Spielberichte

F95 vs Elversberg 1:1 – Am Ende ein gerechtes, wenn auch glückliches Remis

Der TSV Janus Düsseldorf erkämpfte mit viel Glück einen wichtigen Punkt gegen das absolute Top-Team aus der Fußballhochburg Elversberg.

Bericht · Warum gehen wir F95-Anhänger:innen eigentlich ins Stadion? Na klar, weil wir die Fortuna siegen sehen wollen. Na gut, auch, weil wir halt immer hingehen. Und weil wir da unsere F95-Freundinnen und -Freunde treffen. Es soll aber auch Leute geben – man nennt sie liebevoll “Eventies” -, die erwarten ein Spektakel, viele Tore, ja, gern auch ein Drama oder einen Krimi. Dass dies die Mehrheit der Fußballgucker ist, wollen uns die nichtswürdigen Medienmenschen nun schon seit Jahrzehnten einreden. Und, mal ehrlich, inzwischen konsumieren Abertausende die Partien der ersten und zweiten Bundesliga vor allem, weil sie bei irgendeinem dieser Scheißsportwettenanbieter Geld gesetzt haben. Wer gestern auf ein Remis zwischen dem Pokalhalbfinalisten und dem Aufsteiger aus dem Saarland gesetzt hat, machte eine gute Quote. [Lesezeit ca. 7 min]

F95 vs Elversberg: Nur einmal im Jahr ist Karneval (Foto: FP)
F95 vs Elversberg: Nur einmal im Jahr ist Karneval (Foto: FP)

Wer dagegen immer wieder darauf setzt, dass die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf zwei ganz unterschiedliche Halbzeiten/Gesichter zeigt, kriegt nicht viel für seinen Einsatz. Denn das scheint zum Normalfall zu werden. Das ist ein Problem. Und, ja, das ist auch, wenn nicht hauptsächlich ein Coaching-Problem. Nehmen wir nur einmal das enttäuschende Unentschieden gestern. Wie kann es sein, dass ein Team, das um den Aufstieg mitspielen will, durch eine winzige taktische Änderung des Gegners völlig aus der Bahn geworfen wird?

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Die schmalen Geister in der F95-Berichterstattung drehen wieder die Gebetsmühle mit dem schmalen Kader und den wenigen personellen Alternativen und beschwören wie die Schlangenölverkäufer im Wilden Westen, dass sich was in den Köpfen ändern muss. Wenn’s so einfach wäre. Zumal das mit der dünnen Personaldecke inzwischen auch nur noch kleine Münze ist. Trainer Thioune hat aktuell 27 Jungs im Kader, der FC St. Pauli auch, genau wie Fürth. Hanoi 96 verfügt über 25 Insassen, Paderborn hat 28, Kiel 29, der HSV 30. Ja, aber die Verletztenliste. Okay, mit Cello Sobottka und Jamil Siebert haben wir zwei Langzeitverletzte; Shinta Appelkamp und Emma Iyoha kommen dieser Tage zurück.

F95 vs Elversberg: Nach dem 1:0 (Foto: FP)
F95 vs Elversberg: Nach dem 1:0 (Foto: FP)

Okay, Fortuna hatte seit Mitte November einige Pech mit Kurzzeitverletzten und Grippe- und Erkältungskranken; in der Spitze standen den Coaches sieben Spieler nicht zur Verfügung. Aber das war in der Zeit, als so schön gegen Schalke und Nürnberg gewonnen wurde, von den beiden Siegen in Magdeburg ganz abgesehen. Das Problem muss also woanders liegen. Und da könnte die zweite Halbzeit gestern gegen die SVE als Anschauungsmaterial dienen. Nachdem unsere Jungs in den ersten 45 Minuten alles im Griff und ein halbes Dutzend guter Chancen (…dazu später mehr.) hatten, stellte Elversberg-Trainer Steffen einfach auf eine Fünferkette um und ersetzte einen offensiven durch einen defensiven Mittelfeldmann.

Und an dieser Mauer bissen sich die Fortunen dann die Zähne aus. Gut, wenn den Gästen nicht dieses eine blöde Tor in der 53. Minute gelungen wäre, wäre die Partie mit einiger Wahrscheinlichkeit 1:0 für die Hausherren ausgegangen. Nun aber hatte es das von Thioune angeordnete 3-5-2 mit einer extrem kompakten Abwehrkette zu tun, an der kaum vorbeizukommen war. Jedenfalls ohne schlagende Einfälle. Das Dreiermittelfeld mit Zimbo Zimmermann auf seiner Traumposition als defensiver Sechser, Ao Tanaka als Zampano und Ísak Jóhannesson als Achter spielte sich die Bälle zu oder zurück auf Käpt’n Hoffmann und Jordy de Wijs. Jona Niemiec als gedachter Rechtsaußen wurde kaum angespielt (Von wem auch bei einer Dreierkette?), und Nico Gavory konnte den Linksaußen mangels Geschwindigkeit auch nicht ausfüllen.

F95 vs Elversberg: Mutiger Tormann der SVE (Foto: Sandra Drljaca)
F95 vs Elversberg: Mutiger Tormann der SVE (Foto: Sandra Drljaca)

Spätestens nach dem Rückstand war es an der Zeit, durch Systemänderungen und/oder Personalwechsel wieder Dynamik in den Kick zu bringen. Und das heißt beim Spiel gegen eine Fünferkette vor allem: Flügelspiel fördern! Nun nimmt Daniel Thioune in der 64. Minute ausgerechnet Niemiec, den einzigen Flügelspieler, raus und ersetzt ihn durch Yannik Engelhardt. Weil der auf Zimbos Position rückte, musste der nun als Rechtsaußen fungieren. Das versteh, wer will. Der Ergebene und die Diskutanten im Block waren für eine andere Lösung, nämlich Gavory durch einen echten Außenstürmer in Gestalt von Dennis Jastrzembski zu ersetzen. Das passierte aber erst in der 78. Minute und zeigte die gewünschte Wirkung auf dem linken Flügel.

Da hatte die SVE jegliches Offensivspiel schon fast eingestellt und sich komplett aufs Stören verlegt. Ergebnis: Zwischen dem 1:1 in 53. Minute und der 82. Minute hatte die Fortuna keine einzige Torchance – fast eine halbe Stunde lang! Und das lag nicht einmal an irgendwelcher Schlamperei, die Zahl der Ballverluste hielt sich in erträglichen Grenzen, die der Fehlpässe auch. Die Ursache für diese erbärmliche zweite Halbzeit, die erst in der Nachspielzeit einen Hauch mehr fortunistische Action brachte, war rein taktischer Natur.

Finde den Fehler: Menschen machen Fehler. Schreiber:innen sind Menschen, machen also Fehler. Und Schreiber ohne großes Team hinter sich – wie der Ergebene – machen natürlich auch Fehler. Deshalb unsere Bitte an alle: Wer einen Fehler im Text entdeckt, meldet ihn uns auf einem der bekannten Wege – z.B. per Mail an kontakt@fortuna-punkte.de oder über das Kontaktformular. Wir versprechen, falls wirklich etwas Falsches im Beitrag stand, bedanken wir uns nicht nur, sondern korrigieren es umgehend. Schönen Dank im Voraus!

Dabei hatte es so gut begonnen. Vor allem mit einer unerwarteten, mutigen Systematik. Daniel Thioune ließ mit einer Dreierkette beginnen, in die er gleich wieder unseren neuen Joshua Quarshie ans linke Ende postierte. Nach anfänglicher Zappelei lieferte der Duisburger Jung mit der F95- und RWE-Ausbildung eine überzeugende Leistung, und man hätte ihm das Kopfballtor in der 67. Minute von Herzen gegönnt, bei dem er seine Einssechsundneunzig meterweit über die Abwehrspieler schraubte. Bei seinen Beiträgen zur Spieleröffnung hat er noch Optimierungsbedarf, da setzt er bevorzugt auf Langholz. Wirklich erfreulich, dass Käpt’n Hoffmann von zu Partie zu Partie sicherer wird, sich nach vorne wieder mehr zutraut und nun auch wieder mit Jordy de Wijs harmoniert. In dieser Konstellation hätte die Dreierkette Zukunft, wenngleich Jordy wegen einer Gelbsperre erstmal aussetzen muss.

Ein weiter kluger Schachzug von Thioune in Sachen Taktik war es, Chris Tzolis als eine Art zweite Spitze einzusetzen und mit einem gewissen Maß an Narrenfreiheit auszustatten. In den ersten 45 Minuten war unser junger Grieche überall und nirgends und an mehr als der Hälfte aller Offensivaktionen beteiligt. DAS ist die passende Rolle für das hellenische Schlitzohr. Wobei sich die Frage stellt, ob dann Vince Vermeij der passende Partner ist. Dem weht ja nun dauernd kritischer Wind entgegen, was er leider durch sein grantiges Reagieren und seine sichtbare Frustration fördert. In Wahrheit war eben auch Vince an einigen der Situationen aktiv beteiligt, die zu Chancen führten. Und das 1:0 für Rotweiß wurde von ihm höchstpersönlich vorbereitet.

F95 vs Elversberg: Mittendrin (Foto: FP)
F95 vs Elversberg: Mittendrin (Foto: FP)

Noch schlimmer gehen viele Fans aktuell mit Duffy Daferner um, der in der 78. Minute als dritte Spitze kam. Genauer: Als zweieinhalbte, denn die Rollenverteilung zwischen ihm, dem in der 64. Minute für Vermeij gekommenen Marlon Mustapha und Chris Tzolis war nie wirklich klar. Und Daferner wusste anscheinend auch nicht so recht, welche Aufgabe ihm zugedacht war – Stoßstürmer? Ist er ja nun nicht wirklich. Denken wir mal kurz über mögliche Sturmkonstellationen nach. Eine Type wie Mustapha hat in dieser Saison tatsächlich gefehlt, einen robusten, zentral agierenden, wühlenden Mittelstürmer, aber als einzige Spitze würde er nicht taugen. Genauso wenig wie Daferner. Der einzige Kollege, der tatsächlich als einzige Spitze erfolgreich auftreten kann, ist eben Vince Vermeij – der wiederum nicht so gut als Teil einer Doppelspitze liefert. Der Ergebene glaubt, dass die Kombi aus Chris Tzolis und Marlon Mustapha dann sehr erfolgreich werden kann, wenn wir wieder einen linken Außenstürmer haben – zum Beispiel Emma Iyoha. Auch Dennis Jastrzembski, der ja so langsam aufblüht, wäre da ein denkbarer Partner. So wie auf der anderen Seite Jona Niemiec oder Felix Klaus.

Noch einmal: In der ersten Halbzeit, als die SVE defensiv noch ein wenig luftiger auftrat, funktionierte die fortunistische Offensive ziemlich gut. Links ging ein bisschen weniger, aber wenn Nico Gavory zum Flanken kam, dann entstanden Möglichkeiten. Sichtbar war aber auch der Qualitätsunterschied zwischen Zimbo Zimmermann und Yannik Engelhardt als Sechser: Während Zimbo bei Ballbesitz marschiert, scannt Yannik das Feld vor sich wie ein Quarterback und schlägt viel öfter kluge Pässe auf die Flügel.

F95 vs Elversberg: Ao Tanaka im Zweikampf (Foto: Sandra Drljaca)
F95 vs Elversberg: Ao Tanaka im Zweikampf (Foto: Sandra Drljaca)

Ao Tanaka, der uns nun ja wohl im Sommer wirklich verlassen wird (…traurig, traurig, traurig…) war in der ersten Viertelstunde so gut wie unsichtbar, brachte sich dann aber wie gewohnt als Ideengeber ein. Und hätte doch bitteschön in der 31. Minute das 2:0 machen dürfen, so frei er stand, so viel Schussfeld er hatte. Wobei dem Elversberger Torwart ohnehin der schönste Moment des gesamten Spiels gehört: In der 23. Minute hämmert Zimmermann einen unmöglichen Ball von weit weg aufs Gehäuse, der sich dreht und genau auf den Giebel zielt. Da hebt der Keeper ab und wehrt das Ei querliegend in der Luft ab – herrliche Parade!

Ach so, das waren dann ja schon zwei Großchancen jenseits des 1:0 aus der 19. Minute. Schon ein Schuss von Vince Vermeij in der 3. Minute hätte drin sein können. In der 11. hatte Tzolis die Führung auf der Birne. Niemiec in der 14… Weil die SVE überhaupt nur zweimal auf Flo Kastenmeiers Kasten geschossen hat, stehen in der Statistik zur Halbzeit 9:2 Torschüsse. Natürlich lagen die Fortunen auch im Ballbesitz vorn, in der Passquote ebenfalls. Allerdings, und auch das wird langsam zum Muster, die Gäste hatten schon mehr Kilometer zurückgelegt – und das blieb auch bis zum Schluss so.

Tja, und dann hatten sie auch noch Glück. In der 90. Minute ließen sie sich auskontern, und die SV Elversberg schoss das 2:1. Der Block nahm es mit schweigend und mit maximalem Fatalismus. Die Kicker trabten zum Mittelkreis, aber der durchwachsen pfeifende Schiri Hempel hilt sich das Ohr. Aha, die VARisten waren aufgewacht und prüften. Glück gehabt: Vor dem Torschuss gab es ein hauchzartes Abseits. Mit viel Glück einen Punkt gerettet.

F95 vs Elversberg: Jastrzembski im Zweikampf (Foto: Sandra Drljaca)
F95 vs Elversberg: Jastrzembski im Zweikampf (Foto: Sandra Drljaca)

Natürlich war die mangelhafte Chancenverwertung der Schlüssel zum enttäuschenden Unentschieden. Aber wenn die Coaches das Team rechtzeitig und nachhaltig auf die taktische Umstellung der Elversberger nach dem Wiederanpfiff eingestellt hätten, hätte es auch in Hälfte 2 wieder viele Tormöglichkeiten für Rotweiß gegeben. So aber waren es dann – rein statistisch – in der ganzen zweiten Halbzeit nur noch vier Stück. Das kann nicht reichen.

Im Aktuellen Sportstudio im ZDF machte unser Cheftrainer, der ja gerade seinen zweiten Fortuna-Jahrestag hatte, eine wirklich gute Figur, kam äußerst sympathisch rüber und hatte die Lacher auf seiner Seite, als er die Zuteilung von Bayer Leverkusen als Halbfinalgegner mit dem Begriff “Traumlos” beklebte. Leider wurde der gute Danny vom Moderator kaum auf fortunistische Dinge angesprochen; ja, gut, ob Vizekusen dieses Mal Meister wird und nicht der FCB, ist ja auch viel, viel wichtiger. Das lag aber auch daran, dass ausgerechnet Bela Rethy als Losfee engagiert worden war und auch nicht viel zur Fortuna zu sagen hatte.

F95 vs Elversberg: Warten auf den VAR (Foto: FP)
F95 vs Elversberg: Warten auf den VAR (Foto: FP)

Man hätte ja auch qualifiziert darüber reden können, ob Fortuna Düsseldorf in der Saison 2023/24 der “besten zweiten Liga der Welt” wirklich ein Spitzenteam ist. Die Antwort hätte nach Durchsicht der Bilder aus den letzten vier Punktspielen sicher gelautet: Nein. Weil aber auch die anderen immer wieder schwächeln, bleibt die Tabelle in Bewegung. Von F95 als Siebtem und dem HSV auf Rang 2 liegen immer noch “nur” fünf Punkte. Bei noch dreizehn ausstehenden Spieltagen. Klar dürfte aber auch dem:der größten Optimist:in sein, dass der Aufstiegszug abgefahren ist, wenn die Fortuna aus den nächsten vier Spielen (KSC, Rostock, Hanoi, HSV) nicht wenigstens sechs Punkte holt.

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4 Gedanken zu „F95 vs Elversberg 1:1 – Am Ende ein gerechtes, wenn auch glückliches Remis

  • Puhhhhh … Klar, die Situation ist angespannt und mit Hofmann für Siebert und Gavory für Emma (Shinta, Cello fehlen) haben wir uns schon verschlechtert. Trotzdem müsste sich das Trainerteam mal hinterfragen, den lt. Aussage DT kann er sich das auch nicht erklären, warum seine Mannschaft so passiv agiert …. Aha? Keine gute Aussage! Gestern sehr späte und fragwürdige Wechsel.

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  • Fortuna 45 Düsseldorf sollte die Saison abhaken.

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    • Man kann auch demütig sein und sich damit zufrieden geben, mit dem Etat, immer im oberen Kreis der zweiten Liga dabeizusein. Mal am Pokal schnuppern dürfen, mal Aufstiegshoffnung haben oder mal auch nicht…das ist halt die Realität und es ist besser als so zu enden wie Bielefeld und Schalke.
      Die Gegenthese ist dann: Heidenheim kann es doch auch…und vielleicht müssen wir Geduld haben und irgendwann wird es dann klappen aber wenn es klappt dann wollen wir doch nicht abgekocht werden wie jetzt Darmstadt sondern mindestens so enden wie Union Berlin oder Bochum.
      Mir fehlt Sobottka, Appelkamp und Iyoha und weil Hoffnung Spaß macht hoffe ich.

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  • Systemänderungen und/oder Personalwechsel wären nach dem Ausgleich gut gewesen.

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