Bundesliga gespielt wird.
Und dafür lieferten die Auswärtsbegegnungen in Regensburg und in Aachen einige Belege. Der Jahn und die Alemannia setzten von Beginn an auf hohes Pressing samt scharfem Anlaufen. Gedacht ist das dafür, dass der vermeintlich starke Gegner nicht in Ruhe und Frieden in die eigene Hälfte kommt. Der zweite Gedanken hinter diesem Spielplan: Man zwingt diesen Gegner zu Fehlern, zu Ballverlusten in der eigenen Hälfte, die man dann mit wenig Mühe zu Chancen machen kann.

Nun hat Ende selbst erklärt, was man dagegen zu tun hat (und gleichzeitig wieder kritisiert, dass seine Jungs das nicht gemacht haben): Kein Kurzpassspiel zwischen eigenem Sechzehner und Mittellinie, stattdessen entweder lange Pässe oder tiefe Läufe mit dem Ball, um hinter die hinterste Verteidigungslinie zu kommen. Gleichzeitig zwingt Alex Ende seinen Spielern aber auch diesen angeblich supermodernen One-Touch-Fußball auf. Hey, du kannst den Apfelkuchen nicht haben UND essen!
Ein bisschen überspitzt betrachtet, war der Siegtreffer der Aachener in der 12. Minute Beweis genug. Andreas Müller als defensiver Sechser produziert unter minimalem Druck einen Ballverlust kurz vor dem Strafraum. Die Alemannia nutzt den Ball, schiebt hin und her, macht Doppelpässe, und dann flankt einer von ganz links nach ganz rechts an den langen Pfosten. Der Torschütze lässt Eric Wekesser schlecht aussehen und netzt unhaltbar ein. Frage: Warum läuft Müller mit dem Ball quer am eigenen Sechzehner lang? Warum spielt er das Ei nicht direkt nach vorne – zum Beispiel nach außen? Weil er das nicht soll – laut Trainer?
Louis Lord (TW); Tim Oberdorf und Elias Egouli (IV), Zimbo Zimmermann (46. Steven van der Sloot) und Eric Wekesser (65. Lukas Bornschein) (AV); Andreas Müller, Yassine Bouchama (46. Jomaine Consbruch), Philipp Förster (46. Anas Slimani) und Jorrit Hendrix (Mittelfeld); Lukas Eixler (61. Eric Hottmann) und Fabian Schleusener (Sturm).
Auch bei der Startaufstellung und den Wechseln fragten sich halbwegs fachkundige Fans: Was haben sich Ende und die Co’s dabei gedacht? Da sagt der Trainer noch vor dem Spiel, er erwarte hohes Pressing, und dann spiegelt sich das beim Personal nicht wieder. Wir alle lieben den Eli, aber, wer sehen kann, konnte sehen, dass sich der lange Kerl in einer Formdelle befindet. Wer tiefer guckte, erkannte, dass der (speziell als Ersatz für den langfristig verletzten Felix Meiser geholte) Lukas Bornschein ziemlich gut drauf ist und sich rasch eingefügt hat. Wenn Alex Ende und seine Kollegen das Thema Belastungssteuerung ernstnehmen, hätten sie Eli Egouli eine Pause einräumen müssen.

Zweitens: Da kriegt ein Innenverteidiger, der eh bisschen wackelt, in der 17. Minute eine Na-ja-Gelbe, und der Chefcoach lässt ihn über die Halbzeit hinweg drauf. Erklärt nach der Partie, man wollte „die Wechselslots nicht zu früh nutzen, weil wir mehrere Jungs mit Fragezeichen hatten.“ Was soll denn der Quatsch? Einen vorbelasteten IV wechselt man aus. Punkt. Und dem armen Eli dann noch vorzuwerfen, er habe sich nicht an Absprachen gehalten, ist billig.
Überhaupt geht nicht nur dem Ergebenen die Sturheit und die milde Arroganz („Ich bin hier der Profi“) auf den Sack. Und wenn man mal bei Preußen-Anhänger:innen nachhört, dann bestätigen die: Ja, so war der bei uns auch. Bescheuert ist, Trainer zu entlassen, die nicht die erwarteten Punkte holen. Sinnvoll ist es, wenn das Gesamtpaket aus Spielphilosophie und Außenkommunikation nicht stimmt.
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Die erste Halbzeit war eine Katastrophe. Mit den drei Wechseln – Slimani, Consbruch und van der Sloot kamen – änderte sich die Dynamik. Natürlich, möchte man sagen, was nicht nur für die drei Eingewechselten spricht, sondern gegen die Ausgewechselten (Förster, Bouchama, Zimmermann) beziehungsweise deren Aufgaben, die ihnen zugeteilt wurden. Aber die Alemannia wurde – im Gegensatz zum Jahn am Dienstag – im Verlauf der zweiten Halbzeit nicht müde. Trotzdem, das ist die beste Nachricht dieses sonnigen Nachmittags, hatten unsere Jungs eine ordentliche Drangphase. Bis in der 61. Minute Elias Egouli völlig zu Recht die gelbrote Karte sah und vom Platz musste.

In der angedeuteten Drangphase hätte der ziemlich konfus entscheidende Schiedsrichter Oldhafer in der 54. Minute einen Elfmeter für die Fortuna geben MÜSSEN. Es gibt solche Momente, in denen ein Live-Zuschauer wie gestern der Ergebene zum richtigen Zeitpunkt genau die richtige Stelle im Blick hat – und, ja, zufällig hatte er den Fokus auf den Punkt, an dem Alemannia-Keeper Riemann den ihn anlaufenden Fabian Schleusener illegal von den Füßen holt. Dass die diversen Live-Ticker behaupten, Riemann habe den Ball gespielt, kann nur heißen: Die haben alle vom Kicker abgeschrieben.
Ob der Schütze (vermutlich Schleusern selbst) verwandelt hätte, darüber lässt sich nur mutmaßen, zumal Riemann als Elfer-Killer gilt. Und ob die Fortuna nach einem möglichen Ausgleich noch zum Sieg gekommen wäre, schmeckt nach Spekulatius.

Natürlich bekamen die Aachener nach dem Platzverweis Oberwasser, und hätte die Fortuna nicht Louis Lord, diesen richtig guten Torwart, wäre mindestens ein 2:0 noch gefallen. Die Strichliste des Ergebene kommt auf sieben (7) waschechte Paraden für den jungen Louis.
Dass die Fortuna vom Jahrgang 2026/27 Charakter hat, haben sie schon bewiesen und in Aachen einen draufgelegt. Mit einem Mann weniger und unter nicht wenig Druck der Hausherren hielten sie die Konzentration hoch und waren ab etwa der 85. Minute dann in Unterzahl dem Ausgleich näher als die Kartoffelkäfer einem zweiten Treffer. Hat aber nicht gereicht.
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Nicht dass falsche Gedanken aufkommen: Der Sieg für den TSV Alemannia war angesichts der schlimmen ersten Halbzeit absolut verdient, wobei man nicht sagen kann, dass die Aachener gut aufgetreten sind. Besser als Regensburg waren sie allemal. Aber, was heißt das schon.
Die Frage im Fortuna-Umfeld lautet: Wird Alexander Ende nach der Länderspielpause beim Heimspiel gegen Verl am 11. Oktober noch Cheftrainer sein? Der Ergebene glaubt nicht daran und ist der Ansicht, dass ein anderer Coach aus diesem Kader mit einem dessen Möglichkeiten angepassten taktischen System ein Spitzenteam der dritten Liga machen könnte.
Jetzt freut er sich erstmal tierisch auf das Niederrheinpokalspiel gegen Alstaden am Mittwoch im altehrwürdigen Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich.
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Auf den „Punkt“ Danke!
Stimme dem Ergebenen wie immer volle Lotte zu. Zudem beschwert sich Ende in gefühlt bei jeder Niederlage, dass sein Matchplan nicht umgesetzt wurde. Zum Abstieg hin noch erklärbar wegen der kurzen Zeit nach dem Trainerwechsel. Aber jetzt inklusive Vorbereitung kann es dafür keine Entschuldigungen geben. Da wäre schon die Frage berechtigt ob es ein Kommunikationsproblem zwischen Trainer und Mannschaft gibt.
Was für ein Zufall, wir haben nach dem Spiel auch mit ausgewiesenen Fussballkennern im Bus gesessen. Es waren 15 informative und interessante Minuten, die auch unsere Sichtweise des Spiel bestätigt haben.
Nur das nach der Länderspielpause ein neuer Übungsleiter am Spielfeldrand steht, daran wollen wir noch nicht so richtig glauben. Aber in 3 Wochen fließt ja bekanntlich viel Wasser den Rhein runter.
Grüße aus Frankfurt
Der Ergebene hat die Punkte bereits treffend beschrieben. Ich möchte noch anmerken: Die Mitgliederversammlung und damit die Wahl des (neuen) AR steht erst im November an. Ich vermute mal bis dahin eine „lame duck“ in unserem Verein, was nahtlos in die unglücklichen Entscheidungsketten der Verantwortlichen seit Juni 2025 passen würde. Schwache, sehr schwache Leistung gegen einen Gegner der selber unter Druck stand. Zimmermann ehrlich? nicht ein einziger Ball kommt da an. Slimani nicht von Anfang an spielen zu lassen, ist mir unverständlich, wir haben so keine 1:1 Offensiv Power. Es fehlt mir mittlerweile die Phantasie mit der Raute, dass mit diesem System … das wird nichts.
Herrn Ende haben wir ja noch dem strubbeligen Manager zu verdanken. Fand die Verpflichtung schon merkwürdig. Aufgrund der hier angesprochenen Themen fände ich einen Wechsel des Trainers für folgerichtig.
Nur glaube ich nicht daran, dass bei Fortuna mal Konsequenz Einzug hält. Wir sind auf der Ebene der Entscheider einfach nur noch bräsig geworden. Bis da etwas passiert, hecheln wir in dieser Saison schon wieder hinterher.
Unser Fußball ist derzeit überwiegend gruselig anzusehen. Mitnehmen tut mich die Truppe immer noch nicht.
Nicht zu vergessen: Mislitat hat Ende mit einem grossherzigen 3-Jahresvertrag ausgestattet. Das alleine macht die Unfähigkeit dieses sogenannten Topmanagers klar.
Treffender kann man das nicht analysieren und logischer kann die Schlussfolgerung nicht sein: wenn das Ziel weiter der anvisierte Aufstieg ist, dann muss Ende weg. Sollte sich das geändert haben und wir lieber im Abstiegskampf mitmischen wollen, dann gibt es keinen besseren Trainer. Dem Trauerspiel zuzusehen muss jedem Fortuna-Herzen schmerzen bereiten. Es war alles angerichtet und wird hoffentlich nicht wieder amateurhaft verspielt.
„Diese taktische Grundordnung – das Rauten-System – passt nicht zum aktuellen Kader? Falsch: Vielmehr passt nicht der Trainer, der stur auf 4-4-2 besteht, nicht zu dem Fußball, wie er in der 3. Liga gespielt wird.“
Voll d‘accord! Trainer Ende hat sich in Aachen wieder mal vercoacht! Itten mit 🟨 drin gelassen, müden Egouli mit 🟨 drin gelassen. Taktisch unklug (um nicht zu sagen borniert und dumm), die Mannschaft der 2.HZ wäre die bessere Startelf gewesen mit dem unberechenbaren Slimani und dem körperlich robusten Hottmann. Fortunas hohes Pressing hat ein Magenta-Reporter während des Mannheim-Spiels mal zu Recht als „halbgares Anlaufen“ bezeichnet (entweder alle oder keiner statt nur einer) – wie es richtig geht, haben die Aachener Spieler vorgemacht. So wie man den sympathischen Thioune richtigerweise nach dem verkorksten/vercoachten Bochum-Relegationsspiel hätte frühzeitig ersetzen müssen, so sollte Arabi nicht allzu lange zögern, solange einige Hochkaräter wie Steffens oder Eichner noch auf dem Trainer-Markt sind. Mit diesem borniert-arroganten Ende – das wird nichts mehr bei dem erstklassigen Spielermaterial, das Arabi an Land gezogen hat. Es braucht neue Impulse. Das verlorene Fürth-Spiel reichte eigentlich schon!
Korrektur: „Diese taktische Grundordnung – das Rauten-System – passt nicht zum aktuellen Kader? Falsch: Vielmehr passt nicht der Trainer, der stur auf 4-4-2 besteht, zu dem Fußball, wie er in der 3. Liga gespielt wird.“
Keine Ahnung was Arabi in Ende sieht. Den richtigen Trainer? Wenn das so sein sollte, dann wäre auch Arabi zu hinterfragen. Ich behaupte mal, dass sich 95% der Fortunafans gegen Ende aussprechen würden.
Ich habe nichts Persönliches gegen Ende, aber er ist nicht der Richtige.
„Fortuna bindet Arden“, schreibt der KICKER heute.
Ja, dann lasst den Startelf spielen, verdammt! Immer! Und wenn er ’ne Pause braucht, dann kriegt er die.
So einen talentierten Mittelfeldspieler mit Blick, Näschen und super Schusstechnik muss man normalerweise für 5 Mio einkaufen! Identifikationsfigur im Übrigen wie Lord und Slimani … Der wird das Versprechen einlösen, das Appelkamp eigentlich immer schuldig geblieben ist. Ansonsten die verkorkste Saison preiswert mit Jens Zu Ende (!) bringen und die Herren Zimmermann, Risch und Benger in Altersteilzeit!
Was soll man darauf noch antworten, außer den dicken Daumen hochhalten.
Gab es eigentlich mal einen Zeitpunkt in den letzten 20 Jahren, bei dem sich, mit Blick auf den Trainer, fast alle Fortunafans so einig waren? Gefühlt nie.
Genau so 👍👍👍
👍👍👍