Darmstadt vs F95 2:1 – Das Wunder blieb aus
In einem richtig guten Spiel der Fortuna mussten sich die Jungs am Ende gegen die Darmstädter doch noch geschlagen geben.
Bericht · Fußball ist grausam. Oder um im Kommentatorenjargon zu bleiben: „Das sind die Geschichten, die der Fußball schreibt.“ Da durfte unser Jordy endlich, endlich, endlich mal in der Startelf auflaufen. Dann köpft er den Ausgleich. Und wenige Minuten danach muss er verletzt vom Platz. Armer Jordy! Zum Glück war Jesper Daland trotz heftig verbundenem Arm einsatzfähig; andernfalls wären größere Umstellungen, also vermutlich auf Viererkette, nötig gewesen. Und wer weiß, ob unsere geliebte Fortuna gegen das Spitzenteam aus Darmstadt dann so dominant hätte auftreten können. Zweimal gab’s den üblichen Defensivhühnerhaufen, zweimal lochten die Lilien ein. Weil aber unsere Offensivkräfte das Ding trotz einiger dicker Chancen nicht in die Kiste brachten, gab’s dann doch die erwartete Niederlage. Bitter … [Lesezeit ca. 8 min]

Ähnlich wie gegen Schalke und Elversberg war die Niederlage gegen den SV Darmstadt 98 eingepreist; am Böllenfalltor zu gewinnen, wäre ein Fußballwunder gewesen. Auch angesichts der Unsicherheiten, was die Krankheits- und Verletztenliste anging. Zum Glück blieb die Zahl der Ausfälle klein, sodass beispielsweise Familienvater (Er betont das immer wieder.) Kastenmeier problemlos antreten konnte. Um das inzwischen einigermaßen bewährte System aufrechterhalten zu können, blieb Chefcoach Anfang beim 3-4-1-2 und holte anstelle von Jesper Daland unseren Jordy de Wijs in die Abwehrreihe. Darüber freuten sich die vielen Fans, die ihn bei jedem Warmlaufen bei Heimspielen frenetisch feiern.

Auf die rechte Schiene setzte Anfang Emma Iyoha, der schon bei seinem Kurzeinsatz gegen Münster ansteigende Form zeigte und auch gestern überzeugte. Nur eine Sache müssen wir einfach beim ihm akzeptieren: Emma kann keine Tore schießen – isso. Weil der wieder kämpferisch und läuferisch starke Anou El Azzouzi nur ein brauchbaren Fuß hat, sieht bei ihm die Wahrscheinlichkeit, Buden zu machen, auch nicht besonders hoch aus. Das bewies er in der 53. Minute, als er aus kurzer Entfernung, natürlich mit rechts, aufs Tor ballerte. Hätte er auch links Schusskraft und -technik, hätte er vielleicht anders zielen können. Okay, Lilien-Keeper Schuhe machte es in dieser Situation richtig, wie er auch in zwei, drei weiteren Fällen perfekt reagierte und gute F95-Chancen zunichtemachte.

Aber wer soll denn sonst die bitter nötigen Hütten machen – außer Cedi Itten? Eigentlich zählt Florent Muslija zu den potenziellen Kanonieren, nur macht er sich viele Chancen durch unnötiges Dribbeln selbst kaputt. Chris Rasmussen? Hat auch eine Trefferallergie. Dito Zan Celar, der in dieser Hinsicht nach drei Buden im Testspiel nicht einmal Torschüsse hingekriegt hat. Ob Jordi „Pauli“ Paulina es besser kann, wird man sehen – gestern kam er in der 90. Minute rein und blieb unauffällig. Blieben ja noch Fernschüsse. Tim Oberdorf probiert es einmal, auch El Azzouzi, und vermutlich wäre Satoshi Tanaka der erfolgreichste Distanzschütze, aber der kam gestern nicht dazu.

So bleibt es beim allergrößten Manko des Kaders 2025/26 der einst glorreichen Fortuna: Es fehlen Kicker mit dem berühmt-berüchtigten Torinstinkt. Auch wenn die von Matchfacts und Opta ermittelten xGoals-Werte gut aussehen und die Fortuna mehr Schüsse auf Schuhens Kasten abgab: Die Lilien brauchten eben nur zwei Chancen, um zu gewinnen. Deshalb blieb das Wunder aus, denn F95 war über alles gesehen das dominante Team. Beeindruckend vor allem, wie gut Markus Anfang, seine Co-Trainer und die Videoanalysten die Grundstrategie der Darmstädter verstanden und ihre Burschen darauf eingestellt hatten. Denn die konnten ihr spezifisches Spiel nie durchsetzen. Und so sah die Partie nicht nach der Begegnung zwischen einem Aufstiegsaspiranten und einer Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft, aus.
Kann sich keiner was für kaufen, und wir können froh sein, dass es auch Bielefeld, Braunschweig und Kiel verkackt haben an diesem Spieltag. Ja, verdammt, es sind nur zwei Punkte vor dem Relegationsplatz und fünf Zähler bis in die obere Tabellenhälfte, also dürfen sich die Jungs in den nächsten Wochen kein Scheißspiel wie gegen Münster mehr erlauben und müssen Überlegenheit wieder in Siege umsetzen.
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Ein Rätsel bleibt dem Ergebenen Shinta Appelkamp. Manchmal spielt er brillant, manchmal kann man nicht einmal sagen, ob er auf dem Platz stand. Gestern war es irgendwas dazwischen. Auch er hatte mal wieder Chancen, zwei fette sogar, die dieser Schuhen aber vereitelte. Die Zusammenarbeit mit Itten klappt ganz gut, bei der Kooperation mit Muslija ist aber noch Luft nach oben. Apropos: Cedi Itten kann einem leidtun, denn der versucht inzwischen immer konsequent im Strafraum anspielbar zu sein, kriegt aber viel zu selten die Pille.
So ging die meiste Gefahr von den Eckbällen, für die Mukki Muslija zuständig ist, aus. Der hat eine Geheimsprache entwickelt, die von den Experten in der Retematäng nicht komplett entschlüsselt werden konnte. Kreuzt er die Arme, scheint das zu bedeuten, dass er das Ei hoch in die Zentrale bringt. Hebt er beide Arme, kommt der Ball eher flach und kurz. Was er sagen will, wenn er nur eine Flosse hebt, hat die Runde nicht herausgefunden.

Die staunte mit offenem Mund über die Art und Weise, wie unsere Jungs in die Partie gingen: Mutig nach vorne, ballsicher und konzentriert. Auf die kalte Dusche in der 7. Minute war dann niemand vorbereitet. Erst hat Lidberg das Ei, dann gibt er halbrechts auf Richter. Bis dahin sieht das alles noch harmlos aus. Aber niemand hindert den äußerst unsympathischen 98er an einer Flanke in den Fünfmeterraum. Dort rennt Hornby genau in den Raum, den unsere Dreierkette nur halbherzig abdeckt. Er fliegt und hämmert die Kugel per Kopf halbhoch und unhaltbar ins Gehäuse. Mist! dachten die Zuschauenden, geht das schon wieder so los?
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Pustekuchen! Im Gegensatz zu sonst steckten die 95er diesen Tritt in die Eier umgehend weg und machten offensiv da weit weiter, vo sie vor dem 1:0 aufgehört hatten – mit kontrolliertem Druck. Ein abgeblockter Ball führt in der 12. Minute zur Ecke. Muslija kreuzt die Arme, alle Mann (außer Tanaka) in der Box, Jordy schafft sich robust ein bisschen Platz, und dann steigt der alte Mann von allen am höchsten und köpft Richtung linkem Pfosten; das Ei wird von seiner Schulter ein bisschen abgelenkt, aber die Pille ist drin – Ausgleich!

Im Prinzip machte es richtig Spaß, der Fortuna zuzuschauen. Aber dann der Jordy-Schock. Und fast gleichzeitig wälzt sich Muslija auf dem Rasen. Die Lilien bringen Härte ins Spiel, aber Schiri Bacher hat das Ganze unter Kontrolle. Wie er überhaupt souverän und gerecht pfiff. Nur die rote Karte gegen Daland … dazu später mehr. Immer wieder gehen die Darmstädter auf die Knochen, und der blaue Typ mit dem Reichsadler im Nacken versucht sich offensichtlich im Dirtytalk. Und gerät in der 29. Minute an den Falschen, denn Mukki lässt sich das nicht gefallen. Bacher hat Mühe, die Kämpfer zu trennen, und im weiteren Verlauf sieht man immer wieder, wie der eine den anderen zu provozieren versucht.

Dann sehen in der 40. Minute gleich drei Lilien gelb. Lidberg war beim Gegenpressing zu heftig, dieser Richter mischt sich ein, und als auch 98-Trainer Kohfeldt lautstark meckert, kriegt er ebenfalls den Karton. Bemerkenswert übrigens, dass der Referee keinem Fortunen über die gesamte Spielzeit eine Verwarnung erteilen muss. Erst in der 96. Minute sieht Daland rot … dazu später mehr.
Am Ende der ersten Halbzeit steht Fortuna in den relevanten Statistiken ein wenig besser da als die Hausherren. Optisch aber hatten sie über 45 Minuten das größere Gewicht. Wann hatten wir das zuletzt? Auch Vizekäpt’n Oberdorf hatte daran einen Anteil, weil er nicht so phlegmatisch agierte wie zuletzt. Tana Tanaka kämpfte wie gewohnt, trug aber weniger zum Spielaufbau bei wie bei seinen letzten Einsätzen. Während die Burschen von Trainer Anfang in Sachen Ballbehauptung und -eroberung punkteten, blieb die Passquote unterdurchschnittlich, sodass dort am Ende nur eine 80 (Opta) beziehungsweise 79 (Matchfacts) stand.

In der Pause kam Valle Lunddal für den erschöpften Lenzer (der unter der Woche ebenfalls erkältet war); folglich wechselte Emma auf die linke Schiene, während rechts nun Lunddal für den Vortrieb auf dem Flügel sorgen sollte. Stattdessen hatte er defensiv mehr zu tun, sodass auf dieser Seite offensiv weniger passierte. Die Debatte mit Richter schien Muslija aufgestachelt zu haben, denn der wurde in der zweiten Halbzeit zum Fortunen des Spiels – wenn Agilität und Kampfeswillen ein Hauptkriterium sind. Ansonsten findet der Ergebene die Notenvergabe in der schwarzgelben Boulevardzeitung skandalös – und das nicht nur in Bezug auf das Darmstadtspiel.
Zwischen dem Wiederanpfiff und der 60. Minute erhöhen die Lilien sukzessive den Druck, ohne aber etwas am Spielplan zu ändern. Und auch weiter gelingt es der Fortuna, deren spezifisches Spiel zu behindern, sodass ernsthafte Torchancen für die Gastgeber selten bleiben. Den gefürchteten Lidberg haben sie unter Kontrolle, in der 67. Minute geht der eh raus. Fortuna hält aber dagegen, und in dieser letzten halben Stunde haben sie wieder mehr Torschüsse abgefeuert als die Darmstädter. Nie sah es so aus, als würden sie auf das Halten des Unentschieden spielen – der Mut und der Willen blieben hoch.

Ja, eigentlich waren die Fortunen dem Sieg näher als der zwischenzeitliche Tabellenführer. Die Leute in der Retematäng waren sich sicher: Sie können gewinnen! Wobei es ab etwa der 85. Minute so aussah, als würde es beim 1:1 bleiben. Inzwischen war Soto Sotiris für den ausgepumpten Satoshi Tanaka gekommen. Und dann passiert’s in der 88. Minute doch noch. Ecke Darmstadt. Hoch in den Fünfer. Ein Blauer steigt am höchsten. Hat viel zu viel Platz, eingeräumt vor allem von Tim Oberdorf. Kastenmeier chancenlos. 2:1 …
Entsetzen unter den Menschen im Darmstädter Stadion und überall in Düsseldorf, die es mit der Fortuna halten. Verflucht, ist das ungerecht! Gut gespielt und doch verloren. Es ist zum Kotzen. Ja, Leute, Fußball kann so grausam sein. Und doch waren viele F95-Fans nach dem Schlusspfiff eher deprimiert als enttäuscht oder wütend. Hat einfach endlich mal wieder Spaß gemacht, unseren Jungs bei der Arbeit zuzuschauen. Und die Aussichten für den Rest der Saison sind nicht schlecht, wenn man die Leistung der Mannschaft als Maßstab anlegt. Nur in Sachen Knipser muss sich dringen was tun. Ganz dringend.

Und dann war da noch der Depp des Tages namens Jesper Daland. In der 96. Minute soll unser Däne einwerfen. Ein Darmstädter baut sich störend nah for ihm auf und Jesper hält ihm darauf den Ball mit ausgestreckten Armen ins Gesicht. Schiri Bacher wertet dies auf den Rat seines Linienassis als grobe Unsportlichkeit und erteilt Daland den Platzverweis. Der beteiligte Darnstädter sieht gelb. Okay, Jesper war ohnehin stark unter Dampf und neigt ja eh zu wildem Handeln, aber so etwas in dieser Situation zu veranstalten, ist so blöd, blöder geht’s kaum. Andererseits findet der Ergebene, dass Bacher mit Fingerspitzengefühl in dieser Situation am Besten gar nichts gemacht hätte. Aber, egal …
Und so muss es am Freitagabend hoffentlich Bochun ausbaden, dass der Fußballgott mal wieder nicht auf der fortunistischen Seite stand, dass die Jungs mal wieder mehr Pech als Glück beim Toreschiessen hatten. Drei Punkte gegen die Ruhrpöttchen wäre prima und würden F95 weiter vom Tabellenende wegschieben und näher dran an den zehnten Platz, den der Ergebene hiermit als Zielmarke für diese Saison ausruft.
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Wir machen ein gutes Spiel und verlieren das völlig unverdient. Das wiederholt sich und setzt sich in den Köpfen fest. Die ständigen Aussagen von Anfang und Mislintat … wir haben eine gute Entwicklung, wir waren wieder die bessere Mannschaft, etc. finde ich bei der Tabellensituation und den Ergebnissen, extrem gefährlich und nicht die richtige Botschaft. Den Kader oder die Offensive „Torgefährlicher“ zu machen, haben wir im Winter Transferfenster leider verpasst (Mislintat?). Wir spielen für mich leider weiterhin ohne gefährliche Außenstürmer. Die Aufstellung von Shinta (Mehrwert) kann ich nicht nachvollziehen. Nach wie vor, niemand der ein Tor schießen kann. Das Gegentor zum 2:1 geht für mich auf die Kappe von Kastenmaier, ein guter Zweitliga Torhüter kommt da im 5er raus. Eh sehr auffällig das Kastenmaier auch bei keiner Ecke, etc. so gut wie nie die Torlinie verlässt. Aber das sieht auch keiner.
Kastenmaier scheint tatsächlich bei ruhenden Bällen wie auf der Linie festgeklebt, und ich frage mich schon lange, ob das wirklich ein grundsätzliches Torwart-Verhalten von heute ist. Ich sehe da z.B. noch einen Rensing ganz anders vor mir, der ja nicht gerade Überlänge aufweisen konnte.
Ich bin sicher, der Ergebene kann uns da weiterhelfen …
Genauso ist es. Vorne so harmlos wie ein Pfund Butter in der aufgeheizten Sauna, hinten leider oft einen Klops zu viel. Kaste muss den wegfausten und ein Azzouzi darf nicht gegen die Ecke Mondamin stehen.
Natürlich ist Cedi Itten der einzige der Torgefahr ausstrahlt, aber wenn dem so ist, warum versucht man es nicht mal mit nem 2. Stürmer (Celar). Oder jetzt auch evtl jetzt mit Paulina oder falls endlich einsatzfähig Ljubicic.
Ansonsten denke ich auch, daß Flo beim 2. Gegentreffer hätte nicht auf der Linie hätten kleben bleiben müssen.
Alle Kräfte auf Freitag kompensieren
95 Ole
👍
Am oder im 5-Meter-Raum darf kein Gegenspieler zum Kopfball kommen, Herr Kastenmeier!!! Strafraum-Beherrschung sieht anders aus. Und wenn die Innenverteidiger nicht zur Stelle sind, dann hat eben der Torwart den Ball zu fangen bzw. wegzufausten.
Daland ist Norweger , kein Däne…aber ist auch egal.