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F95 vs Bochum 3:0 – Hellwach am Dienstagnachmittag

Mit drei blitzsauber herausgespielten Toren und teilweise richtig feinem Fußball erteilte die Fortuna harmlosen Bochumern eine deutliche Lektion. Die Blauen aus dem Pott hatten genau zwölf Minuten lang etwas vom Spiel und kamen per Saldo und wohlwollend gerechnet auf insgesamt vier Chancen in der Partie. Die wurden entweder versägt oder vom erneut fehlerfreien Michael Rensing entschärft. Apropos: Wieder erweist sich die Richtigkeit der alten Floskel „Fußball ist ein Fehlervermeidungssport“. Denn im Vergleich zu den Begegnungen mit Fürth und in Heidenheim lag die Fehlerquote bei den F95-Jungs dieses Mal um ein Vielfaches niedriger. Gleichzeitig war ein weiteres Ansteigen des Balleroberungsfaktors zu messen. Das spricht für mehr Selbstvertrauen und mehr Siegeswillen – beides klassische Erfolgsfaktoren.

Beim Verlesen der Aufstellung machte sich ein leichtes Stöhnen unter den Fans breit, denn einige hatten auf mehr Youngster in der Startelf gehofft. Aber die alten Männer an der Linie gehen ihren Weg weiter und setzen die jungen Wilden in eher homöopathischen Dosen ein. Wobei sich langsam die Frage stellt, ob Marcel Sobottka und Ihlas Bebou überhaupt noch zu den Jungen zählen, so unhysterisch sie auftreten. Gerade Ihlas Bebou hatte gestern einen Traumtag aus dem Topf gezogen und bot erstmals in dieser Saison eine richtig überragende Leistung – und das von einem Burschen, den man so gerade noch bei der Fortuna hat halten können. Spieler des Tages war aber für viele Experten der neu zur Fortuna gestoßene Schalker Kaan Ayhan. Der wirbelte an vielen Stellen gleichzeitig, spielte Bochumer in Serie schwindlig und hatte immer ein Auge für den freien Mitspieler. Dass er in der zweiten Halbzeit zweimal mit demselben Hackentrick Torchancen erzeugte, kann als symptomatisch gewertet werden.

Perfekte Viererkette

Basis aber bildete die von Kevin Akpoguma perfekte geleitete Viererkette, die neben dem fast unüberwindlichen Zentrum zwei Außenverteidiger bietet, die sich jederzeit ins Angriffsspiel einschalten können. Und das auch tun. Von Lukas Schmitz, der wieder sehr gefährlich auftrat, ist man das gewohnt. Aber auch Julian Koch auf der rechten Seite nutzte seine zweite Startelfaufstellung und bot eine unerwartet starke Leistung. Die schlug sich schon in der 14. Minute nieder, als er den Flachpass in die Mitte schlug, aus der Rouwen Hennings das 2:0 machte und seinen ersten Treffer für die Fortuna erzielte. Schmitz hatte aber bereits in der 3. Minute ein ähnliches Ding von links geliefert, das zum 1:0 durch Marcel Sobottka führte.

Trotzdem: Über die Personalie Rouwen Hennings wird weiter zu diskutieren sein. Offensichtlich haben Funkel und Hermann das richtige Erfolgsrezept für seinen Einsatz noch nicht gefunden. Denn immer noch hing der vormalige Torschützenkönig der zweiten Liga in der Luft. Das liegt – um es einmal kritisch zu werten – an seiner persönlichen Spielweise, die auf Abwarten ausgerichtet ist. Man würde sich von ihm eine Dauertätigkeit als Wühler wünschen (wie sie Ya Konan in seinen besten Spielen für F95 gebracht hat).

Beinahe eine Doppelsechs

Noch vor der Pause musste Käpt’n Oliver Fink mit leichten Muskelproblemen den Platz verlassen. Für ihn kam Axel Bellinghausen, was in der zweiten Spielhälfte zu einem deutlich veränderten Spielsystem der Weißen führte. Tatsächlich brachte diese Veränderung nach der Pause zunächst die Bochumer ins Spiel, die voll auf Attacke spielten und die Fortunen die erwähnten zwölf Minuten lang unter Druck setzen. Mehr als zwei – allerdings recht gefährliche Tormöglichkeiten – sprang dabei nicht heraus, und die Schützlinge von Friedhelm Funkel und Peter Hermann wusste sich rasch wieder zu befreien.

Jetzt waren es vor allem Bebou und Ayhan, die das Spiel schnell machten und die Ruhrgebietler schwindlig spielten. Nach der Auswechslung von Fink übernahm witzigerweise Adam Bodzek teilweise dessen Aufgaben, sodass er gemeinsam mit Sobottka praktisch eine Doppelsechs bildete. Das mündete in einem perfekten Spielzug, den Bebou in einen feinen Querpass auf Bellinghausen ummünzte. Und tatsächlich haute der das Ei aus vollem Lauf und ganz präzise zum 3:0 in die Maschen. Der ewige Fortune freute sich dermaßen über seinen ersten Treffer seit Monaten, dass er die Pille danach breit grinsend auf die Südtribüne drosch.

Fanunfreundliche Anstoßzeit

Nur knapp 22.000 Zuschauer erlebten dieses tolle Spiel der glorreichen Fortuna, wobei aus Bochum gut 4.000 VfL-Anhänger angereist waren. Wenige Minuten vor Spielbeginn waren die Tribünen noch halbleer, und auf der Südtribüne klafften durchweg große Lücken. Dies ist der extrem fanunfreundlichen Anstoßzeit von 17:30 geschuldet. Die führt dazu, dass kaum das Heimpublikum pünktlich zum Spiel kommen kann, ohne dass man sich mindestens einen halben Tag Urlaub nimmt.

Erschreckend wie klaglos die Vereine der zweiten Bundesliga solche Entscheidungen der DFL hinnehmen. Während sich nur noch unterhaltungswillige Menschen ein Interesse an der ersten Liga haben, erweist sich nämlich das angebliche „Unterhaus“ zunehmend als das wahre „Premiumprodukt“ der DFL. Mit diesem Pfund sollten die vielen Traditionsclub nun wuchern und ihre Interessen deutlich machen und durchsetzen – Hunderttausende Fans des Fußballs jenseits vom Soccer Entertainment Business würden es ihnen danken.

Schließlich hat sich mit Fortuna Düsseldorf nun ein weiterer großer Fußballverein in die obere Hälfte der Tabelle eingemischt. Nachdem Stuttgart den Höhenflug der Braunschweiger vorerst gestoppt hat, könnte nämlich eine ähnlich gute Leistung wie gestern selbst gegen die Blau-Gelben zu einem Auswärtssieg führen. Und dann würde die zweite Liga noch ein bisschen spannender.

[Titelbild: Sandra Drljaca]


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