Testspiel: Linzer ASK vs F95 2:0 – Das Ergebnis täuscht
In einem Freundschaftsspiel mit Niveau unterlag die gute Fortuna dem österreichischen Double-Sieger nach einer Partie (fast) auf Augenhöhe.
Bericht · Testspiele am Ende eines Trainingslagers sind so eine Sache: Manchmal (2024) besagt selbst ein 4:0-Sieg gegen einen internationalen Gegner GAR NIX, manchmal (2025) ist eine knappe Niederlage viel aussagekräftiger. In diesem Sinne gehört die gestrige 0:2-Niederlage zu den Ausprobierbegegnungen mit ordentlich Aussagekraft, denn das Ergebnis von 2:0 für LASK täuscht so etwas wie Überlegenheit vor – die es aber über 90 Minuten nicht gegeben hat. Wobei der Ergebene dieses Mal den Unterschied der beiden Halbzeit-Teams viel deutlicher fand als in den Testspielen zuvor. Dazu gleich mehr. [Lesezeit ca. 6 min]
Nicht ganz einfach, den österreichischen Profifußball im Allgemeinen und den Linzer Athletik-Sport-Klub (kurz: LASK, so auch ausgesprochen – also nicht L, A, S, K …) im Speziellen im Vergleich zu anderen europäischen Liga einzuschätzen. Zieht man alle Messdaten (UEFA-Wertung, kumulierte Marktwerte etc.) heran, gehört die sogenannte ADMIRAL Bundesliga kaum zu den 20 besten Ligen Europas; genau diesen Platz nimmt diese Liga in der Rangliste aller europäischen Ligen der Ebenen 1, 2 und 3 ein, steht als deutlich unterhalb der deutschen zweiten Liga und knapp über unserer dritten Liga.
Allerdings wurde LASK in der Saison 2025/26 tatsächlich nach 61(!) Jahren zum zweiten Mal Double-Sieger in Österreich, schloss also nach der Sechser-Meistergruppe als erster und damit als Meister ab und gewann am 1. Mai gegen den SCR Altach den ÖFB-Pokal. Der aktuelle Marktwert des Linzer ASK liegt – von transfermarkt.de ermittelt, also mit Vorsicht zu genießen – bei knapp 42 Mio Euro und liegt damit etwa auf dem Niveau des FC St. Pauli, aber über den Werten ALLER deutschen Zweitligisten. Insofern könnte man sagen: Für die Fortuna des Jahrgangs 2026/27 ein Gegner etwas über Augenhöhe.
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Gespielt wurde in der Linzer Raiffeisen-Arena, einem schmucken Kästchen, das angeblich genau 19.080 (Gründungsjahr des LASK: 1908) Menschen Platz bietet und schon sechsmal Spielort der Ösi-Nationalelf war. Offiziell waren wohl so um die 5.600 Zuschauende im Stadion, darunter bestimmt wieder alle Fortuna-Fans, die unsere Jungs ins Trainingslager nach Bad Leonfelden begleitet haben.
Die Aufstellung in der ERSTEN Halbzeit: Lasse Rieß (TW); Steven van der Sloot (AV), Felix Meiser (IV), Dominique Heintz (IV), Sascha Risch (AV); Jorrit Hendrix, Yassine Bouchama, Elias Arden und Lukas Eixler (Mittelfeld); Eric Hottmann und Fabian Schleusener (Sturm).
So langsam schälen sich die personellen Rezepte unseres Cheftrainers Alex Ende heraus, denn die Startelf gestern unterschied sich nur in zwei Positionen von der gegen den MFK Ružomberok am vergangenen Dienstag. Turnusmäßig stand Lasse Rieß, die für diesen Posten designierte Nummer 1, im Tor. Statt Zimbo Zimmermann gab Steven van der Sloot den rechten AV (in der zweiten Halbzeit wieder andersherum). Ansonsten war/ist diese Elf eine perfekte Mischung aus Jung und Alt – in der Innenverteidigung standen erneut Felix Meiser (19) neben Dominique Heintz (32). Im Mittelfeld dann Käpt’n Hendrix (31) zusammen mit dem vielversprechenden Elias Arden (17). Wer nun genau zum Saisonstart einen Stammplatz in der Startelf haben wird, ist unbekannt, aber dass es diese Mischung geben wird, darauf können wir alle einen lassen.
Interessant ist die Frage nach der Doppelspitze im von Ende so geliebten Rauten-Ding. Denn in Konkurrenz stehen Fabian Schleusener und Eric Hottmann irgendwie nicht. Während der Eric arbeitet wie ein Knipser und immer nur aufs Torn ballern will, ist Schleuse deutlich flexibler, geht mal mehr nach außen oder lässt sich gleich auf den Platz einer hängenden Spitze fallen. Dass die Coaches an diesem Thema noch arbeiten und selbst eine weitere Neuverpflichtung für den Job des Neuners denkbar ist, hat man daran gesehen, dass auch schon Hottmann/Paulina, Schleusener/Quiala Tito sowie auch Schleusener/Paulina und Hottmann/Quiala Tito probiert wurden. Der Ergebene sieht aktuell am ehesten das Duo Hottmann und Paulina vorn.

LASK trat zu Beginn eher verhalten auf, hatte aber die erste Chance des ganzen Spiels(!) erst in der 19. Minute. Da geht eine Linzer Torte frei in den Sechzehner auf Lasse Rieß zu, der rauskommt und sich breit macht und so auf diese Weise im Stil eines Klassekeepers das Tor vereitelt. Eine Minute später dasselbe noch einmal. Tatsächlich ist der Ballbesitz zwischen den Teams gerecht verteilt. Besonders auffällig: Das beherzte Pressing der Fortuna, das nichtzufällig passiert, sondern per Absprache. Überhaupt gefiel dem Ergebenen das ständige scharfe Anlaufen des jeweils Ballführenden sehr gut.
Na ja, in der 31. Minute hätte Eric Hottmann die Führung machen können. Hat einen zu kurzen Pass direkt am Strafraum abgefangen und ist nach rechts gezogen. Beim Versuch dann abzuschließen, rutscht er leider aus. Das war dann aber auch schon das Aufregendste der ersten Halbzeit.
Zudem stand der Ergebene beim Betrachten des Experimentalkicks noch ganz unter dem Eindruck des Vorabends. In der Retematäng, Stammkneipe der legendären Expertenrunde gab’s nämlich ein Pub-Quiz unter dem Motto „Fuppes & Fortäng“, und er war Teil der Mannschaft mit dem schönen Namen „Ährenrat“. Moderiert wurde das ganze vom unvergleichlichen Radioschreihals Olli Bendt und dem legendären Ex-Spochtrepochter Bernd Jolitz, bei der Technik unterstützt vom berühmten Radiomacher Christian Zeleen. Fast 50 Teilnehmer, unter ihnen U23-Coach Jens Langeneke, hatten aber so richtig Spaß an den Backen, wobei es die von Bendt und Jolitz in monatelanger Arbeit gedrechselten Fragen es wirklich in sich hatten. Dass das Langeneke-Team am Ende gewann, lag dem Vernehmen nach gar nicht so sehr an ihm. Der Ährenrat eroberte schließlich den geteilten dritten Platz. Diese unfassbar tolle Veranstaltung schreit nach Wiederholung!
Die Aufstellung in der ZWEITEN Halbzeit: immer noch Lasse Rieß (TW); Zimbo Zimmermann(AV), Tim Oberdorf (IV), Eli Egouli (IV), Kaden Amaniampong (AV); Jomaine Consbruch, Miguel Gonçalves, Anas Slimani und Killian Sauck (Mittelfeld); Jordi Paulina und Mechak Quiala Tito (Sturm).
Hach, es war schön, Eli Egouli wieder im F95-Hemd auf dem Platz zu sehen! Wer ihn als Verräter titulierte, als sein Wechsel nach Elversberg bekannt wurde, kennt die wahre Geschichte dahinter nicht. Es war nämlich so ähnlich wie bei Elione Fernandes Neto, der 2023 für 3 Mio Euro an RB Salzburg verkauft wurde; diese Einnahme sollte Fortuna helfen (und hat es auch getan). In beiden Fällen waren die Jungs zum Sprung bereit – nicht, weil sie Mijönchen verdienen wollten, sondern um zu sehen, ob sie weiter oben mitgehen können. Schwamm drüber. Jedenfalls ist der ältere Egouli-Bruder weiterhin bei F95 unter Vertrag und spielberechtigt.
Zwei Youngster im Kader versuchen gerade, sich mit Macht in die Herzen der Fans und in die Köpfe der Verantwortlichen zu spielen: Killian Sauck und Anas Slimani, wobei dem Ergebene der junge Herr Slimani sogar noch einen Ticken besser gefällt. Killian ist im Vergleich manchmal übereifrig und macht dann Fehler, Anas ist da stabiler. Mit Jomaine Consbruch und Miguel Gonçalves fremdelt der Ergebene noch ein wenig, weiß aber gar nicht genau weshalb. Ähnlich geht es ihm immer noch mit Kaden Amaniampong, während sich Noah Egouli wohl aus dem Kreis der Drittligamannschaft herausgespielt hat. Macht nichts, der hat auch noch Zeit.

In der 54. Minute kommt’s zum 1:0 für die Gastgeber. Klar, nach einem Standard, wird ja immer beliebter. Zum Beispiel nach einer auf den langen Pfosten gezogenen Ecke. Allerdings geht das Ding per Kopf rein, sondern der alleingelassene Linzer haut ihn per Direktabnahme am Pfosten vorbei ins Netz. Lasse Rieß war überrascht, hatte aber noch ein Fingerchen an der Pille. Ihm ist die Bude nicht anzulassen, wie er überhaupt einen souveränen Eindruck hinterlassen hat.
Kann man vom Linzer Torwächter auch sagen, denn der parierte in der 62. und in der 66. Minute, was ihm Quiala Tito und Slimani servierten. Spätestens danach zogen die LASKer, die nur zweimal gewechselt hatten, das Tempo deutlich an. Und stellten besonders unser Mittelfeld unter Stress. Chancen gab’s für Schwarzweiß aber auch erstmal nur drei, wobei Rieß in der 75. Minute erneut super reagierte. Während es vorne nicht besonders nach einem fortunistischen Tor roch, bahnte sich das 2:0 immer mehr an. Es fiel dann in der 79. Minute. Schneller Vorstoß des LASK, einer wird im Sechzehner freigespielt, zieht ab und – zack! Da war nichts zu halten.

Unsere Stürmer bemühten sich dann noch gut 10 Minuten, während die Hausherren wieder einen Gang herunterschalteten. Wirklich heftige Chancen gab’s dann nicht mehr. Eigentlich wäre ein Remis den Leistungen der Teams angemessen gewesen, also so ein 1:1. Die Rotweißen hätten sich das doofe 0:1 schenken können, und einer der Youngster hätte auch mal treffen sollen. So aber… Im Ernst: Die Art und Weise wie diese F95-Teams auftraten, machen Mut und geben Hoffnung. Das hat einerseits mit der überzeugenden Arbeit des Trainerteams zu tun, andererseits mit dem kollegialen Zusammenhalt der Kicker – und im Gegensatz zur Trümmertruppe von 2025/26 reden die aktuellen Fortunen auf dem Platz miteinander!
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Die Freude über das Comeback von Elias Egouli kann ich nur befingt teilen: Er ist beim Medicheck durchgefallen. Was war der Grund? Kollabiert er demnächst mit Kammerflimmern?! Gibt es absehbare mechanische Probleme bei der extremen Größe und dem damit einhergehenden Gewicht? Stoffwechselprobleme wie Diabetes u.a.?
Mir ist, gerade vor dem Hintergrund der Verletzungs- und Erkrankungsfrequenz der letzten Jahre, nicht wohl einem weiteren Einsatz des Egouli senior. Und wird sich nun überhaupt noch einmal ein anderer Club für ihn interessieren?!