Braunschweig vs F95 1:0 – Zweite Halbzeit voll verkackt
Nach einer guten Halbzeit ohne Tor verlor die Fortuna beim BTSV durch jede Menge Ungenauigkeiten in Hälfte 2 leider doch noch.
Bericht · Wäre die verfickte kalibrierte Linie gestern einfach ausgefallen oder hätte einen Knick gehabt, kein Linienrichter der Welt hätte das Abseitsfähnchen hochgehalten. Oder wäre Marin Ljubicic ein Füßchen weiter hinten gewesen oder der Braunschweiger bisschen mehr vorn, dann wäre die stark ersatzgeschwächte Fortuna in der 13. Minute durch ein wunderschön herausgespieltes Tor vom Ersatzknipser mit 1:0 in Führung gegangen und dadurch möglicherweise als Sieger vom Platz getrabt. Aber, was nutzt der Konjunktiv? Gar nix. So fangen sich die Roten in einer voll verkackten zweiten Halbzeit eine Bude und verlor. [Lesezeit ca. 7 min]

Wenn eines Tages die Geschichte dieser Saison geschrieben wird, wird das Wort „Verletzung“ schon in der Überschrift vorkommen. Denn gestern kam die entsprechende Liste schon vor der Busankunft auf zwölf Einträge. Und weil sich Emma Iyoha beim Warmmachen auch noch was zerrte und auch Anou El Azzouzi kurzfristig passen musste, durfte Mo Heyer an dessen Stelle ran. Fortuna-Legende Gerd Zewe gab sich in der Retematäng die Ehre und meinte nur: „Wenn Heyer spielen muss, dann sieht’s aber ganz schlecht aus mit den Verletzungen.“ Wie wahr. Im Übrigen erwies sich dieser große Fortune als sachkundiger Kommentator, der gut in die Expertenrunde passte.
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Wie schon im Vorbericht erhofft, konnte wenigstens Mukki Muslija mittun, sodass die Personalverschiebungen nicht durchgehend kompliziert wurden. Damit Klaus Sima Suso eine Position vorrücken konnte, musste Trainer Anfang Jesper Daland in die Dreierkette holen, was der Defensive nicht guttat. Weil aber Tim Oberdorf eines seiner besseren Partien lieferte und Eli Egouli bis auf ein paar Wackler ganz solide stand, brannte hinten zunächst nichts ab.
Neuzugang Marin Ljubicic war wegen Cedi Ittens Ausfall als Spitze gesetzt und kam so unerwartet früh zu seinem ersten Startelfeinsatz. Auch für ihn gilt: In der ersten Halbzeit arbeitete er ziemlich gut und hätte (siehe oben) seine neuen Farben in der 13. Minute in Führung bringen können. Komischerweise sahen alle Medienvertreter auf Düsseldorfer Seite ein sehr merkwürdiges 3-1-4-2 mit Shinta Appelkamp als zweiter Spitze neben Ljubicic und Florent Muslija auf der linken Schiene. Euer ergebener Spielbeobachter konnte eine derartige Formation nicht erkennen und würde behaupten, Muslija und Appelkamp hätten wie zuletzt im Halbfeld hinter der einzigen Spitze gespielt. Außerdem verortete er Soto Sotiris neben beziehungsweise ein bisschen mehr rechts und vor Tana Tanaka, der den defensiven Sechser gab.
Für alle Fälle und einen möglichen Kurzeinsatz oder nur als Platzhalter hatte der Cheftrainer Emma Iyoha auf den Spieltagsbogen schreiben lassen. Ansonsten saß auf der Bank, was Füße hatte. Und doch wurden es nur acht der neun möglichen Nasen: Florian Schock fürs Tor, Tim Breithaupt, Luca Raimund, Zan Celar, Jordi Paulina, Kilian Sauck und aus der Zweiten Leo Brodersen. De facto standen also nur 18 Kicker zur Verfügung. Schlimmer geht immer.
Und trotzdem traten unsere Jungs nicht an wie eine B-Elf. Ja, bis zur ominösen 13. Minute waren sie das überlegener, das mutigere Team. Nach dem nicht gegebenen Tor aber übernahmen die Braunschweiger das Ruder. Verrückt, wie schnell der neue Trainer Kornetka den Blaugelben eine andere Spielidee eingepflanzt hat. Jedenfalls spielte die Eintracht einen waschechten, eher vorsichtigen Ballbesitzfußball und setzte auf körperbetonte Action. Ja, das Spiel war hart, aber nie unfair. Das es glatt lief, dafür sorgte der gute Schiri Lechner, der eine liberale Linie fuhr und damit auch durchgehend richtig lag.

Tatsächlich auch bei seiner Entscheidung kurz nach Wiederanpfiff, als ein BTSV-Typ den langen Eli Egouli am Rand des Sechzehners umrempelte und die F95-Bank sowie weite Teile der zuguckenden Fans einen Elfmeter forderten. Euer Ergebene ist da mit Sportvorstand Mislintat einer Meinung, der anmerkte, auch er hätte die Situation laufenlassen, erstens, weil es zur erwähnten Referee-Linie passte, und zweitens, weil es eine reine Körperaktion und Berührungen an den unteren Extremitäten handelte. Immer wieder lag mal einer am Boden, aber niemand hat sich verletzt – ein gutes Zeichen für ein Spiel mit gesunder – wie man oft sagt „englischer“ – Härte.

Nach der guten Anfangsphase war dann doch zu spüren, dass die Umbesetzungen und Umstellungen den Fortunisten mehr Konzentration abforderte als in einer Partie mit eingespielter Mannschaft. Und dieser Effekt setzte sich in der zweiten Halbzeit fort. Immer mehr Fehlpässe oder Ungenauigkeiten bei der Ballannahme schlichen sich ein, Laufwege verloren sich im Nirgendwo, und manchmal sah man Spieler an Stellen, wo sie nicht hingehörten. Das traf besonders auf Jesper Daland zu, der bisweilen am rechten Ende der Dreierkette auftauchte und so Oberdorf und Egouli in die Verwirrung stürzte. Letztlich entstand der Siegtreffer für den BTSV genau in einer solchen Situation, denn ein Viertel des Feldes war frei für deren Stürmer, und genau dort hätte Daland arbeiten sollen.
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Man mag den armen Mo Heyer ja immer wieder schlechtreden, auch weil seine Verpflichtung eine Geschichte von Missverständnissen ist, aber gestern tat er, was ein routinierter Spieler tut, wenn er zu einem Notfalleinsatz gerufen wird: Er gibt sein Bestes und glänzt vor allem mit seiner Bereitschaft, die Kollegen zu unterstützen und für sie zu kämpfen. Und das tat Heyer gestern – Chapeau! Der Ergebene war im Übrigen froh, dass der Herr Breithaupt, ein Kicker, den er aus verschiedenen Gründen nie wieder in einer F95-Mannschaft sehen möchte, durchweg die Bank drücken durfte.

Auch die Braunschweiger bekamen es mit dem Abseits zu tun. Denn nur vier Minuten nach deren 1:0 in der 62. Minute klingelte es wieder in Lotkas Kasten. Zugegeben: Die Situation war so unübersichtlich, dass Schieds- und Linienrichter ohne VAR wohl im Dunkeln getappt und den Treffer anerkannt hätten. Niemand in der Retematäng hatte die Abseitsstellung, die letztlich zählte, wirklich GESEHEN, es herrschte lediglich das GEFÜHL, es hätte irgendwie ein Abseits sein können. Die Grottenolme dröselten die Sache auf, und so gab’s eben kein 2:0 für die Hausherren.
Apropos Lotka: Inzwischen kann er einem vorkommen wie ein Kastenmeier-Klone. Einerseits, weil er ganz ähnlich wie der Käpt’n am Spiel teilnimmt und auch gestern tolle Paraden ablieferte, andererseits aber, weil Lotti in der 56. Minute einen waschechten Kastenmeier-Moment kreierte, indem er ohne Not seinen Strafraum verließ und mehrere Braunschweiger mit Mühe daran hindern konnte, ihm einen einzuschenken. Und trotzdem: Was müssen wir glücklich darüber sein, einen solchen zweiten Torhüter zu haben!

Noch eine Personalie: Dem Ergebenen und einer knappen Mehrheit der Experten gefiel das, was Sotiris in Hälfte 1 trieb ziemlich gut. Vor allem, weil der wirklich keinem Streit aus dem Weg ging und ein paar nette Balleroberungen zelebrierte. Nur, was genau seine Aufgabe war (Das, was El Azzouzi sonst tut? Oder doch was mehr so zehner-artig wirken sollte?), wurde bis zu seiner Auswechslung in der 61. Minute nicht ganz klar. Dass Markus Anfang für ihn Jordi Paulina einwechselte, hätte einen Sinn ergeben können, hätte der Neuling im Rest der Zeit auch nur einen Hauch Bindung an die Truppe gefunden. Kurz danach fiel der Siegtreffer, was aber mit dem Wechsel nichts zu tun hatte.

Machen wir das Übrige kurz: Die Eintracht hatte in den Minuten 73 und 75 zwei fast Hundertprozenter, die das Spiel sicher frühzeitig entschieden hätten. Dafür hätte der Mukki in der 85. Minute eine Kopie seines wundervollen Siegtors gegen Nürnberg produzieren können; diesmal ging die Pille daneben. Ab der 86. Minute macht Coach Anfang dann ernst und wechselte mit Celar einen weiteren Stürmer (anstelle von Daland) ein. Den F95-Anhänger:innen kam diese Offensiv-Power deutlich zu spät, auch wenn wegen Verletzungspausen und Wechseln mit mindestens fünf Zusatzminuten zu rechnen war. Aber, was will man von der QPR-Leihgabe erwarten, die bei jedem Training so aussieht, als wolle er sagen: „Ich will hier nicht sein.“?

Bei 90+3 baute BTSV-Torwart Hoffmann eine tolle Parade. Bei 90+6 war es dann unser Marcel Lotka, der eine große Chance spektakulär vereitelte. Das war’s dann auch. Am Ende lagen die Braunschweiger bei allen statistischen Quoten weit vorne, wobei eigenartig ist, wie sehr sich die Werte von Opta und Matchfacts dieses Mal unterscheiden. Jämmerlich die fortunistische Passquote von 76 beziehungsweise 77 Prozent. Enttäuschend, dass unsere Jungs auch bei der Zweikampfquote hinten lagen. Und über nur ZWEI Schüsse aufs Gegnertor der Roten decken wir mal ganz schnell den Teppich des Schweigens.

Zu Recht zeigten sich unsere Jungs nach dem Abpfiff selbstkritisch und ließen die Verletztenmisere als Ausrede nicht zu. Da muss sich der Ergebene weniger kritisch äußern, denn die schwankende und später stark nachlassende Konzentration hat sehr wohl etwas damit zu tun, dass notgedrungen Kollegen kollaborieren müssen, die das bisher nur im Training, aber nie im Wettkampf zeigen mussten. Wozu eine halbwegs eingespielte Truppe (siehe Bochum und Nürnberg) in der Lage ist, haben die Fortuna-Kicker ja wohl bewiesen.
Leider wird sich das Verletztenproblem weder kurz- noch mittelfristig verdünnisieren, weil bei der Fortuna immer noch zu wenig nach den Ursachen geforscht wird. Die Häufung muskulärer Einschränkungen ist deutlich höher als bei allen anderen Vereinen der oberen drei Ligen. Das kann kein Zufall sein. Und das kann auch nicht mehr daran liegen, dass verletzte Spieler zu schnell wieder ins Getümmel geworfen werden. Der Fehler MUSS im System liegen, und vielleicht ist es die größte Aufgabe für Sportvorstand Sven Mislintat, in diesem Punkt spätestens zur kommenden Saison für eine grundlegende Verbesserung zu sorgen – selbst wenn dabei altgediente Köpfe rollen müssen.

Wie auch immer: Fortuna Düsseldorf bleibt am Ende des Spieltags Elfter und hat mit der Niederlage lediglich die Chance versiebt, in die obere Tabellenhälfte vorzustoßen – wofür auch immer das gut wäre. Mehr als ein achter Platz am Ende wird eh nicht rausspringen, und am wichtigsten ist momentan, Punkte zu sammeln, um ab Punkt 36 keine Angst mehr vor dem Abstieg haben zu müssen. Ein Heimsieg gegen die olle Hertha nächste Woche wäre eine prima Gelegenheit. Und, wer weiß, welche Kollegen bis dahin wieder fit sind.
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