Vorbericht: F95 vs Hoffenheim II – Jetzt mal in Bestbesetzung antreten
Am Samstag muss die sich immer noch verändernde Fortuna der Saison 2026/27 gegen die sogenannte Zweitvertretung aus Hoffenheim ran … um die Niederlage gegen Mannheim auszubügeln.
Analyse · Ehrlich, irgendwie kann der Ergebene diesen Trainer-Jargon in den Pressekonferenzen nicht mehr hören. Der hat mit dem, was wir Fan sehen und besprechen nichts mehr zu tun. Und das richtet sich definitiv nicht gegen unseren Chefcoach Alex Ende, denn bis auf ein paar richtige Trainertypen labern die inzwischen alle so. Da ist von Prozessen die Rede, und ständig fällt das doofe Modewort „energetisch“. Dass Ende keine Aufstellung verrät, geht in Ordnung, dass er aber rundum die von ihm gewählte Startelf in Mannheim kein bisschen Selbstkritik zeigt, ist schon schade. [Lesezeit ca. 5 min]
Andererseits: Ein Trainer, der erst kurz an Bord ist und auch noch einen völlig neuen Kader aufbauen muss, wird immer darauf achten müssen, ein Sozialgefüge zu basteln, das ihm seinen Einfluss sichert. Ende tut das, indem er unter anderem auf Kicker setzt, die er schon kennt. So hat er mit Käpt’n Hendrix, Yassine Bouchama und Marcel Benger schonmal drei potenzielle Unterstützer im Team. Ob er die aber auch um jeden Preis aufstellen muss, ist die Frage. Zumal gemunkelt wird, dass Spätzugänge wie eben Benger, aber auch Philipp Förster und jetzt Andreas Müller denjenigen, die in der Saisonvorbereitung oft oder immer gespielt und gut ausgesehen haben, ein bisschen auf die Laune drücken. Wenn aber – und das eine Lehre aus der verkorksten Vorsaison mit den vielen Einzelkämpfern – die gute Stimmung untereinander, der Zusammenhalt wichtig ist, dann muss Trainer Ende auf solche Effekte sehr genau achten.
Das Gegnerporträt
So ganz klar, welche Rolle die U23 der TSG Hoffenheim in Bezug auf deren Erstligamannschaft spielt, ist schon seit deren Aufstieg in Liga 3 vor zwei Jahren nicht. Eine reine Ausbildungstruppe ist das nicht, eine Art Farmteam ebenfalls nicht. Und dass sie jetzt den ewigen Gjasula geholt haben, erklärt sich auch nicht so leicht. Vielleicht ist es so ähnlich wie damals, als der SC Freiburg seine zweite Mannschaft in die dritte Liga brachte, einmal Zweiter wurde, um dann zu verglühen. Aber, es ist nicht unsere Sachen, sich Gedanken über die Zweitvertretung des immer noch ungeliebten Produkts von Milliardär Hopp zu machen.
Über die meisten Spieler lässt sich ebenso wenig sagen wie über Trainer Kleineheismann, der ja in Schweinfurt noch 2020 aktiver Spieler und dann bei drei verschiedenen Clubs Co-Trainer war. Und in der vergangenen Drittligasaison hielten sich Hoffenheimer auch nicht besonders gut. Das 3:2 gegen Saarbrücken im letzten Saisonspiel war schon der größte Erfolg der Truppe. Dass sie ausgerechnet ihr vermutlich größtes Talent, den 19-jährigen Mittelstürmer Zeitler, an den SC Paderborn verliehen haben, muss man auch erstmal verstehen.
Kleineheismann lässt mit Viererkette und einer Spitze spielen und setzte bisher immer auf schnelles Umschaltspiel, was sich bei seinen teilweise superschnellen Kickern auch anbietet. Ob die Defensive, die 2025/26 die drittmeisten Tore der Liga kassiert hat, dieses Jahr sattelfester arbeitet, wird sich herausstellen. Wär ja schön, wenn die Fortuna genau dieses mit mehreren Buden herausfinden könnte.
Die Fakten:
Tabelle:
| Platz | Verein | Spiele | S | U | N | Punkte | Tore |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 12. | Hoffenheim II | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 2:3 |
| 14. | Fortuna | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1:2 |
F95: Hamza Anhari und Eli Egouli
Hoffenheim II: 5 Spieler
Info:
Samstag, 15. August 2026, 14:00 in der LTU-Arena
Schiri: Martin Wilke (29): Hat Fortuna noch nie gepfiffen.
TV: Magenta TV (€), Onefootball (€)
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Spielplan, System, Aufstellung
Kaum ein „moderner“ Trainer lässt sich in den Pressekonferenzen vor einer Partie über den Spielplan aus. Auch Alex Ende beantwortete die entsprechende Frage mit Floskeln. Oder allgemeinen Aussagen wie „Verhindern, dass der Gegner hinter die Kette kommt.“ Dafür muss man ihm die Systemfrage nicht stellen, denn das rautengeschmückte 4-4-2 steht fest. Wobei: Der Charme dieser in den 80ern und 90ern fast durchgängig angesetzten Grundordnung liegt in der Variabilität – insbesondere, was die spezifischen Aufgaben der vier Mittelfeldkollegen angeht. Von denen kann hinter dem Ball (also bei Angriffen) einer zum dritten Stürmer werden, und jeweils einer der beiden Jungs außen wird situativ entweder zum klassischen Außenstürmer oder zur Verstärkung der verteidigenden Viererkette. Vor dem Ball (also in der Verteidigungssituation) rückt der defensive Sechser gern mal in die Viererkette, während eine der beiden Spitzen den defensiven Mittelfeldblock verstärkt.
Diese Flexibilität zu beherrschen, verlangt von den Kickern eine Menge Spielintelligenz und funktioniert in eingespielten Teams am besten. Was meist dazu führt, dass Trainer, die so spielen lassen, den Aufbau einer möglichst festen Stammelf fördern. Was wiederum bedeutet, dass ein 4-4-2 mit Raute mit einem neuen Kader gewisse Risiken mit sich bringt. Das ist bei der Fortuna der Saison 2026/27 aktuell auch sichtbar.
Die beste Nachricht zum Spieltag ist, dass Käpt’n Hendrix nach seiner Rotsperre wieder an Bord ist und ganz sicher in der Startelf stehen wird. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das beim spannenden Neuzugang Andreas Müller nicht der Fall sein. Allerdings ist es einigermaßen wahrscheinlich, dass er im Kader steht und dann vermutlich auch eingewechselt wird. Mit ihm ist der Top der Mittelfeldspieler bestens gefüllt, was zu Lasten von mindestens zwei Kollegen gehen wird, die sich in der Vorbereitung gut geschlagen haben. Angesichts seiner Jugend wird, das fürchtet der Ergebene, Elias Arden einer davon sein, obwohl er in Mannheim nach seiner Einwechslung wieder ein absoluter Aktivposten war.
Wenn Müller noch nicht spielt, wer wird dann die defensive Spitze der Raute besetzen? Schwere Frage, am ehesten käme Zimbo Zimmermann in Frage, zumal klar ist, dass ihm auf der rechten AV-Position Stevie van der Sloot vorgezogen wird. Nominell könnte auch Marcel Benger den Defensivsechser machen, was der Ergebene angesichts von dessen Leistung in Mannheim und der fehlenden Trainings- und Spielpraxis ablehnt. Apropos: Angeblich war Kaden Amaniampong im Training viel besser als der erfahrene Sasch Risch und kam deshalb in die Startelf. In der Partie selbst zeigte er deutliche Schwächen, sodass der Ergebene für Sasch Risch als linkem AV plädiert.
Dass wieder Eric Hottmann und Knipser Schleusener als (ausgesprochen variabel agierende) Doppelspitze beim Anpfiff auf der Wiese stehen, dürfte feststehen. Der Ergebene fordert aber unmissverständlich, den beiden unser Supertalent Anas Slimani als Zehner mitzugeben. Und wenn es nur die Dynamik ist, die der gute Anas auf den Platz bringt, allein das wäre es wert. Weil Käpt’n Hendrix ziemlich sicher die linke Zacke der Raute besetzt, bleibt nur eine Position offen: sein Gegenstück auf rechts. Und hier fleht der Ergebene den Coach an, sich für Elias Arden zu entscheiden, der mit jedem Spiel besser wird und in den Testspielen prima mit Käpt’n Hendrix harmoniert hat.
So sicher wie einst bei Flo Kastenmeier ist es anscheinend bei Lasse Rieß nicht, dass er automatisch Tormann des Spiels wird. Es war ja nicht nur sein Baseballkappen-Fehler gegen Mannheim, der Zweifel an ihm laut werden ließ, sondern einige Unsicherheiten und die Mängel beim Spielaufbau. Ganz ehrlich: Der Ergebene war etwas enttäuscht, als man Rieß dem jungen Louis Lord vor die Nase setzte, der ihm in den Testspielen sehr gut gefallen hat und den er dem Leihkeeper aus Mainz für ebenbürtig hält.
Ein Wort noch zum blutjungen Schiri Wilke (29), der seine dritte Drittligasaison pfeift. Der gilt als enorm strenger Referee, bei dem die gelben und roten Karten recht locker sitzen und der gern auch mal umstrittene Elfer gibt. Andererseits lässt er bei Körperkontakten viel laufen, was einen ordentlichen Spielablauf garantiert. In der vergangenen Saison verkackte er die Partie zwischen den 60ern und Aachen völlig und handelte sich die Kicker-Note 6,0 ein. Wilke ist sicher keiner, mit dem Dominique Heintz öfter diskutieren sollte,
Der Tipp
Wie immer kalkuliert der Kopf recht nüchtern, glaubt nicht an ein Zu-Null, aber an zwei bis drei fortunistische Hütten, was ihn zu einem 3:1 bringt. Das sieht das Herz ähnlich, entscheidet sich mit seinem typischen Überschwang gar für ein 4:0 mit drei Schleusener-Toren. Der Bauch, noch immer halb im Sommerschlaf, wacht kurz auf und brummt ein 3:0 in die Runde.

Wie wär’s? Ein Stadion‑Alt (5,50 €)
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