F95 vs Stuttgart 1:0 – Na, geht doch!
Am Freitagabend gewann die neuformierte Fortuna völlig zu Recht gegen die schwache Zweitvertretung des VfB Stuttgart.
Bericht · Es gibt zwei Möglichkeiten, in einem Fußballspiel gut auszusehen: durch spielerische Brillanz oder durch starken Kampf. Bei Erfolg spricht man bei Letzterem gern von einem „Arbeitssieg“ – sonst wäre es ja Kunst. Zu Brillanz und Kunst ist die Fortuna der Saison 2026/27 (noch?) nicht in der Lage, also muss es der Einsatz bringen. Und zwar besonders beim Kampf um den Ball. Und wenn gestern etwas herausragte, dann das Zweikampfverhalten der Jungs in Rot und Weiß. Wie schon im Vorbericht betont: Erfolgreiche Ballbehauptung und Balleroberung sind absolute Erfolgsfaktoren. Alles andere kommt danach. Einem wahren (nicht wütenden) Fortuna-Fan konnte da das Herz aufgehen, wie schön da gepresst wurde, wie immer zwei oder gar drei Jungs auf den ballführenden Stuttgarter gingen und wie – allen voran Anas Slimani – mit der Pille am Fuß auch mal an drei Gegner vorbeigegangen wurde. Hat natürlich nicht immer geklappt, aber das war ja auch nicht zu erwarten. Offensiv ging auch schon deutlich mehr als in den ersten Partien der Saison, befriedigend war das aber noch nicht. Das schauen wir uns mal genauer an. [Lesezeit ca. 7 min]

Als die Aufstellung von den diversen Apps ausgerufen wurde, gab es zunächst Verwirrung, denn selbst die F95-App meldete NOAH Egouli als IV Nr. 2. War natürlich Eli, der nach seiner überstandenen Verletzung sogar solide durchspielte. Und natürlich ging auch wieder ein Stöhnen durch den Expertenpulk im 41er: Schon wieder Benger! Und wieder ohne van der Sloot und Arden! Einer meinte, dass Ende Louis Lord ins Tor und Anas Slimani in den Sturm gesteckt hatte, war seine Maßnahme zur Zufriedenstellung der Fans. Allerdings mussten die Coaches nicht nur den rotgesperrten Käpt’n Hendrix ersetzen, sondern leider auch auf Dominique Heintz und Jordi Paulina verzichten, die leichte Muskelprobleme zu beklagen hatten. Oha, nicht dass das wieder losgeht!
So richtig nach Alexander-Ende-Lieblings-Raute sah die Formation nicht aus, eher wie ein 4-1-3-2. Aber das ist eben der Charme der Raute, dass man sie nach Belieben verbiegen kann. Die diversen Portale stellt das vor Probleme. Die Spochtdienste haben anscheinend nicht nur Schwierigkeiten mit den Vornamen von Brüderpaaren, sondern denken sich bei der Darstellung der taktischen Grundordnung einfach was aus. Jedenfalls gab Marcel Benger wie gegen Freiburg den „Libero vor der Viererkette“ wie der Ergebene das schon zu Zeiten von Adam Bodzek so kreativ genannt hat. Heißt: Dieser „Libero“ macht bei Bedarf aus der Vierer- eine Fünferkette. Andreas Müller, der dem Ergebenen immer besser gefällt, spielte als klarerer Zehner, während die genaue Verteilung von Anas Slimani, Fabian Schleusener und Eric Hottmann nicht ganz so eindeutig war. Okay, der Eric agiert gern und wuchtig als Wandspieler, aber Fabian rochiert ein Stück dahinter auf beiden Seiten. Und unser wunderbare Anas? Der ist überall und nirgends, geht in jeden Zweikampf, den er auf zehn Meter Entfernung riechen kann und ist sich für kraftvolles Mitmachen in der Defensive nicht zu schade.

Dass Zimbo Zimmermann den Vorzug vor Steven van der Sloot erhielt, lässt sich auf zweierlei Weise erklären: Erstens durch seinen unermüdlichen kämpferischen Einsatz und zweitens, weil er in Abwesenheit von Jorrit Hendrix als Ersatzkäpt’n auf den Platz muss. Sicher, Zimbo ist nicht mehr der Schnellste, aber eben ein Kampfschwein. Als aber deutlich wurde, dass die Anfangsformation offensiv zu wenig brachte, kam dann eben doch Steven für Zimbo. In derselben 69. Minute brachte Alex Ende dann auch (endlich) Elias Arden für den dieses Mal annähernd fehlerfreien, aber unscheinbaren Benger, und der frisch geholte Erik Wekesser ersetzte probehalber Sascha Risch, der dieses Mal wenig nach vorne brachte. Schon zuvor (63. Minute) fand der an den Rippen angeschlagene Andreas Müller in Philipp Förster Ersatz. Bei dem weiß der Ergebene nicht so recht, manchmal sieht man kurz fußballerisches Können aufblitzten, aber anscheinend ist er immer noch nicht so weit, das Team voranzubringen.

Ach so, ja, den guten Yassine Bouchama hätte der Ergebene beinahe vergessen, obwohl er ihn für einen der drei besten Fortunen hielt. Gut vor allem, dass der überhaupt nicht an seiner Position auf der rechten Seite klebt, sondern die Flexibilität der Mittelfeldstruktur am besten versteht, mal rübergeht, mal mit nach vorne, und auch hinten situativ mithilft. Leider hat irgendeine Art offensiver Kooperation mit ihm weder mit Zimmermann noch mit van der Sloot stattgefunden, sodass der rechte Flügel immer harmlos blieb – daran muss sich dringend was ändern.
Louis Lord (TW); Tim Oberdorf und Elias Egouli (IV), Zimbo Zimmermann (69. Steven van der Sloot) und Sascha Risch (69. Eric Wekesser) (AV); Marcel Benger (69. Elias Arden), Yassine Bouchama, Andreas Müller (63. Philipp Förster), und Anas Slimani (78. Jomaine Consbruch) (Mittelfeld); Eric Hottmann und Fabian Schleusener (Sturm).
Die Fortunen begannen konzentriert und angriffslustig, sie standen hoch und den Stuttgartern schnell auf den Füßen, wenn die mal was versuchten. Dem Ergebenen schien es so, als sei deren Kader extrem unausgeglichen; lediglich zwei von denen sahen so aus, als könnten sie in nächster Zeit mal in die erste vom VfB kommen. Wobei der schnelle Malanga auf dem linken Flügel so ein klassischer Schönspieler ist, von dem kaum Gefahr ausgeht. Bester Mann dieser Zweiten war eindeutig Torwart von der Felsen, der gerade in der ersten Halbzeit einiges entschärfte, was von Düsseldorfer Füßen auf ihn zu kam.

Tja, aber woran hat’s gelegen, dass aus dreizehn Schüssen (davon acht in der ersten Halbzeit) nur eine Bude und der dazu passende xGoals-Wert von 1,09 entstand? Mögliche Ursachen: a) keiner kann gefährliche Fernschüsse, b) Flanken in den Sechzehner und Ecken (fünf davon in Hälfte 1) kamen immer nach demselben Muster, c) gleich fünf der Torschüsse in der ersten Halbzeit wurden durch Stuttgarter Körperteile geblockt und d) wenn das Ei in Torliniennähe frei war, schaffte es kein Fortune, das Ding ins Gehäuse zu stochern. Also, nichts Prinzipielles. Dafür fiel das 1:0 in der 59. Minute aber auf wirklich schöne Weise und als direkte Folge des durchgehend guten Zweikampfverhaltens. Dieses Mal ist es Yassine Bouchama, der die Pille ohne abzusetzen direkt aus einem Zweikampf zu Andreas Müller bringt. Der kommt rechts in den Strafraum, tanzt einen VfBler aus und schiebt die Kugel total cool am Kepper vorbei über die Linie.
Menschen machen Fehler. Schreiber:innen sind Menschen, also machen sie Fehler. Und Schreiber ohne großes Team hinter sich – wie der Ergebene – machen natürlich auch Fehler. Wer einen Fehler im Text entdeckt, meldet ihn bitte auf einem der bekannten Wege:
kontakt@fortuna-punkte.de
Kontaktformular
Falls wirklich etwas Falsches im Beitrag stand, korrigieren wir es umgehend.
Meckerei gab es unter den Fortuna-Anhänger:innen nach dem Pokalspiel gegen Freiburg, weil etliche Dauerkartenbesitzer leere Plätze anderer Dauerkartenbesitzer wahrgenommen hatten. Wenn die DK-Leute nicht mal kommen, dann gute Nacht, Marie. Sie vergessen dabei, dass Dauerkarten für Pokalspiele nicht gelten. Aber egal. Gestern waren es offiziell 25.805 Anwesende, was bedeutet, dass über die 19.000 DK-Besitzer hinaus 6.800 Menschen kamen – ob überhaupt fünf Stuttgarter Nasen da waren, wo doch deren Erste sich fast zeitgleich von den Scheißbayern verprügeln lassen mussten, bleibt ungeklört. Der Ergebene findet diese Besucherzahl nicht schlecht und ist sich sicher, dass wieder mehr Düsseldorfer kommen werden, wenn die Fortuna besser spielt und siegt. Wichtig wird’s am 12. September, wenn die Streifenesel aus Duisburg auflaufen, die ja aktuell in der dritten Liga unschlagbar zu sein scheinen. Der MSV wird ganz sicher mindestens 12.000 Leute mitbringen, da wäre es doch super, wenn dreimal so viele Freunde der Fortuna kämen.

Wer schon seit der Eröffnung der Spielautomatenarena am 10. September 2004 dabei ist, wird sich an Partien in der Regionalliga (damals die dritte Ebene im deutschen Fußball) erinnern, bei denen sich kaum mehr als 10.000 Zuschauende in der „Villa Kunterbunt“ verliefen, zum Beispiel beim 1:0 gegen die Offenbacher Kickers am 29. Oktober 2008. Das war oft öde. So wie gestern ist es schon fast kuschelig, Gedränge auf dem Bahnsteig beim Abtransport gibt’s kaum, und in den Umläufen wird man nicht angerempelt. Ist halt dritte Liga – der Unterschied zu Liga 2 ist in dieser Hinsicht viel größer als erwartet. Und, ja, Fortuna muss sparen. Dass aber vor Anpfiff die exakt selbe Playlist vom Band lief wie vor dem Pokalspiel, ist schon fast peinlich.
Die Stümmung war prima, auch wenn die Ultras wieder ein paar Mal in den Schlafwagenmodus verfielen; lauter, situativer Support wurde meist vom 160er oder aus den Blöcken 40 bis 43 angestimmt und dann von den Ultra-Gruppen übernommen. So kann das gut weiter gehen.
oder per Paypal an ergebener@fortuna-punkte.de senden.
Ja, was denn nun mit den Wunschspielern der Fans? Louis Lord hatte wenig zu tun und lieferte eine fehlerfreie Partie. Auch seine Pässe und Abschläge kamen schon ein bisschen besser. Die Experten im 41er sehen keinen Grund, ihm den Posten als Torwart Nr. 1 wieder wegzunehmen – bitter für Leihkeeper Lasse Rieß, der doch bei uns den nächsten Karriereschritt gehen wollte. Wobei übrigens das Gerücht aus gewöhnlich gutinformierten Kreisen aufkam, man habe Milan Czako vor der Saison versprochen, er wäre die Nummer 2 im Tor, von einem Konkurrenten wie Rieß war gegenüber ihm wohl nie die Rede.
Ach, es ist immer wieder eine Freude, Anas Slimani spielen zu sehen! Der war dem Ergebenen in den Vorbereitungsspielen schon aufgefallen, und er hätte gedacht, dass der gute Anas gleich bei Saisonbeginn Stammspieler würde. Überhaupt: Wie viele andere Fans sah er eine Horde junger Wilder kommen, die mit Freude und Engagement die Liga aufmischen. Also, neben Slimani und Elias Arden auch Hamza Anhari (leider verletzt), Kilian Sauck, Jordi Paulina, Felix Meiser und Lukas Eixler. Es hieß ja, erstmal kämen Ankerspieler, und diese Versprechen wurde mit Käpt’n Hendrix, Dominique Heintz und Fabian Schleusener eingelöst. Aber dann kamen immer mehr „erfahrene“ Kicker, die den Youngstern die Plätze wegnahmen. Okay, Yassine Bouchama und Andreas Müller sind ganz sicher echte Verstärkungen, aber bei den anderen weiß man nicht so recht.
Wahrscheinlich geht es aktuell aber darum, die richtige Mischung zu finden. Das sah gestern erst ab der 69. Minute so aus. Was aber auch bedeutet, dass die Kritik an Ende noch kein Ende gefunden hat, nur weil schwache Stuttgarter mit gerade einmal 1:0 geschlagen wurden. Da muss mehr kommen, will er seinen Job behalten. Nächste Gelegenheit gibt es kommenden Sonntag in K*** bei der falschen Fortuna, die heute mühsam in Verl gewonnen hat. Nur ein Sieg würde auf das Konto von Alexander Ende einzahlen, da ist sich der Ergebene sicher.
oder per Paypal an ergebener@fortuna-punkte.de senden.
Entdecke mehr von Fortuna-Punkte
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.





Sachlich und fachlich, wie immer, o.k.. Gegen eine wirklich ganz schwache U 23 von Stuttgart ein minimalistisches 1:0, Chancen für ein 4:0, Effizienz?
Van der Slot draußen und Benger drinnen, geht gar nicht. Zimbo oder Arden für Benger und Slot für Zimbo hinten rechts. Benger kann hon und wieder, wie gestern, solide aber ihm fehlt jegliche fussballerische Inspiration, die ein Arden hat, ein Slimiani sowieso- eine Augenweide.
Der viel zu knappe Sieg freut jedes rot-weisse Fortuna-Herz. Warum man gegen harmlose Stuttgarter in Halbzeit 2 derart in den Verteigungsmodus schaltet, ist mir unbegreiflich. Dieser Trainer ist mir ein Rätsel und wird eines bleiben. Jetzt wird die Trainerfrage von Spiel zu Spiel bewertet und beantwortet. Wir sind Fortuna Düsseldorf und nicht TSVHavelse. Der Mannschaft fehlt derzeit die mentale Leichtigkeit die man nur hat wenn neben der erforderlichen und diesmal gezeigten Kampf, dass spielerische Element dominiert. Dass hat einer mit Bravour gezeigt: Slimiani! Da muss, ebenso in Sachen Effizienz, deutlich mehr kommen.
O.K., wir denken jetzt von Spiel zu Spiel, als einer der hoch gehandelten Favoriten. Ich bin mir nicht sicher ob wir bei der kölschen Fortuna gewinnen werden. Warum wohl? Spätestens am 12.09. kommt es gegen die Quergestreiften, im Strassenbahnduell, zum Showdown gegen ein ebenfalls hoch gehandeltes Team, den derzeitigen Spitzenreiter. Es gibt soviele Fussballweisheiten, z.B. die Saison ist noch lang oder am Ende wird abgerechnet. Ich hoffe immer noch, mit Ende fällt es mir verdammt schwer. Es würde mich freuen, wenn ich Unrecht habe.