Nick's Blick

Damals: Eine wüste Wutrede gegen die Kommerz-EM 2012

Im Juni 2012 hat unser englischer Fußballkorrespondent Nick im Blog „Rainer’sche Post“ eine heftige Wutrede gegen den modernen Fußball und den aufkeimenden Nationalismus gehalten und begründet, warum er die Veranstaltung boykottiert. Hier der Originalartikel:

Meinung · „Ich bin’s wieder, euer sehr Ergebener Fußballreporter, the artist formerly known as Nick, also der TAFKAN. Schon im Jahre des Herren mit den drei Nullen hatte ich die Ehre, euch von einer Fußballeuropameisterschaft, die damals noch nicht so einen bescheuerten Namen wie UEFA Euro 2000 heißen musste. Damals war ich noch aktiv im Lauf- und Boxsport und verlebte in Holland und Belgien erlebnisreiche Tage mit dem Stuhlbein in der Hand. Seinerzeit war ich Korrespondent für Schandmaennchen.de, die für mich immer noch erstbeste Satireseite. Ab der EM 2008 durfte ich dann hier meinen Senf zum getretenen Europaball verteilen. Nun hat mich rund um die WM 2010 in Südafrika ja schon einige, mit Verlaub, angekotzt. Aber was dieses Jahr abgeht, ist mit dem Erbrechen von Mahlzeiten nicht mehr vergleichbar: Der Hype der Medienärsche und Reklamewichser ist wie Brechdurchfall. Und deshalb boykottiere ich diese Fußballeuropameisterschaft. [Lesezeit ca. 2 min]

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Wer dieser Tage – bekanntlich lebe ich ja seit Jahren in Deutschland – fernsieht, wird in den Reklamepausen permanent schwarzrotsenffarbig bombardiert. Dagegen waren die Aktionen unserer Airforce seinerzeit geradezu ein Luftpostdienst. Jeder Drecksladen, jedes noch so widerliche Unternehmen, jeder Billigheimer, alle Telefonverarscher und diese ganze ekelerregende Bande, die nur unser Bestes will (die Kohle!), lässt fröhliche Menschen Bundeslappen wedeln, und wo man sich gutmenschig gibt, dann werden dann immer alle Nazionalfähnchen gewimpelt. Und was es alles an Gewinnspielen gibt! Da muss man bloß 4.000 Kästen alkoholische Plörre saufen, um ein nachgemachtes Schlandleibchen zu kriegen – garantiert mit Kinderarbeitsanteil und aus chemisch versauter Baumwolle. Wer weiß, wie der Bundestrainer mit Vornamen heißt, gewinnt auch irgendwas.

Komischerweise werden dieses Mal kaum EM-Tickets verlost. Klar, jemanden in die Ukraine zu verfrachten, ist mehr Strafe als Gewinn. Da will keiner hin. Deshalb sind Eintrittskarten für die Spiele für kleines Geld jederzeit zu haben. Nur fürs Finale nicht, aber da waren ja eh 99,9% für die UEFA und die Sponsoren geblockt sowie in den Korruptionskanal eingeschleust.

Während nun die Werbefuzzis verzweifelt versuchen, das Sommermärchen reloaded Teil III in die Hirne zu penetrieren, spurt der gemeine Bunzbürger nicht oder weigert sich, zum Schlandioten zu mutieren. Wer jetzt schon Nazionales über die eigenen Rückspiegel gezogen oder am Fenster des Wagens angeklemmt hat, fällt auf, und die Ersten haben den Mist klammheimlich wieder abgemacht. Im Häuserblock, der 2006 noch zu 90% beflaggt war und wo 2010 noch handgezählte acht SWG-Lumpen baumelten, hängt ein verschämtes Fähnchen. Und, nein, ihr verfluchten Gehirnwäscher, “die Deutschen” sind gar nicht heiß auf die EM und stehen auch nicht voll hinter euren Jungs! Zumal die högdsche Frisur sich auch keine Fans damit macht, weiter auf die Bayern-Loser zu setzen. Die fressen öffentlich und zu Reklamezwecken Kartoffelchips, eines der Produkte, mit denen weite Bevölkerungskreise krank gemacht werden, oder engagieren sich für Nussnougatzuckerschmiere, die bei Heranwachsenden für bleibende Schäden sorgt.

Und wer ist schuld? Die europäische Fußballmafia mit dem Präsidenten von zypriotischen Schwarzgeldgnaden. Und dieses ganze Dreckspack, das UNS SYSTEMATISCH den Fußball KLAUT! Über eine solche Scheißveranstaltung möchte ich nicht berichten. Danke für eure Aufmerksamkeit.“

Stand: 8. Juni 2012


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3 Gedanken zu „Damals: Eine wüste Wutrede gegen die Kommerz-EM 2012

  • Damals wie heute aktuell. Nur, dass heute alles noch schlimmer ist. Und morgen?🤢🤮🤮

    Antwort
  • Mit dem Lesen dieser Zeilen habe ich gerade 2 Minuten meines Lebens vergeudet.

    Antwort
    • Mit dem Freigeben dieses sinnlosen Kommentars habe ich gerade sogar 2,5 Minuten vergeudet.

      Antwort

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