Testspiel: SC St. Tönis vs F95 0:5 – Die abgeklärten Alten und die wilden Jungen
Am Mittwoch schlug die neue Fortuna die netten Oberligisten des SC St. Tönis nach nicht allzu aufregendem Spiel.
Bericht · Es ist nicht besonders sinnvoll, über eine Freundschaftspartie in einem solch frühen Stadium der Saisonvorbereitung einen minutengenauen Spielfilm zu verzapfen. Können wir uns sparen. Es geht bei Begegnungen wie dieser um den Erkenntnisgewinn – über die individuellen Fähigkeiten und den Zustand des Kaders. Da war der Kick gestern im kuscheligen Tönisvorster Sportpark schon ein wenig nahrhafter als der vom vergangenen Freitag in Monheim. Übrigens: Auch beim SC St. Tönis gastierten unsere damaligen Jungs vor einem Jahr bei einer wahren Hitzeschlacht, die sie mit 9:0 gewannen. Von den Herren, die damals in der zweiten Halbzeit das F95-Hemdchen anhatten, ist inzwischen kein einziger mehr Fortuna – so viel zum Thema Umbruch. [Lesezeit ca. 4 min]
Auch wenn Live-Kommentator Andre Scheidt im F95.tv wie einige Leute im Chat rund ums System rätselte: Chefcoach Alex Ende ließ natürlich in seinem geliebten 4-4-2 mit Raute spielen, was sonst? Es ist tatsächlich die vielleicht flexibelste aller modernen taktischen Grundordnungen. Wobei der Trainer anscheinend massiv auf das Prinzip der Schienenspieler setzt, das im klassischen 4-4-2 eher weniger wichtig war. Heißt: Jeweils einer der beiden Außenverteidiger übernimmt hinter dem Ball eine führende Offensivrolle, die ihn nicht selten bis an die gegnerische Grundlinie trägt, von wo aus er dann in den Sechzehner flankt.
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Tut ein AV das, rückt die defensive Spitze der Raute nach hinten und macht aus der entstandenen Dreierkette wieder eine mit vier Mann. Kurzzeitig entsteht dann ein 4-3-3. Auch wichtig: Drei der vier Mittelfeldler sind angehalten, ständig zu rochieren und ihre Positionen zu tauschen, auch mit einer der beiden Spitzen. So sah man in der ersten Halbzeit den designierten Chefknipser, Fabian Schleusener, des Öfteren auf dem rechten Flügel – alles sehr variabel, sehr schwer auszurechnen mit sehr viel Platz für individuelles Improvisieren. Dem Ergebenen gefällt das sehr gut.
Die Aufstellung in der ERSTEN Halbzeit: Lasse Rieß (TW); Steven van der Sloot (AV), Eli Egouli (IV), Dominique Heintz (IV), Sascha Risch (AV); Zimbo Zimmermann, Jorrit Hendrix, Jomaine Consbruch und Miguel Gonçalves; Fabian Schleusener und Jordi Paulina (Sturm). Altersdurchschnitt: 25,8.
Im Tor sahen wir alle den überraschend aus Mainz ausgeliehenen Lasse Rieß, der nun die Nummer 1 in der Kiste werden soll. Mangels ernsthafter Torversuche der Hausherren konnte der sich nicht auszeichnen. Besser als Louis Lord, der dem Ergebenen letzte Woche gut gefallen hat, wirkte Rieß erst einmal nicht. Interessant, dass Alex Ende die jeweilige Truppe auf dem Platz in den Halbzeiten anders durchgemischt hat als in Monheim. So entstanden zwei Mannschaften, die sich im Altersdurchschnitt deutlich unterschieden. In Hälfte 1 trieben die Oldies Zimbo, Heintz, Hendrix und Schleusener den Schnitt auf 25,8 Jahre, während es in der zweiten Halbzeit die Youngster Mentzel, Amaniampong, Arden, Slimani, Sauck und Quiala Tito waren, die diesen Wert auf 22,5 Jahre, also U23 drückten.

Dem Ergebenen gefiel in den ersten 45 Minuten erneut Steven van der Sloot auf der rechten Schiene besonders gut. Auch von Sascha Risch und Jordi Paulina war er positiv überrascht, während er von Jomaine Consbruch und Miguel Gonçalves im Mittelfeld keinen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis behielt. Leuchtturm Eli machte im Fünfmeterrraumgedrängel das 1:0, und „Schleuse“ Schleusener erzeugte die zweite Bude für Rotweiß so wie ein Knipser das nun mal macht. Insgesamt aber empfand euer erheblich ergebener Betrachter diese erste Halbzeit als ein bisschen langweilig.
Die Aufstellung in der ZWEITEN Halbzeit: immer noch Lasse Rieß (TW); Hamza Anhari (AV), Tim Oberdorf (IV), Levi Mentzel (IV), Kaden Amaniampong (AV); Elias Arden, Yassine Bouchama, Anas Slimani und Killian Sauck (Mittelfeld); Eric Hottmann und Mechak Quiala Tito (Sturm). Altersdurchschnitt: 22,5.
Viel temperamentvoller gestalteten sich die zweiten 45 Minuten, was vor allem an vier jungen Kollegen lag. Hamza Anhari als herrlich offensiver Schienenmann, Anas Slimani mit Witz und Durchsetzungskraft, der dauernd wirbelnde Killian Sauck sowie der für sein Alter unfassbare reife Elias Arden – Gesamtaltersschnitt der vier: 19 Jahre! Dass dieser Zauberbande dann zwei ganz unterschiedliche Spitzen zugeteilt waren, nämlich der coole Eric Hottmann und der vielseitige Mechal Quilala Tito, machte die fortunesische Offensive aber mal so richtig scharf. Leider verletzte sich der junge Mechak an der Hand, wurde von Doc Blecker getackert und durch Noah Egouli ersetzt.

Slimani ist einer dieser Mittelfeldleute, der die vom Trainer zugelassene Freiheit optimal nutzte, das gefiel. Und natürlich, dass der 17-jährige Elias Arden sich die Rolle des kreativen Kopfes mit der Neuanschaffung Yassine Bouchama teilte. Auch Kaden Amaniampong als linker AV konnte dieses Mal durch einige kraftvolle Schienenläufe überzeugen. Weil die Innenverteidigung in der zweiten Hälfte wenig zu tun hatte, lässt sich über die Leistung von Levi Mentzel wenig sagen, genauso wenig wie über das Treiben des Tim Oberdorf.

Highlight des Tages war nicht der kitschige Sonnenuntergang beim Abpfiff, sondern das Traumtor, das der junge Herr Arden in der 86. Minute mit einer Direktabnahme aus gut 20 Metern volley in den Tönisvorster Kasten nagelte. Mann, hat der Bub sich gefreut! Und wir alle haben ihm es genauso herzlich gegönnt wie alle seine Mitspieler.
Übrigens: Unsere von Jens Langeneke gecoachte Zwote, wird nach ihrem Zwangsabstieg in der kommenden Saison sowohl gegen den FC Monheim als auch gegen den SC St. Tönis in der Oberliga Niederrhein antreten. Dem Ergebenen kamen die Monheimer deutlich stärker vor als die Mannen aus Tönisvorst – bei denen sich Trainer Bekim Kastrati dieses Mal übrigens NICHT wieder selbst einwechselte.

Nachdem uns Sima Suso auf etwas unhöfliche Weise verlassen hat, könnte auch noch Eli Egouli wechseln, was sehr schade wäre. Auch über dem Verbleib von Steven van der Sloot schwebt noch ein Fragezeichen. Dafür hat Sportvorstand Samir Arabi dem Vernehmen nach aber noch drei, vier interessante Kandidaten an der Angel.
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