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Freiburg vs F95 0:2 – Manchmal wirkt ein Trainerwechsel doch

[Analyse und Kommentar] Können wir jetzt bitte alle mal Adam Bodzek und Niko Gießelmann feiern? Und nicht nur Andre Hofmann und Erik Thommy, die es ja ohnehin fast immer verdient haben. Denn der nicht wirklich erwartete Sieg der glorreichen Fortuna in Freiburg hatte viele Väter. Einer davon lief unermüdlich in der Coaching-Zone hin und her. Uwe Rösler hat endlich für das kassiert, was er in seinen vier Ligaspielen am Spiel seiner Schützlinge verändert hat und damit bewiesen, dass der Trainerwechsel in der gegebenen Situation exakt das Richtige war.

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Die explodierende Kneipe

Zum ersten Mal explodierte die Retematäng in der 4. Spielminute. Mit maximalem Selbstbewusstsein waren die Fortunen in den Freiburger Sechzehner geraten, wo Erik Thommy aus flachem Winkel schoss, vermutlich als Pass gedacht, und die Pille von den Quanten eines SCFlers in die Kiste sprang. Nachdem die mehr oder weniger karnevalistischen Zuschauer in der Kneipe wieder gelandet waren, folgte Aschermittwoch. Der Linienassi hatte schon gewedelt, und die Kölner Asseln hatten ihm zugestimmt: Abseits. Matthias Zimmermann stand hinter dem vermeintlichen Eigentorschützen und hatte ihn bei der Aktion berührt, sodass aus einem passiven ein aktives Abseits wurde.

Stammtisch der Expertenrunde in der Retematäng
Stammtisch der Expertenrunde in der Retematäng
Spätestens aber in der 37. Minute eskalierte die Situation: Nach einer kurzen Ecke kriegt Kevin Stöger den Ball nahe der Grundlinie und fast im gegnerischen Strafraum und flankt präzise. Hoffmann kommt mit der geballten Power seiner Einsneunzig angeflogen. mäht einen Gegner fast nieder und nickt das Ei perfekt ein. Und dieses 1:0 stand. Es war das Ergebnis des durchweg aggressiven Forecheckings der Fortunen, des ständigen Wollens der Balleroberung und des enormen Lauffleißes. Rösler ließ die Weißen exakt das spielen, was dem SCF erfahrungsgemäß am meisten wehtut.

Bombenwerte zur Pause

Dementsprechend verhielten sich auch die statistischen Werte zur Pause, bei denen F95 in allen relevanten Kategorien (Laufstrecke, Zweikampf- und Passquote sowie Ballbesitz) vorne lag. Aber, seien wir ehrlich: Es hätte gut und gerne auch wieder so kommen können wie gegen Frankfurt und Wolfsburg. Oder gar wie gegen BMG, denn auch dieses Mal veränderte der gegnerische Trainer das System, und damit kamen die Fortunen nicht mehr so gut zurecht. Bedeutete, dass nun die Freiburger deutlich mehr Ballbesitz hatten, dass sie mehr liefen und natürlich auch mehr Torschüsse fabrizierten als zuvor.

Wer weiß wie die Sache geendet wäre, hätte der eine SCFler nicht in die Kabine gemusst – erst hieß es, er habe mal gepflegt k**cken müssen, später wurde verlautbart, er habe seinen Knöcheln neu bandagieren lassen. Jedenfalls traten die Hausherren einige Minuten lang in Unterzahl an. Aus einer ziemlich brenzligen Situation „in der Box“ (So nennt man ja heute den Strafraum…) vor Flo Kastenmeier kam der Ball über Stöger zu Thommy, der losrannte wie ein Duracell-Häschen. Tatsächlich fehlte den Freiburgern ein Mann in der Absicherung – der saß ja auf dem Pott, nein, Quatsch, in der Kabine. Jedenfalls spurtete der Mann aus Ulm, der über Regensburg, Augsburg und Stuttgart zu den Fortunen kam und leider nur bis zum Ende der Saison ausgeliehen ist, geschätzte 70 Meter in weniger als 8 Sekunden, um dann kalt bis ans Herz die Bude zum 2:0 zu machen. Das alles in der 61. Minute.

Bodzek? Jawoll: Adam Bodzek!

Dabei hatten die Mehr-oder-weniger-Experten in der Retematäng doch leise Zweifel geäußert als die Startaufstellung bekannt wurde. Bodzek? Adam Bodzek? Nicht Alfredo Morales oder wenigstens Marcel Sobottka? Kurzes Nachdenken half – wie in der Vorschau Ihres Ergebenen angemerkt, musste maximal aggressiv und körperbetont angetreten werden. Das traut man dem guten Sobottka nicht zu, und Morales leidet noch ein wenig unter seiner Platzwunde. Tatsächlich lag dadurch der Einsatz von Bodzek als tiefster Mann der Mittefeldfünferkette mehr als nahe. Ein wenig überraschend dagegen, dass Markus Suttner statt Zanka in der Dreierkette spielte, die ja eigentlich auch auf maximale Robustheit hätte ausgelegt werden können, wenn nicht müssen.

Das Kalkül der Coaches aber sah möglicherweise so aus: Wenn wir hohes Pressing erleiden, machen wir halt ne Quasi-Viererkette, in die sich Bodzek dann zurückfallen lässt. Stehen wir dagegen hoch, kann Suttner das Mittelfeld stärken. Der Rest der Fünferkette blieb. Stöger glänzte wie fast immer durch seine lange Wegstrecke, sein kluges Auge, viele spielöffnende Aktionen und eben auch die Vorlage zum 1:0. Berisha schien gestern derjenige gewesen zu sein, der mit einem Schuss Narrenfreiheit ausgestattet war, denn der war in der ersten Halbzeit überall und nirgends, wühlte, wirbelte und hielt die vorderste Reihe in Schwung.

Kenan is back!

In der wiederum Kenan Karaman, der dem Gevatter Tod vor ein paar Wochen von der Sense gehopst ist, ein beeindruckendes Comeback zeigte. Präsenz nennt man das wohl, was der bei jeder Strafraumaktion der Weißen zeigte, und recht eigentlich hätte er auch ein Tor verdient. Genau wie sein Spannmann, der gute Rouwen Hennings. Wobei beider Rolle in dieser Partie nicht besonders aufs Hüttenmachen angelegt war, sondern auf die ständige Verunsicherung der Freiburger Defensive. Immer ging das hohe Pressing aus dem Anlaufen der Gegner durch Hennings oder Karaman (natürlich auch durch Thommy und gelegentlich auch Zimmermann) hervor.

Wenn wollten wir noch besonders loben? Genau: den Herrn Gießelmann, von dem es über Wochen hieß, er sei die Schwachstelle im Funkel’schen System, der ihn trotzdem ein ums andere Mal brachte. Gestern musste er für Suttner ran, der schon in der 20. Minute angeschlagen ausgewechselt wurde. Niko gab über 70 Minuten den Gießelmann, der uns in der Vorsaison so oft begeistert hat. Und das ist eine gute Nachricht, weil die Legende von der schwachen linken Abwehrseite damit vom Tisch ist – schließlich lauert im Hintergrund auch noch Diego Content, dem so sehr wünschen würde, er könne noch einmal ernsthaft im Profifußball mittun.

Leichte Systemänderungen

Die Spielfilmwahrnehmung Ihres Ergebenen sah eine überlegene Fortuna gegen harmlose Freiburger in der ersten Halbzeit und eine drastisch verbesserte, taktisch anders sortierte Heimmannschaft, die bis zum 2:0 in der 61. Minute dem Ausgleich immer ziemlich nah war. Man hatte Uwe Rösler ja nicht ganz zu Unrecht vorgeworfen, in der Partie gegen BMG habe er es versäumt, auf das veränderte System des Gegners zu reagieren, was letztlich die Klatsche möglich gemacht hatte. Diesen Fehler beging der Cheftrainer dieses Mal nicht. Wer genau hinsah, erkannte, dass die Jungs in Weiß wenige Minuten nach Wiederanpfiff auf eine Art Dreieinhalberkette umstellte, also in Defensivsituationen tatsächlich mit vier Mann auf einer Linie agierten, wobei es je nach Lage eher Zimmermann war, der zurückrückte als Bodzek.

Das hielt auch ganz gut, obwohl es dem SCF nun gelang das Spiel aufzuziehen, das in der Hinrunde für so viel Furore gesorgt und sie in die hohen Tabellenregionen befördert hatte. Da aber die Fehlerquote der Düsseldorfer im Defensivspiel weiter niedrig blieb, kamen zwischen der 45. und der 60. Minute gerade einmal zwei Torschüsse (gegenüber vier in der gesamten Hälfte Eins) zustande. Übersetzt bedeutet dies, dass das F95-Team seinen Sechzehner weitgehend sauber hielt. So konnte/musste Kastenmeier auch nur bei Fernschüssen glänzen. Überhaupt: Der gute Flo steigert sich von Spiel zu Spiel, wird deutlich ruhiger und steht nun immer richtig.

Sinnvolle Auswechslungen

Auch die Einwechslung von Morales für Berisha in der 67. Minute macht Sinn, jedenfalls auf den ersten Blick, denn einen offensiven Mittelfeldler durch einen defensiveren zu ersetzen, dient der Ergebnissicherung. Tatsächlich aber nahm dieser Tausch den letzten Rest Angriffsschwung aus dem Spiel der F95er – wären die Freiburger nicht spätestens ab er der 70. Minute mental ziemlich eingebrochen, hätte dies auch zu entlastungsfreiem Dauerdruck führen können. Der positionsgenaue Wechsel von Zanka auf den Platz von Hoffmann in der 87. Minute ging in Ordnung, denn der Mann des Spiels musste sicher nicht wegen mangelhafter Leistung runter.

Fehlt in der Darstellung der Fortuna-Leute nur noch Kaan Ayhan, der ein merkwürdiges Spiel machte: Nach vorne klug und kreativ, eines möglichen Sechsers absolut würdig, hinten einen Hauch hektisch und im Zweifel eine Nummer zu hart. Insgesamt drei höchst gefährliche Freistöße in Strafraumnähe gingen auf sein Konto, und auch die gelbe Karte gegen ihn in der 34. Minute beruhigte ihn nicht wirklich. Es scheint manchmal, dass der gute Kaan einen Hauch chaotischer agiert, je besser seine Mitverteidiger stehen – komische Sache das…

Verblödete TV-Sprechpuppen

Apropos: Schiri Willenborg, den Realschullehrer, hatten wir zum dritten Mal in dieser Saison; sicher kein schlechter Referee, aber manchmal ein bisschen unberechenbar, der außerdem dazu neigt, den nominellen Favoriten leicht zu bevorzugen. So war das in der laufenden Saison beim Auswärtsspiel in Frankfurt, beim Heimspiel gegen die Bayern und auch gestern. Nein, nichts Weltbewegens, eher subkutane Maßnahmen wie die FÜNF Minuten nachspielen zu lassen, obwohl es weder größere Verzögerungen durch Verletzungen, noch durch Elfmeter oder Videobeweise gegeben hatte. Der Blödmann, der die Zusammenfassung des Spiels für die ARD-Sportschau kommentierte, meinte, es habe an den vielen Spielverzögerungen durch die Fortunen gelegen.

Man fragt sich inzwischen überhaupt, auf welcher Basis diese teilverblödeten Sprechpuppen, die Bundesligaspiele auf ein paar Minuten kondensieren, eigentlich ihre Beurteilungen treffen. Auch beim Kurzbericht im Aktuellen Sportstudio griff sich der geneigte Fortunafreund an den Schädel angesichts des hanebüchenen Unfugs, der da palavert wurde. Ja, nix vom Fußball kapieren, aber das Drecksprojekt aus Leipzig ständig „Rasenballsportler“ zu nennen! Auch der Bömmes, der die Sportschau weggrinsen darf, rafft kaum noch was: Dass die BMGler das Hopp-Fadenkreuz hissten, war als Protest gegen die Kollektivstrafe gedacht, die der DFB gegen den BVB-Anhang ausgesprochen hat. Sieht so aus, als seien die mit dem Besprechen von Fußball ihr Brot verdienenden Herren mittlerweile so weit von Otto Normalfan, dass sie solche Dinge wie Hoppenheim und Red Bull für völlig okay halten, ja, diesen Projekten noch mit Vergnügen den Arsch küssen.

Eine Zwölf-Punkte-Strecke? Möglich…

Alles in allem war der Auswärtssieg absolut verdient. Das besonders Schöne daran: Endlich wurde ein über weite Strecken richtig gutes Spiel der Fortunen mit einem Sieg belohnt. Der an der Tabellenlage allerdings nichts ändert. Die würde erst dann beeinflusst, wenn die Jungs aus den nächsten drei Partien mindestens sechs Punkte holt, also zweimal gewinnt. Das sollte am kommenden Freitag gegen die vollverpreetzte Hertha genauso möglich sein wie gegen Paderborn, dessen Spielweise man nun so gut kennt, dass man angemessen darauf reagieren kann. Das Sahnehäubchen der folgenden Wochen könnte dann (abgesehen vom Sieg im Pokalviertelfinale gegen Saarbrücken) ein Auswärtssieg in Mainz sein – quasi als Abschluss einer Zwölf-Punkte-Strecke. Dann hätte die wunderschöne Fortuna 29 Punkte und wäre aus dem Gröbsten raus.

Wäre, wäre, Fahrradkette: Gibt es aus den erwähnten drei Partien dagegen nur – sagen wir mal – 5 Punkte, könnte es sehr, sehr eng werden. Es sei denn, wir schlügen den Äff-Zeh auswärts und Schalke zuhause, was beides denkbar wäre und besonders guttäte. Danach ließen sich Klatschen gegen die Bayern, das Projekt und den BVB sicher ganz gut verdauen.


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