Spiel für Spiel: Eine andere Sicht auf den Abstieg – Teil 3
Der Endspurt in der Abstiegssaison war ein – Achtung: Phrase! – Wechselbad der Gefühle, neben deprimierenden Niederlagen standen großartige Siege, die am Ende nichts nutzten.
Analyse · Meine Güte ist das fürchterliche Spiel in Fürth schon lange her! Aber es wird sich so tief ins kollektive F95-Gedächtnis graben wie das verlorene Relegationsspiel gegen Bochum am 27. Mai 2024, der Tag, an dem das Elend begann. Dabei sah es im letzten Drittel der Saison 2025/26 gar nicht sooo schlecht aus. Bis auf Platz 11 am 27. Spieltag ging es hoch, aber immer noch mit nur drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone. Und selbst danach war der Fisch noch nicht geschuppt, der uns in Liga 3 führte. Drei unfassbaren Siegen stehen drei deprimierende Niederlagen gegenüber – zwei davon gegen unmittelbare Konkurrenten. Die waren es wohl, die der Fortuna das Genick gebrochen haben. [ 8 ]
Hier eine Analyse einzelner, für die Entwicklung bedeutender Partien:

23. Spieltag: Darmstadt vs Fortuna 2:1
Das ehemalige Fußballfachmagazin Kicker sprach in seinem Spielbericht von einer starken Fortuna und einfallslosen Lilien. Angesichts der Verletztenliste durfte/musste unser geliebter Jordy de Wijs als linkes Ende der Dreierkette ran. Und wurde irgendwie zum Spieler des Spiels und zum Sinnbild der F95-Misere. Schock in der 7. Minute. Eigentlich sind unsere Jungs gut und munter unterwegs, da verwandelte ein Darmstädter die bis dahin einzige Chance der Hausherren. Ja, geht’s schon wieder los? fragten sich die Experten in der Retematäng mit einem Hauch Verzweiflung. Nein, denn Jordy macht das Ei in der 12. aus völlig freier Position zum Ausgleich rein. Ausgerechnet Jordy! Den wir alles schon seit Wochen fordern. Ausgerechnet der Holländer, den Trainer Anfang so methodisch übersehen hat. Bei Abpfiff hat Fortuna 18:14 Torschüsse und einen leicht besseren xGoals-Wert, und wäre Lilien-Keeper Schuhen nicht so super drauf gewesen, wer weiß… Mehr Kilometer, mehr gewonnene Zweikämpfe, 11:4 Ecken, viel besser geht’s gegen einen Aufstiegsaspiranten kaum. Und doch: In der 88. Minute fangen sie sich noch einen. Schlimmer noch: de Wijs muss in der 16. Minute, also kurz nach seiner Bude, verletzt raus.
Gesamturteil: Unglücklich, tragisch
UNTERSTÜTZT die FORTUNA-PUNKTE! Na, schon gespannt auf den Bericht? Nach dieser kurzen Werbeunterbrechung geht’s weiter. Denn die Fortuna-Punkte verstecken sich nicht hinter einer Paywall. Alles, was du hier findest, ist gratis, also frei wie Freibier. Wenn dir aber gefällt, was du liest, dann kannst du uns finanziell unterstützen – zum Beispiel mit dem Kauf von sogenannten Lesepunkten. Wir würden uns sehr freuen.
24. Spieltag: Fortuna vs Bochum 2:1
ACHT Verletzte plus der mit Rot gesperrte Daland (Dumm ist, wer Dummes tut), keine besonders guten Voraussetzungen für das Heimspiel gegen die Blauen. Aber, der Auftritt in Darmstadt machte Hoffnung. Und die wurde eingelöst. Am Ende stand ein nie gefährdeter Sieg nach einer gerade in der ersten Halbzeit überragenden Leistung. Der angeschlagene Muslija kommt in der 30. Minute für den verletzten Lunddal und macht seine Hütte. Iyoha und Appelkamp endlich mal wieder richtig gut. Und auf Itten als Knipser war wieder Verlass. ELFTER Platz! Was soll da noch anbrennen?
Gesamturteil: Wie ein Spitzenteam

25. Spieltag: Nürnberg vs Fortuna 0:1
Wir schreiben den 7. März, Fortuna Düsseldorf steht auf dem 11. Platz, hat aber weiter nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Da muss ein Auswärtssieg beim Glubb her. Shinta Appelkamp macht sein bestes Spiel der Saison und sorgt für den Siegtreffer. Zugegeben: Der 1. FCN war richtig schlecht. So schlecht, dass F95 eigentlich mit größerem Abstand hätte gewinnen müssen. Es scheint, als habe das Team den Anfang’schen Ansatz kapiert und sei nun in der Lage, ihn umzusetzen. Und ein besonders schlimmer Optimist rechnet aus, dass die Fortuna am Ende bestenfalls noch Siebter werden kann …
Gesamturteil: Erfreulich
26. Spieltag: Braunschweig vs Fortuna 1:0
Käpt’n Kastenmeier hat einen Ball aufs Auge gekriegt und fällt aus. Cedi Itten, der Torgarant, kann auch nicht mitmachen. Oh je, was soll werden in Braunschweig? Hätten die Jungs beim BTSV gewonnen, sie hätten wohl wirklich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun gehabt. Haben sie aber nicht. An Lotka als Kastenmeier-Ersatz lag es ganz bestimmt nicht. Schon eher am Itten-Ausfall. Besonders aber an der erschreckend schwachen Leistung des Mittelfelds – besonders in der zweiten Halbzeit. Suso, Tanaka, Sotiris und Heyer hatten nichts im Griff. Daland war ein glatter Ausfall. Und vorne hatten Marin Ljubicic und Shinta Appelkamp als Doppelspitze keine Chance. Nun gut, es war eine Auswärtsniederlage, kann passieren. Gegen einen Abstiegskonkurrenten aber ist sowas eine milde Katastrophe.
Gesamturteil: Verkackt

27. Spieltag: Fortuna vs Hertha 2:5
Da war die Fortuna seit Dezember zuhause ungeschlagen, da ist die Hertha zu Gast und schießt uns Hausherren aus der Arena. Genauer: Dieser schnelle Reese macht’s. Diagnose: Vercoacht. Oder doch nicht? Die Dreierkette liefert eine katastrophale Leistung ab, und Mo Heyer hatte gegen Reese nie den Hauch einer Chance. Den eher langsamen Mo gegen den quicken Reese zu stellen, war ohne Frage eine glatte Fehlentscheidung von Trainer Anfang. Aber: Die Buden 1 und 2 gehen aufs Konto von Oberdorf und Egouli – eindeutig. Dabei hatte die Fortuna ungewohnt früh geführt, allerdings durch ein Berliner Eigentor in der 5. Minute. Doch dann konnte man die Niederlage live und in Farbe im Entstehen beobachten. Warum, verdammt nochmal, hat Anfang so lange gewartet, Heyer rauszunehmen? Weshalb durfte der indisponierte Suso sogar bis zur 89. Minute weitermachen? Wieso musste Paulina auf der linken Schiene spielen, wo Christopher Lenz doch einsatzfähig war? Und doch: Die Killer waren die vielen, vielen Ungenauigkeiten und Fehlentscheidungen der F95-Kicker, da kann der Trainer ja nichts dafür. Im Nachhinein zeigt sich diese unerwartete Klatsche als erster Genickbrecher auf dem Weg runter in die dritte Liga.
Gesamturteil: Katastrophal!
28. Spieltag: K’lautern vs Fortuna 3:0
Machen wir’s kurz: Zum ersten Mal trat das Team so ängstlich, mutlos und hasenfüßig auf, dass man als Fan ebenfalls Angst kriegen und den Mut verlieren konnte. Ob’s die umstrittene rote Karte gegen Suso war, die den Ausschlag gab? Eher nicht. Besonders ärgerlich ist diese Niederlage, weil der 1. FC Kaiserslautern bei Weitem nicht gut gespielt hat.
Gesamturteil: Hasenfüßig

29. Spieltag: Fortuna vs Kiel 1:2
Der Ergebene ist sich sicher, dass die deprimierende Niederlage gegen die Störche letztlich der Durchbruch zum Abstieg war. Ob Markus Anfang die Hauptverantwortung für die Niederlagenserie trägt, ist nicht klar; sooo schlecht war seine Punkteausbeute nicht. Außerdem hatte er – im Vergleich zu Vorgänger Thioune – viel mehr unter der Verletztenmisere zu leiden. Einige tolle Siege muss man ihm zuschreiben, mehrere schlimme Niederlagen aber auch. Hätte man ihn schon nach dem 2:5 gegen die Hertha schassen müssen? Es sprach nicht viel dafür. So wie auch damals wenig dafür sprach, Daniel Thioune zu entlassen. Und die deprimierende Niederlage gegen Kiel, die sich später als wahrere Genickbrecher Teil 2 herausstellte, geht eher nicht auf Anfangs Konto. Sondern zum ersten Mal wurde überdeutlich, dass der von Allofs und Weber zusammenwürfelte Kader nie zu einem Team wurde, das man eine „eingeschworene Gemeinschaft“ hätte nennen können. Schon mit der Klatsche gegen Hertha wurde deutlich, dass besonders die Leihspieler weniger am Erfolg der Mannschaft als an der eigenen Karriere interessiert waren.
Gesamturteil: Deprimierend
30. Spieltag: Magdeburg vs Fortuna 2:0
Neuer Trainer, neues Glück? Von wegen … Neu-Coach Alexander Ende zeigte sich nach Abpfiff schockiert. Zwei hanebüchene Verschlafungen führten zu zwei schnellen Gegentoren. Danach hatten die Magdeburger unser Team jederzeit im Griff. So einfach war das. Zweimal nacheinander gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf zu verlieren, war der größte anzunehmende Unfall.
Gesamturteil: Schockierend

31. Spieltag: Fortuna vs Dresden 3:1
Wie kann das sein, dass ein Team in zwei aufeinanderfolgenden Partien zwei so unterschiedliche Gesichter zeigt? Der Ergebene hatte es vor Jahren schon einmal geschrieben: Vielleicht sollte man den Verein in Janus Düsseldorf umbenennen. Kann aber auch am Trainer gelegen haben, der in nur einer Woche einiges in den Köpfen der Kicker geändert hatte – sowie das System und die Aufstellung. Also, dass Christopher Lenz, Sotiris und Zimbo Zimmermann hereinkamen. Oder war’s wirklich diese gewaltige Unterstützung der Fans in der Arena? Jedenfalls war die gesamte Vorstellung überzeugend, und schlecht war Dynamo eigentlich nicht. Es kam Hoffnung auf, zumal F95 sich plötzlich auf Rang 14 wiederfand.
Gesamturteil: Souverän
32. Spieltag: Schalke vs Fortuna 1:0
Wenn man keine Tore schießt, kann man nicht gewinnen. So simpel lässt sich die Niederlage gegen den Aufsteiger beschreiben. In jeder anderen Hinsicht war die Fortuna annähernd gleichwertig. Auch wenn erneut zu viele individuelle Fehlentscheidungen getroffen wurden. Tatsächlich wäre ein Remis wohl okay gewesen angesichts des Verlaufs. Und dann, das wissen wir heute, wäre der Abstiegskelch an uns vorbeigegangen.
Gesamturteil: War mehr drin
33. Spieltag: Fortuna vs Elversberg 3:1
Und dann gegen den anderen Aufsteiger. Nur wenige unter den Fans glaubten an diesen Heimsieg. Und, ja, für die ELVen war auch Pech im Spiel. Umgekehrt: Endlich hatte die liebe Fortuna auch mal Glück und wusste dies zu nutzen. Wieder stand die Arena geschlossen hinter den Roten, und Cedi Itten war es, der den Sieg nicht nur wollte, sondern auch wusste, wie der zu holen sei. Wieder gab’s drei Tore. Wieder stand die Viererkette ziemlich sicher. Sotiris machte sein bestes Spiel im F95-Trikot. Und, oh Wunder, dieser Breithaupt ersetzte den verletzten Tanaka optimal. Die Arena strotzte nur so vor Energie, und Trainer Ende war am Ende leicht gerührt. Die Experten im 41er diskutierten noch lange, ob ein Wechsel von Anfang auf Ende drei Spiele früher (vorher ging’s nicht, weil AE noch Münster coachte) uns nicht das ganze Elend der Niederlagen gegen Hertha, Kiel und Magdeburg erspart hätte – sinnlose Debatte …
Gesamturteil: Energetisch

34. Spieltag: Fürth vs Fortuna 3:0
Nach dem ominösen, fiktiven Gesetz der Serie hätte es kein Problem sein können, gegen die Fürze NICHT mit mehr als zwei Toren Unterschied zu verlieren. Im Gegenteil: Auch wenn die Formkurve der SpVgg ebenfalls nach oben zeigte, schien es doch nicht schwierig, in Fürth mindestens Unentschieden zu spielen. Und dann kommt Felix Klaus, den in Düsseldorf aus unerfindlichen Gründen keiner mehr haben wollte, in der 2. Minute und macht das 1:0. Mal ehrlich: Ihr kriegt schnell was auf die Fresse und ihr wehrt euch nicht? Stattdessen füllt sich die kollektive Unterhose mit Kötteln. Doch nicht bloß, weil Cedi Itten wegen einer dummen gelben Karte fehlt. Anscheinend lief dann in jedem einzelnen Hirn der F95-Spieler ein anderer Film ab, jedenfalls kein positiver oder zumindest einer von Zusammenhalt und Kampfkraft. Gingen da eventuell bei einigen – besonders ausgeliehenen – Kickern schon die Gedanken an die kommende Saison irgendwo anders als bei der Fortuna durchs Hirn? Wie anders erklären sich die unterirdischen Leistungen von Sotiris und Breithaupt, die zuvor noch richtig gut gespielt hatten? Drei Männer in der Viererkette, die komplett neben sich standen. Und trotzdem schaffte es diese Truppe, mehr zu rennen und mehr ankommende Pässe zu produzieren, aber kaum Torchancen. Dafür brachten sie bis dahin schlechteste Zweikampfquote der Saison zustande. Das spricht Bände. Das 1:0 war klasse rausgespielt von Klaus. Beim zweiten in der 16. Minute zwang er Egouli zum Eigentor. Das dritte geht volles Rohr auf Oberdorf – das alles in der ersten Halbzeit. Besser wurde es in Hälfte 2 auch nicht. Wenn man es sehr freundlich sehen will, dann kamen die Roten insgesamt zu zwei nennenswerten Abschlüssen. Auch die sechs Minuten Nachspielzeit inklusive Kastenmeiers Einsatz im gegnerischen Sechzehner bringen nichts. EIN Tor hat gefehlt, ein einziges Törchen …
Gesamturteil: Mutlos
Und das war’s dann. Fortuna Düsseldorf steigt nach 17 Jahren in die dritte Liga ab. Mit fürchterlichen Folgen. Die Lektüre der Kurzberichte zeigt: Vergeigt hat es die Mannschaft, wobei man die Katastrophe nicht einmal an einzelnen Akteuren festmachen kann. Der Ergebene meint: Es lag an keinem der drei Trainer. Ein wesentlicher Faktor war sicher die ständig lange Verletztenliste, besonders die auffällig vielen Muskelprobleme. Dafür verantwortlich ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die sogenannte „medizinische“ Abteilung. Und weil es über die gesamte Saison nur selten Partien gab, in denen dieselben F95-Herren mehr als zweimal zusammen antraten, konnte sich das Team nie so richtig einspielen. Aber, eine Ursache für die Verletzungshäufigkeit ist sicher auch, dass die Kaderplaner Allofs und Weber, aber auch Mislintat in vielen Fällen Leute geholt haben, die entweder akut verletzt waren oder als verletzungsanfällig galten. Außerdem sieht der Ergebene einen schweren Mangel in der Kaderzusammenstellung, bei der offensichtlich zu wenig auf den sozialen Faktor, also „Wer passt mit wem zusammen?“ geachtet wurde. Zudem stand der wichtigste Antreiber als Kapitän im Tor und nicht auf dem Platz. Ko-Kapitän Oberdorf war mit seiner Rolle als Führungsspieler dauernd überfordert. Ob auch die Sprach- und Kommunikationsprobleme zu Beginn der Saison ein Faktor waren, ist letztlich nicht klar zu beantworten.
Wohlgemerkt: Diese dreiteilige Analyse hat sich ausschließlich mit der sportlichen Seite, mit der Wahrheit auf dem Platz befasst. Die Entscheidungen und Entscheidungswege von Vorstand und Aufsichtsrat stehen auf einem anderen Blatt.
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