Schalke vs F95 1:0 – Da war mehr drin
Samstagnacht musste sich die brave Fortuna dem verdienten Aufsteiger Schalke 04 geschlagen geben.
Bericht · Selten wurden die grundsätzlichen Mängel der Fortuna in der Saison 25/26 so deutlich sichtbar: diese Mischung aus haarsträubenden Fehlpässen, miserabler Balleroberung und unzureichender (Wie man heute sagt:) Boxbesetzung. Wenn dann auch noch – meist gar nicht so eklatante – Defensivwackler dazukommen, riecht alles nach Abstieg. Und das trotz einer bemerkenswerten Vorstellung beim Aufsteiger inklusive einer halben Stunde klarere Überlegenheit. Die Binsenweisheit dazu lautet: Wenn du keine Tore schießt, kannst du nicht gewinnen (sondern maximal 0:0 spielen). Dem Ergebenen wird immer klarer, dass die ganze Scheiße zu keinem Zeitpunkt an der schlechten Arbeit eines der Trainer lag – hätten wir Thioune behalten, wär’s auch nicht schlechter gelaufen. Was dem Kader auch gestern wieder fehlte: Mut, Frechheit, Aggressivität. Oder wie einer am Expertentisch in der Retematäng sagte: Wechsle den Sascha Rösler ein! [Lesezeit ca. 6 min]

Vor allem anderen: Ja, doch, der FC Schalke 04 ist völlig verdient aufgestiegen. Olle Frank Baumann hat für Ruhe und Ordnung gesorgt, Miron Muslic hat eine Mannschaft geformt und zum richtigen Zeitpunkte der Saison eine komplett neue Spielweise etabliert. Und trotz Meineid, Gazprom, Tönnies und diverser Korruptionsskandale ist Schalke eben ein (eingetragener!) Traditionsverein, der genauso in die erste Liga gehört wie die Bayern, der BVB, Gladbach, Werder, Stuttgart, Frankfurt, der HSV und, ja, doch auch der hässliche Äff-Zeh. Passen täten auch Hanoi, K’lautern, der Glubb, Hertha und natürlich die Fortuna. Plastik- und Werksclubs wie Leipzisch, Leverkusen, Wolfsburg und Hoppelheim können sich dagegen verpissen. Musste auch mal gesagt werden.
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Als der Ergebene eine Stunde vor Anpfiff auf diversen Kanälen die Aufstellung der Fortuna sah, fielen ihm fast die Augen aus dem Kopp: Breithaupt! Er hat tatsächlichen diesen Breithaupt in die Startelf gestellt! Ausgerechnet! Den Breithaupt! Auf die Sechs! Jede andere Lösung – zum Beispiel Zimbo neben Sotiris oder Oberdorf, selbst Heyer – hätte der Ergebene ertragen. Aber das! Und dann liefert Tim B. zu aller Überraschung eine solide Leistung ab. Nix Dolles, nur was Solides. Immerhin.

Wer dieses Mal die defensive Viererkette ins Wackeln brachte, war Vizekäpt’n Tim Oberdorf, der ohnehin in der ganzen Saison zu Bestform aufgelaufen ist und seit zwei Monaten sichtbar abbaut. Genau wie Eli Egouli wirkt auch der ältergediente Innenverteidiger deutlich überspielt. Wieder ein Fluch der ewigen Verletzungsmisere, dass es einfach keine halbwegs vernünftigen Alternativen für die beiden gibt. Leider war es auch der Lena ihr Bruder, der die Hauptschuld am einzigen Tor der Schmierfettblauen trug. Der versemmelte einen Pass auf ödeste Weise, aus dem Ballgewinn entwickelten die Gegner einen schnellen Angriff, und hätte derselbe Tim den Pass auf den späteren Torschützen nicht noch ein wenig abgefälscht, Kenan Karamalz hätte Käpt’n Kastenmeier nie überwunden. Schluss mit der Anklage.
Alle hatten in Gelsenkirchen auf die Zuschauenden eingeredet, um Fußballjotteswillen bei erfolgtem Aufstieg keinen Platzsturm zu inszenieren. Hat geklappt, aber auch dazu geführt, dass die Zahnlosen weitestgehend stocksteif dastanden und angefeuert haben wie ein Lauchchor. Die 6.400 in der Südwestecke der Rudi-Assauer-Memorial-Halle dagegen, die erleuchteten über weite Strecken das Spiel und hatten gerade in der zweiten Halbzeit die akustische Oberhoheit – bis dem Prekariat auf den Hausherrenplätzen klar wurde, dass es tatsächlich klappen würde mit dem Aufstieg.

Also, an den mitgereisten Fortuna-Freund:innen lag es nicht, weder an der Aufstellung noch an der taktischen Grundordnung oder dem Einsatzwillen der F95-Kicker. Wenn der Ergebene es mal küchenpsychologisch ausdrücken will, dann waren es die individuellen Ängste. Marin Ljubicic ist zweifelsfrei ein guter Fußballer, aber er hat offensichtlich eine Strafraumphobie. Mehr als einmal drehte er genau in dem Moment bei, in dem er hätte versuchen müssen, in den Sechzehner einzudringen. Oder diese Panik vor weiten Diagonalpässen, vor dem Öffnen der Räume. Da wurde dann wie zu Thiounes Zeiten lieber ein bisschen quer gespielt – und das betraf alle außer dem Lenzer. Meine Güte, was wäre möglich gewesen, hätte diesem Mann, den der Ergebene zu den besten Zweitligaspielern zählt, nicht immer wieder die Wade gezwickt!
Finde den Fehler: Menschen machen Fehler. Schreiber:innen sind Menschen, machen also Fehler. Und Schreiber ohne großes Team hinter sich – wie der Ergebene – machen natürlich auch Fehler. Deshalb unsere Bitte an alle: Wer einen Fehler im Text entdeckt, meldet ihn uns auf einem der bekannten Wege – z.B. per Mail an kontakt@fortuna-punkte.de oder über das Kontaktformular. Wir versprechen, falls wirklich etwas Falsches im Beitrag stand, bedanken wir uns nicht nur, sondern korrigieren es umgehend. Schönen Dank im Voraus!
Womit wir wieder bei der Verletztenmisere sind. Stellt euch vor, Satoshi Tanaka und Florent Muslija (in Bestform) hätten gestern Abend auf dem Rasen gestanden. Oder ein Tim Rossmann und ein Chris Rasmussen. Oder – aktuell – Anou El-Azzouzi und Sima Suso. Der Ergebene ist sich sicher: Dann hätte die früher mal glorreiche Fortuna gestern auf Schalke nicht verloren.

Vielleicht hätten die Coaches in der Schlussphase aber auch mehr Mut beweisen können und alles auf eine Offensivkarte setzen sollen. Mehr als mit mehr als einem Tor Unterschied konnte das Team ja ruhig verlieren, schlimmere Auswirkungen als auf die Tordifferenz hätte nicht gehabt. Okay, das Reinholen von Luca Raimund und Kilian Sauck ging in die richtige Richtung, aber ein zweiter Mann im gegnerischen Sechzehner, ja, sogar der lustlose Zan Celar hätte dazukommen können. So aber blieb es bei eher harmlosen Bemühungen.
Und wenn es eine zweite Überschrift über diese Saison geben soll, dann müsste die „Fehlpässe“ lauten. Was waren da gestern wieder für Klöpse dabei: Einwürfe ist nichts, Pässe auf einen imaginären Kollegen, der aber ganz woanders war. Fehlpässe über weniger als zehn Meter. Da kann man leider keinen Fortunen ausnehmen – dieses Mal nicht einmal Käpt’n Kastenmeier, der vor einer Woche noch diesen genialen Abschlag auf Itten getreten hat. Apropos: Unser Toptorschütze fand einfach nicht statt. Wenn die Strichliste des Ergebenen stimmt, wurde Cedi genau zweimal überhaupt im oder am Rand des Sechzehners angespielt. Wie soll der da Tore schießen?

Es wäre mehr drin gewesen, denn die Schlümpfe spielten merkwürdig verhalten, riskierten vor und nach dem 1:0 wenig. Dem Gegner das Übergewicht beim Ballbesitz zu erlauben, ist Muslic-Philosophie. Aber eher selten auf Ballgewinn zu spielen, ein Mangel der gestrigen Partie. Und die Risikoallergie führte dazu, dass die Fortunen den gefürchteten Sylla jederzeit im Griff hatten. Leider aber nicht diesen El-Faouzi, der ja zwei Jahre bei unserer Zwoten gekickt hat, ohne groß aufzufallen. Der war der King der Balleroberung, was fast immer zu erfolgsträchtigen Angriffszügen führte. Und auch nicht einen gewissen Kenan K., der sich nicht entblödete, sein Tor vor dem Gästeblock zu zelebrieren – auch der ein Ex-Fortune.
Und trotz aller Ängstlichkeit und aller Fehler: Fortuna Düsseldorf hätte den Ausgleich erzielen müssen; zwei Hundertprozenter gab es. In der 68. Minute schnibbelt Shinta Appelkamp einen Freistoß Richtung langes Eck; Cedi Itten läuft ein – wie es ein Knipser so tut – und rutscht Zentimeter an der Pille vorbei. Drei Minuten später eine Kombination ganz ähnlich wie die zum 3:0 gegen Dresden führenden; nur hat Luca Raimund dieses Mal die Kugel neben die Hütte. Schon in der 60. Minute findet sich Shinta Appelkamp frei vor S04-Tormann Karius, ein eher schwacher Schuss, denn der grünliche Keeper hält. Und dann war da noch Tim Oberdorf in der 57. Minute mit einem Flachschuss, den Karius kriegt – aber es sowieso abseits. Natürlich standen schon zur Halbzeit und erst recht am Ende mehr Torschüsse in der Schalker Bilanz. Allerdings waren die meisten so wenig heiß, dass Käpt’n Kastenmeier nur dreimal so richtige Paraden zeigen musste. Um es mal so auszudrücken: Mehr als ein 1:0 hatte der Aufsteiger nicht verdient.

Noch im Dezember beim Gastspiel der Männer aus dem Schacht hieß es: Die Niederlage sei eingepreist, die Punkte müssten anders geholt werden. Derlei Blödsinn hatte dieser Tage niemand auf der Zunge, dessen Herz für die Diva schlägt. Auch dass man damals in Elversberg verlieren würde, wurde schon vorab hingenommen. Das sieht nun ganz anders aus: Auch wenn es unmöglich erscheint, gegen die ELVen MUSS kommenden Samstag in der Arena gewonnen werden. Nur drei Punkte aus dieser Begegnung können noch dafür sorgen, dass der GAU eintritt. Wer meint, dass ein Punkt gegen die SVE reichen würde, wenn dafür Fürth in Fürth geschlagen würde, der hat ein schlecht rechnendes Milchmädchen an seiner Seite. Und ob summasummarum vier weitere Punkte reichen werden, steht auch in den Sternen.
Worauf darf man hoffen? Dass dieser oder jener wichtige Spieler wieder an Bord kommt? Dass aus Angsthasen Muthelden werden? Dass die Gegner versagen? Wie der Sonntag gezeigt hat, können wir auf Letzteres nicht bauen. Nachdem Magdeburg gegen die Hertha gewonnen und sowohl Münster als auch Fürth Unentschieden gespielt haben, ist die Fortuna nicht nur unter den Strich gerutscht, sondern jetzt besteht sogar die ganz reale Gefahr, am Ende Tabellenletzter zu werden. Schlimmer konnte es kaum kommen. Und dann haben die Elversberger auch noch Paderborn zerlegt und gezeigt, dass sie (wieder) voll im Saft stehen und aus eigener Kraft aufsteigen wollen. Da müssen sich unsere Jungs nächsten Sonntag nicht bloß warm anziehen, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie Punkte holen, ist weiter gesunken.
Alles deutet darauf hin, dass es am letzten Spieltag in Fürth zum finalen Duell kommen wird, dass über die Verteilung der letzten SECHS Plätze entscheidet. Da kann man den Tabellenrechner quälen, wie man will, nur im Optimalfall könnte die Fortuna auf Platz 15 enden. Die höchste Wahrscheinlichkeit hat leider der 17. Platz, gefolgt von der Position, die uns in die Relegation zwingen würde – was sich keiner, der auch nur ein bisschen an der Fortuna hängt, wünscht.
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Die Kommentare des Ergebenen haben Substanz, was auch auf diesen zutrifft. Aber bitte nicht so pessimistisch was die beiden letzten Spiele angeht. Erstens müssen die Mitbewerber gegen den Abstieg auch ihre Spiele gewinnen. Zweitens ist Elversberg nicht Bayern München sondern ein toller, stabiler und sympathischer Zweitligist- aber unschlagbar geht anders. Die Merkur muss mit 50.000 brennen, unsere Jungs werden es sowieso. Von den 5 Hütten gegen die Paddelbirnen hätte Kaste mindestens 3 verhindert. Zweimal retten die Elvers auf der Linie. Damit sage ich keinesfalls, dass es einfach wird. Aber mehr Optimismus haben unsere Jungs verdient. Selbst wenn es im Strassenbahn-Duell gegen die ‚Ziegen‘ geht, wir packen das.