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Testspiel: F95 vs BVB 2:1 – Das hat großen Spaß gemacht

Am sonnigen Samstagmittag schlug die bald wieder glorreiche Fortuna den ehemaligen Weltpokalsieger aus Dortmund nach einer überlegen geführten zweiten Halbzeit.

Bericht · Für einen solchen Sieg gibt’s nicht mal einen Blumentopf Und trotzdem tut es gut, die eigene Mannschaft gegen den achtmaligen deutschen Meister, fünfmaligen Pokalsieger sowie Champions-Ligue- und Weltpokalsieger von 1997 gewinnen zu sehen. Wir könnten uns jetzt auch wie damals Pauli T-Shirts mit dem Aufdruck „Weltpokalsiegerbesieger“ drucken lassen. Machen wir nicht, haben wir nicht nötig. Und es spielt überhaupt keine Rolle, dass der BVB, der uns am 18. Mai 2013 durch eine 2:1-Niederlage gegen Hoffenheim den Klassenerhalt vermasselt hat, nur mit einer B-, in der zweiten Halbzeit sogar einer C-Elf angetreten ist. So sind sie halt, die Geldsäcke Watzke’scher Prägung. Wir aber sind Fortuna und können bekanntlich alles. [Lesezeit ca. 6 min]

F95 vs BVB: Der Auflauf (Foto: FP)
F95 vs BVB: Der Auflauf (Foto: FP)

Es war jedoch gar nicht so sehr der verdiente Sieg, der den rund 20.000 Besucher:innen, die es mit der Fortuna halten, nach Abpfiff ein Grinsen ins Gesicht zauberte, sondern der Auftritt dieser Mannschaft, bei der ein Etikett wie „runderneuert“ noch stark untertrieben ist. Das hat einfach Spaß gemacht, in Hälfte 2 dank der wirbelnden Youngster Paulina, Sauck und Slimani sogar noch mehr als in der ersten Halbzeit. Der Spaß, den die F95-Fans auf den Rängen hatten, schwappte direkt von den jeweils elf Fortunen auf dem Platz rüber. Wobei angesichts der freudigen Energie die stoische Lethargie des Tim Oberdorf noch viel mehr auffiel als in der vergangenen Saison. Zumal er von den vier eingesetzten Innenverteidigern derjenige war, der am häufigsten quer oder zurück passte – Saison 2025/26 reloaded.

Leider fiel auch der andere verblieben beziehungsweise umgehend zurückgekehrte IV nicht positiv auf: Elias Egouli unterliefen einige Fehler, und am Gegentor der Dortmunder trägt er mindestens 50 Prozent Verantwortung. Da kann man schon drauf kommen, dass die Kombi aus Dominique Heintz und Felix Meiser die besser Wahl wäre. Was übrigens heißt, dass Zimbo Zimmermann – der beim Warmlaufen mit riesigem Jubel begrüßt wurde – der einzige Kicker aus der Vorsaison ist, mit dem das Trainerteam wirklich was anfangen kann. Unter den Experten im 41er wurden aber weniger persönliche Fehler diskutiert als die Stärken und Schwächen des 4-4-2 nach Art des Rautenfetischisten Alex Ende. Dazu später mehr.

Um noch einmal auf die Belegschaft der Dortmunder zurückzukommen: In der ersten Halbzeit standen gerade einmal sechs Kicker auf dem Platz, die aktuell einen Profivertrag beim BVB haben; in Hälfte 2 waren es dann sieben dieser Sorte. Hinzu kamen insgesamt vier Spieler der schwarzgelben U23, die in der Regionalliga West antritt – der Rest, der mit einem Kader von 24 Mann angetretenen Gäste, waren Nachwuchsleute. Übrigens: Die Fortuna war sogar mit 25 Kollegen am Start.

Die Aufstellung in der ERSTEN Halbzeit:
Lasse Rieß (TW); Dominique Heintz und Elias Egouli (IV), Sascha Risch und Zimbo Zimmermann (AV);
Käpt’n Hendrix, Jomaine Consbruch, Elias Arden und Yassine Bouchama (Mittelfeld);
Eric Hottmann und Fabin Schleusener (Sturm).

Ärgerlich das Verhalten von Schiri Jonah Besong, ein Duisburger, der vorwiegend in der Oberliga und der Regionalliga pfeifen darf. Seine Schiedserei parteiisch zu nennen, ist angemessen, denn Zweikämpfe ließ er grundsätzlich zugunsten der Dortmunder laufen beziehungsweise pfiff gegen die Fortuna. Verrückter noch: In der 46. Minute ist Schleusener nach einem feinen Steilpass durch und könnte frei aufs Tor gehen. BVB-Mann Riedl aber hält ihn fest, Schleuse fällt. Weil dieser Schwarzgelbe letzter Mann war, hätte Referee Besong zwingen eine rote Karte geben müssen – ja, selbst in einem sogenannten Freundschaftsspiel. Mehrmals musste sich der 28-Jährige laute „Schieber“-Rufe anhören. Vielleicht war die Leitung einer Partie vor 23.200 Zuschauenden einfach eine Nummer zu groß für ihn.

F95 vs BVB: Die sinnlose Trinkpause (Foto: FP)
F95 vs BVB: Die sinnlose Trinkpause (Foto: FP)

Auch wenn der BVB erheblich besser ins Spiel kam, hielten die Fortunen konsequent dagegen. Besonders gut gefiel den rotweißen Fans a) das hohe, konsequente Pressing und b) der Ansatz von One-Touch-Fußball. Das 1:0 für den Erstligisten, deren härteren Fans im Gästeblock versuchten, Stimmung gegen die Fortuna zu machen, war Ergebnis einer Fehlerkette, die bei Egouli begann, der einen Pass auf den späteren Torschützen nicht abfangen konnte. Dann stand Zimbo zu weit weg und Lasse Rieß so weit vorm Tor, dass ihn der Schwarzgelbe umdribbeln und einlochen konnte. Unser Keeper Nummer 1 war sichtlich zerknirscht und ließ sich in der Trinkpause von Kollege Louis Lord trösten. Apropos: Dieser angesichts der Temperaturen völlig sinnlose „Haidräschnbreeck“ wurde vom Publikum mit einem gewaltigen Pfeifkonzert kommentiert.

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Die Stärke des Rauten-4-4-2 liegt ganz klar in seiner Flexibilität, also der Möglichkeit, sich rasch und auch während einer Partie auf den Gegner einstellen zu können. Denn aus der Raute kann schnell eine 3+1-Kette entstehen, ja, der offensive Mittelfeldler kann sogar mit in die Spitze aufrücken, ohne dass sich die komplette Statik ändert. Eine Schwäche ist sicher, dass viel seltener Angriffe über die Flügel möglich sind, denn die passieren in dieser Konstellation nur, wenn einer der Außenverteidiger zum Schienenspieler wird – und das dann auch nur, wenn der so schnell ist wie Steven van der Sloot (der übrigens beim Warmmachen vor seiner Einwechslung auch namentlich gefeiert wurde). Um aber über die Zentrale zu Gelegenheiten zu kommen, muss mindestens einer der Mittelfeldspieler richtig schnell sein – übrigens auch in Situation, in denen der Gegner Konter einleitet. Leider ist auch Marcel Benger, den alten Lieblingskicker von Alex Ende, kein Speedy – dessen Verpflichtung wurde im Expertenkreis entsprechend kritisiert.

F95 vs BVB: Gefahr durch Freistoß, der keiner war (Foto: FP)
F95 vs BVB: Gefahr durch Freistoß, der keiner war (Foto: FP)

Und trotzdem waren die Fortuna-Anhänger:innen im großen Viereck zur Pause freudig gestimmt, weil der mutige Auftritt ihrer Jungs so völlig anders war als das, was sich die Söldnertruppe der Saison 2025/26 meistenteils abgeliefert haben. Die Ultras waren nur in Form von Einzelpersonen anwesend, aber es fanden sich auf der Süd immer wieder Grüppchen, die Anfeuerungen anstimmten, die dann teils bis auf die Sitzplätze übergriffen. Auch das hat Spaß gemacht – besonders der Klassiker „Cologne, Cologne, die Scheiße vom Dom“, ein Evergreen, der immer geht.

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Gleich zum Wiederanpfiff brachten die Coaches Jordi Paulina für Eric Hottmann, der im Vergleich zu den anderen Testspielen ziemlich blass blieb … hoffentlich nicht aus Verletzungs- oder Krankheitsgründen. Nicht nur wegen Jordi wurde das Grinsen der Fans im Verlauf der zweiten 45 Minuten immer breiter. Denn die Fortunen steigern den Druck auf eine Dortmunder Mannschaft, die keinerlei Zusammenhalt hat, eine zusammengewürfelte Truppe, viele Schönspieler und Einzelkönner. Die stehen einer Elf gegenüber, die mehr von der Partie haben will als Spaß.

Der Ausgleich fällt aus logischen Gründen, ist zudem wunderschön. Logisch, weil die Fortuna voll am Drücker ist, schön, weil von Fabian „Schleuse“ Schleusener. Zimbo hebt einen Freistoß von links an den langen Pfosten. Dominique Heintz köpft mit ein bisschen Hilfe von zwei BVB-Schädeln nach links Richtung Pfosten. Und Schleuse hämmert das Ei aus kurzer Entfernung und spitzem Winkel in den Kasten. Das sah nach einem einstudierten Standard aus. Leider gab’s dank des unfähigen Schiris nicht viele Gelegenheit, solche vorbereiteten Nummern zu präsentieren.

F95 vs BVB: Der Torjubel nach dem Siegtreffer (Foto: FP)
F95 vs BVB: Der Torjubel nach dem Siegtreffer (Foto: FP)

Der Spaß hatte seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Alle Zeichen standen jetzt auf Sieg für die Rotweißen, auch wenn der Referee bemüht war, den nicht zuzulassen. Drei Faktoren sprachen dafür: 1. Deutlich weniger individuelle Fehler 2. Noch besseres Pressing und 3. Stark verbesserte Passschärfe. Letzteres lässt sich leider mangels Live-Daten nicht belegen, ist also nur gefühlte Temperatur.

In der 60. Minute gibt es Wechsel: Killian Sauck für Consbruch, Felix Meiser für Egouli, Tim Oberdorf für Heintz, Steven van der Sloot für Zimbo und Lukas Eixler für Schleusener. Warum die Partie dann aber am schnellen Holländer auf rechts vorbeilief, ist kaum zu erklären. Überhaupt wird es immer weniger mit dem Flügelspiel, und auf Flankenwechsel durch weite Diagonalpässen verzichten die zuständigen Herren weitgehend – beides Mittel, die unbedingte Erfolgsfaktoren sind. In der 69. Minute vier weitere Wechsel: Miguel Goncalves für Bouchama, Marcel Benger für Arden, Kaden Amaniampong für Risch und Anas Slimani für Hendrix. Und los ging die wilde Fahrt, die in der 79. Minute mit dem Siegtreffer durch Anas Slimani ihren Gipfel erreicht. Lukas Eixler chippt quer durch den Strafraum auf Anas, der den Keeper, der am kurzen Pfosten herumlungert, ausguckt und satt die Bude macht.

Wenn unser Cheftrainer Alexander Ende die jungen Fohlen Paulina, Sauck und Slimani gezähmt kriegt, wächst da ein Angriffstrio heran, vor dem sich ALLE Gegner fürchten werden. Das würde noch spannender, wenn Hamza Anhari aus seiner Verletzung zurückkommt. Besser noch: Es gibt ja offensiv nicht nur die aufgezählten Talent-Boys, sondern eben auch die erfahrenen Knipser namens Hottmann und Schleusener, sodass ganz verschiedene Mischungen möglich sind. Beten wir alle zur Fußballgöttin, dass die wunderbare Fortuna in der kommenden Saison von Verletzungen so weit wie möglich verschont bleibt.

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2 Kommentare zu „Testspiel: F95 vs BVB 2:1 – Das hat großen Spaß gemacht

  • Christian

    Und wer nicht im Stadion sein durfte, musste die pro BVB Sky-Sprechpuppen ertragen, was sich in der zweiten Hälfte legte, als man merkte, dass eine andere Mannschaft gewinnt.
    Die Düsseldorfer Gesänge dokumentieren, dass die Liebe zur Mannschaft zurück ist!

    Antworten
  • Danke für den Kommentar! Für einen Halbwissenden wie mich immer prima. Mein besonderes Lob geht an Ende, Arabi und Co!! Was die in dieser schwierigen Zeit zusammengestellt/geleistet haben verdient Hochachtung! Die Mannschaft hat toll gespielt. Prima Truppe! Nix Volksfest-Kick. Hatte gedacht, der Schiri wäre von der WM übriggeblieben und würde noch heftig unter dem Jetleg leiden. Ihm würde ich einen Besuch bei Fielmann dringend empfehlen. Mit einen sehr guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren. Zumindest werden wir in der 3. Liga nicht durchgereicht. Meine Dauerkarte werde ich mit gutem Gefühl genießen. Das Wort Auf….g möchte ich vor dem 30. Spieltag weder hören noch lesen! Ich wünsche uns eine erfolgreiche Zeit!

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